Der Pinguin-Countdown

22. Mai 2014 at 3:41

Posted from Ventnor, Victoria, Australia.

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„Wir sind noch nicht soweit, aber etwa in 15 Minuten da – sagt Ihr das bitte den Touristen?“ – so in etwa haben wir uns vorgestellt, dass die Pinguine jeden Abend Bescheid geben, wann die Besucher mit ihrem großen Auftritt rechnen können. Denn gleich am Eingang des Infozentrums steht auf einem Bildschirm: „Die Pinguine werden heute um 20:29 Uhr erwartet“. 🙂 Hört sich lustig an, oder? Die in Victoria berühmte Pinguin-Parade lockte auch Sophie, Eva, Michelle und mich für einen Tagesausflug nach Phillip Island – etwa 80km südöstlich von Melbourne gelegen.

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Sophie bekam das Auto ihrer Gastfamilie und so machten wir uns früh am Morgen auf den Weg. Das Wetter war herrlich und wir freuten uns darauf, die kleine Insel, die nach dem ersten Gouverneur Australiens benannt ist, zu erkunden. Die Insel selber ist nur etwa 100 Quadratkilometer groß und man ist innerhalb von 15 Minuten von einem Ende zum anderen gefahren. Aber gerade in den Sommermonaten ziehen die schöne Natur, die traumhaften Strände und die verschiedenen Tierarten über 40.000 Besucher an. Viele Familien aus Melbourne – natürlich nicht die armen – haben dort auch ein Ferienhaus. So gern ich auch in Melbourne bin, es ist immer mal schön, für eine Weile aus der Stadt rauszukommen. Denn die Natur ist ja schließlich das, was Australien ausmacht. Gut gelaunt fuhren wir, besser gesagt Sophie, über die Insel und fanden einen wunderschönen Strand für unser Picknick – Anzacs Beach. IMG_4296 Obwohl es ein Samstag und traumhaftes Wetter war, sahen wir dort kaum Touristen. Nur ein paar einheimische Angler und Surfer. Nun dürft Ihr dreimal raten, wem wir mehr Beachtung geschenkt haben. 😉 Wir hatten alle viele leckere Sachen mitgebracht (Kräuterbaguette, Salat, Obst, Kekse,…) und ließen es uns schmecken. So könnte es jeden Tag sein – am Strand sitzen, picknicken, hübschen Surfern zuschauen und das grandiose Wetter genießen.

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Da wir uns aber auch noch den Rest der Insel anschauen wollten, IMG_4359mussten wir wohl oder übel aufbrechen. IMG_4360Als nächstes liefen wir durch ein kleines beschauliches ÖrtchenIMG_4353, aßen ein Eis und fuhren dann zur Südwestspitze der Insel. Dort führen Holzstege entlang der Basaltküste und die Gegend sieht wirklich traumhaft aus. Auf dem Weg dorthin ist uns auch ein Wallaby in der freien Natur begegnet. Seehunde, die es dort auch zuhauf geben soll, haben wir nicht gesehen. Also keine lebenden, denn von oben haben wir einen erspäht, der verdächtig lange und in komischer Verrenkung auf den Steinen „geschlafen“ hat… Unter den Holzstegen begrüßten uns aber schon die ersten Pinguine, die in der Mauser waren! Wie putzig die sind!

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Am Abend, zwei Stunden vor ihrer erwarteten Ankunftszeit, gingen wir dann zur Pinguin-Parade. IMG_4400Ich hatte noch nie Pinguine in der Natur gesehen (also bis auf die ein paar Stunden zuvor) und freute mich total darauf. Meiner Freude konnte es auch keinen Abbruch tun, dass die Ankunft der Pinguine natürlich kommerziell total ausgeschlachtet wird. Das Besucherzentrum bietet nämlich nicht nur Informationen, sondern es hat auch einen großen Shop mit allem, was das Pinguin-Liebhaber-Herz begehrt. Ich gebe zu, ich habe auch eine Pinguin-Parade-Tasse und zwei Schlüsselanhänger gekauft – kommt ja alles den Pinguinen zugute! 🙂IMG_6412IMG_6409 Außerdem kann man sich zum Beispiel vor einem Blue Screen fotografieren lassen und dann steht man plötzlich auf dem Bild mitten zwischen den Pinguinen am Strand. Kurz etwas zu den Pinguinen: Die Kolonie der kleinsten Pinguine der Welt ist mit etwa 32.000 Exemplaren auf der Insel verteilt (eine der größten Kolonien ihrer Art auf der Welt), allerdings ist nur dieser Strandabschnitt für die Touristen zugänglich, um die anderen zu schützen. Seit 90 Jahren kommen Touristen und Einheimische zu diesem Strand, um zu beobachten, wie die Pinguine nach Sonnenuntergang aus dem Meer auftauchen, den Strand überqueren und zu ihren Nistplätzen in den Sanddünen watscheln. Im Laufe der Zeit sind neun von zehn Kolonien Füchsen, Katzen oder Hunden zum Opfer gefallen und das ist die einzige, die überlebt hat. Jeden Abend kommen bis zu 800 Pinguine, auf deren Ankunft im letzten Jahr 526.000 Besucher gewartet haben. Das Zentrum hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Pinguine zu schützen und im vergangenen Jahr 3,2 Mio Dollar für Forschung, Umwelt- sowie Bildungsprogramme ausgegeben. Gelernt habe ich zum Beispiel, dass Pinguine nicht lange fackeln, wenn es mit dem Partner in Bezug auf den Nachwuchs nicht so gut läuft – sie suchen sich dann einfach einen anderen. Die jährliche „Scheidungsrate“ liegt bei den Kleinen Pinguinen bei stolzen 18-50%!

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Wir saßen also mit hunderten anderen Touristen am Strand und warteten in der Dunkelheit auf die Ankunft der Stars des Abends. Na ja, so wirklich dunkel war es nicht, denn es waren Scheinwerfer auf den Strand gerichtet, so dass die Menschen auf den Tribünen auch etwas sehen können. Pinguin-Parade_1Wenn man da so sitzt, auf den dunklen Ozean schaut und über eine Stunde wartet, dann kann es richtig kalt werden. So waren wir sehr froh, dass wir Decken hatten, denn die Pinguine haben sich ganz schön Zeit gelassen. Dabei haben wir auch rumgewitzelt, dass vielleicht jeden Abend Mitarbeiter des Besucherzentrums mit einem Boot rausfahren und die Pinguine für die Touristen ins Wasser werfen. 🙂 Weil das Licht natürlich nicht bis zum Wasser reicht, musste man sich wirklich konzentrieren, um zu erkennen, ob die Schatten schon Pinguine sind. Als es dann endlich soweit war und die ersten an Land gewatschelt sind, war das wirklich ein Erlebnis! Ganz vorsichtig und in kleinen Gruppen liefen sie immer nur ein paar Meter, schauten sich dann um (ob irgendwo ein Feind lauert, weil sie bis auf ein paar Felsen am Strand ziemlich ungeschützt sind) und gingen schnell in der Gruppe weiter. Sehr süß!!! Pinguin-Parade_2Mal waren es nur drei oder vier, mal um die 20 oder 30 auf einmal. Leider sind sie nicht direkt an uns vorbeigelaufen, aber trotzdem war es faszinierend, ihnen zu zuschauen. Insgesamt sind an dem Abend 749 Pinguine gekommen! Das hätten wir nicht gedacht, es sah gar nicht nach so vielen aus. Als dann die letzten „strandeten“, konnten wir die Pinguine (also die Besucher auf Holzstegen und die Pinguine nebendran auf ihren Wegen) ein Stück zu ihren Nistplätzen begeiten. Das war wirklich ein Bild für die Götter! In kleinen Gruppen liefen sie die beleuchteten Wege oder teils auch querfeldein hoch, direkt neben den Touristen und lassen sich von den vielen Menschen nicht stören. Sooo goldig, sag ich Euch. Da möchte man direkt einen in die Tasche stecken! 🙂 Da war was los! Die vielen Menschen, die neben den Pinguinen hergelaufen sind und die Pinguine, die in den unterschiedlichsten Tönen miteinander kommunizierten (teilweise klang es wie Eselslaute) und sich von den aufgeregten Menschen nicht aus der Ruhe bringen ließen. Leider durfte man nicht fotografieren (das Blitzlicht schadet angeblich den Augen der Tierchen, aber sicherlich wollen sie so auch mehr Postkarten verkaufen :-)), aber das hielt natürlich einige nicht davon ab, es doch zu machen. Da kann man richtig wütend werden, denn wenn es den Kleinen Pinguinen wirklich schadet, ist das ja allerhand – solche Deppen!

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Nach etwa einer Stunde war das Spektakel wieder vorbei und wir auch ziemlich durchgefroren. Aber ich fand es war trotz der kommerziellen und vertouristeten Aufmachung ein tolles und unvergessliches Erlebnis! Gegen Mitternacht erreichten wir nach diesem aufregenden Tag wieder Melbourne.

Das Immigration Museum oder Wie neun Mio. Menschen nach Australien kamen

19. Mai 2014 at 16:20

Posted from Melbourne, Victoria, Australia.

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Seit 1788 sind über 9 Millionen Menschen nach Australien eingewandert. Einer von vier Einwohnern des Bundesstaates Victoria wurde im Ausland geboren. Da liegt es nahe, sich die Geschichte der Einwanderung im „Immigration Museum“ mal näher anzuschauen. Die ersten deutschen Einwanderer kamen 1849 und viele weitere folgten und hofften, Gold zu finden. Schnell wurden die Deutschen die größten Gruppe nach den Briten. Die Zuwanderung aus Deutschland setzte sich bis ins 20. Jahrhundert fort. Während des Ersten und Zweiten Weltkriegs gab es (wie nicht anders zu erwarten) eine starke anti-deutsche Stimmung in Australien. Was mich aber doch erstaunt hat, war, dass die Australier Deutsche, Italiener, Japaner und Menschen aus 30 weiteren Ländern – insgesamt 12.000 – in 18 Lagern interniert haben. Davon hatte ich noch nirgendwo etwas gehört. Im Zensus 2011 zählte man in Victoria rund 28.000 in Deutschland Geborene.

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Das Immigration Museum ist wirklich interessant und auch richtig interaktiv aufgebaut. Am Anfang erfährt man viel über die Geschichte der Immigration in Australien, wobei die Deutschen als eine der größten Gruppen auch oft erwähnt werden. Anhand einer italienischen Einwanderin wird gezeigt, was die Menschen dazu gebracht hat, sich am anderen Ende der Welt ein neues Leben aufzubauen, welche Hoffnungen sie hatten und wie es ihnen ergangen ist. Toll fand ich auch den Nachbau eines Schiffes, mit dem 1840 Einwanderer aus Irland nach Australien gekommen sind. Man kann durch die Schlafräume der Passagiere und der Crew sowie durch das Zimmer des Kapitäns gehen und auch einen Blick in die Toilette werfen (ob man das möchte, ist eine andere Frage). Das Besondere daran ist, dass man währenddessen Geräusche hört, die man zu der Zeit normalerweise auch auf einem Schiff gehört hätte: das knarzende Holz, schreiende Kinder, sich unterhaltende Menschen – sogar die Geräusche, die Menschen so auf dem Klo machen… Sehr anschaulich! 😉

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Außerdem werden die verschiedenen Stufen der Einwanderungspolitik des Landes erklärt und man kann Videos von Interviews, die mit Leuten geführt wurden, die nach Australien einwandern wollten, anschauen. Je nach der jeweiligen Einwanderungspolitik der 1920er, 1950er oder der Gegenwart muss man dann entscheiden, ob man der Einwanderung zugestimmt hätte oder nicht. Wenn man sich dafür oder dagegen ausgesprochen hat, erfährt man, ob die eigene Entscheidung mit der der australischen Regierung übereinstimmt. Das ist sehr interessant und wir haben uns einige Interviews angeschaut. Manchmal war es wirklich nicht einfach und wir lagen oft daneben. Einem Mann aus dem Nahen Osten, der Asyl beantragt hatte, beim Interview ziemlich in die Mangel genommen wurde und sich teilweise auch in Widersprüche verstrickte, hätten wir kein Aufenthaltsrecht gegeben, obwohl er es von der Regierung bekommen hatte. Dafür war uns ein Pärchen sehr sympathisch, die aus Europa einwandern wollten. Allerdings werden ihre Berufe hier momentan nicht gebraucht, so dass sie einen negativen Bescheid bekamen. Im oberen Stockwerk des Museums schauten wir uns anschließend noch eine Ausstellung zum Thema „Identitäten“ an.

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„WM-Fieber: Im Jeep von Kenia nach Brasilien“ – Interview für das Weltreisemagazin

29. April 2014 at 14:51

Posted from Melbourne, Victoria, Australia.

Keine Sorge, ich bin nicht plötzlich auf die Idee gekommen, von Kenia nach Brasilien zu fahren! 🙂

Aber für das „Weltreisemagazin“ habe ich Florian Keller zu seiner großen Reise durch 25 Länder in 200 Tagen interviewt. Wie er sich darauf vorbereitet und was er bisher alles erlebt hat, könnt Ihr hier nachlesen:

http://weltreiseforum.com/blog/im-jeep-von-kenia-nach-brasilien/

Viel Spaß beim Lesen und ganz liebe Grüße in die Heimat!

White Night – Menschenmassen, bunte Gebäude und Purple Rain

20. April 2014 at 14:04

Posted from Melbourne, Victoria, Australia.

Erst einmal wünsche ich Euch allen FROHE OSTERN! Ich hoffe, der Osterhase hat Euch auch genauso viel leckere Schokolade gebracht wie uns hier in Melbourne. 🙂 Ich habe übrigens gelernt, dass Ostern im Herbst ist, weil der Osterhase so die Eier im Laub verstecken kann. 😉 In den letzten Wochen war ich so viel unterwegs und habe so viel unternommen, dass ich mit dem Aufschreiben meiner Erlebnisse gar nicht mehr hinterher komme. Deshalb werde ich nun ein paar Texte zu Themen schreiben, die schon einige Zeit her, aber für Euch sicherlich auch jetzt noch interessant sind.

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Was passiert, wenn in Melbourne alle Museen von 19 Uhr bis 7 Uhr morgens offen haben, viele Gebäude mit unterschiedlichen Lichtern und Mustern angestrahlt werden, Straßenkünstler Konzerte geben, Ausstellungen sowie Filmvorführungen stattfinden, es verschiedene Sonderveranstaltungen gibt und das alles GRATIS ist? Mehr als 500.000 Menschen kommen in die Innenstadt! Bei der diesjährigen „White Night“, die nun zum zweiten Mal in Melbourne stattgefunden hat, konnten wir das hautnah erleben! Zusammen mit Michelle (Texanerin, die Ende 20 ist und nach jahrelanger Arbeit bei KPMG nun hier studiert), die ich an dem Tag über Rachel (sie haben an der gleichen Uni studiert und Michelle hat über das Alumninetzwerk zu ihr Kontakt aufgenommen, als sie neu in die Stadt gekommen ist) kennen gelernt hatte, kämpfte ich mich durch die Menschenmassen. Eigentlich wollte ich mich an dem Tag auch noch mit der Beatriz, der Jenny und dem Gregor treffen, aber – wie konnte es auch anders sein – in der Innenstadt war das Mobilfunknetz total überlastet und man konnte keinen erreichen.

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Schon allein die Menschenmassen waren beeindruckend, aber die bunt angestrahlten Gebäude waren wirklich super schön! Die Muster und Farben, die oft mit der Struktur und dem Aufbau des Hauses abgestimmt waren, wechselten nach einer Weile und man kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.

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Wir blieben oft bei StraßenkünstlernIMG_4158 stehen, hörten der Musik zu, schauten uns ein paar Filmsequenzen an IMG_4160(ehrlich gesagt konnten wir nicht ganz nachvollziehen, warum Leute sich in eine Gasse stellten und ganze Filme an diesem Abend anschauten) und ließen uns mit der Masse treiben. Leider war es überall so überfüllt, dass wir in kein Museum, keine Galerie oder zum Beispiel in die State Library hereingekommen sind, weil uns die Warteschlangen einfach viel zu lang waren. IMG_4171Wir haben übrigens von einigen gehört, die an diesem Abend gar nicht viel gesehen haben, weil sie durch die Menschenmassen nicht vorangekommen sind, sich in dem Gewühl verloren haben oder einfach keine Lust hatten, sich durch das Gedränge zu schieben. Von daher war es wahrscheinlich ganz gut, dass wir nur zu zweit unterwegs gewesen waren. So kamen wir auch bis zum alten Gefängnis , in dem die Aktion „Purple Rain“ stattfand. Die Idee war echt etwas Außergewöhnliches: Mit einem Regenschirm ausgestattet konnte man zum Lied „Purple Rain“ in lilafarbenem Regen herumlaufen! Leider hätte man dafür auch lange anstehen müssen und wir wollten ja noch mehr sehen. Am Ende kehrten wir dann in einer Bar ein, tranken und quatschten. 😉

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Die White Night war ein sehr besonderes und interessantes Kulturangebot, hinter dem ein unheimlicher Organisations- und Sicherheitsaufwand gesteckt haben muss. Das Konzept sollten wirklich mehr Städte übernehmen!

Weintour, Clubbing und BBQ – Mein australischer Geburtstag :-)

11. April 2014 at 16:42

Posted from Melbourne, Victoria, Australia.

Wie schnell doch ein Jahr vergehen kann! Es scheint mir, als hätte ich erst gestern meinen 30. Geburtstag mit einer großen Hollywood-Party zusammen mit meiner Familie und meinen Freunden gefeiert und schon stand mein 31. Geburtstag vor der Tür! Hätte man mir vor ein paar Jahren gesagt, dass ich den mal in Australien feiern würde, hätte ich das sicher nicht geglaubt. Wenn man ins Ausland geht, weiß man ja nie, wie die Zeit dort verläuft und wie man solche besonderen Tage verbringt. Umso mehr habe ich mich gefreut, meinen Geburtstag mit so vielen lieben Leuten zu verbringen und so viele tolle Sachen zu machen. Ein schöneres Geburtstagswochenende hätte ich mir hier nicht vorstellen können!

„Wine is my favorite four letter word“

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Der Spaß ging schon einen Tag vor meinem Geburtstag am frühen Morgen los. Man soll sich ja in der Ferne auch mal mit etwas umgeben, dass einem vertraut ist – was lag da also näher, als eine Weintour zu machen?! 😉 Zusammen mit der Michelle und der Sophie testete ich also, ob der Wein im Yarra Valley (die Region um Melbourne herum) an den fränkischen herankommen kann. Organisiert wurde die Fahrt von „Newbies in Melbourne“, das ist eine Guppe, die Neuankömmlingen den Start in Melbourne erleichtern möchte, Ausflüge organisiert und Kontakte vermittelt. So fuhren also 25 gut gelaunte Frauen (alle etwa um die 30) um 9 Uhr morgens los – und um 9.30 Uhr gab es den ersten Sekt im Bus.  🙂 Na, das konnte ja heiter werden!IMG_5228 Kaum waren wir aus der Stadt draußen und am ersten Weingut angekommen, fühlte man sich wie in einer anderen Welt und der Trubel der Großstadt war sofort vergessen. Solche Ausflüge sollte man viel öfter machen! Es sah alles sehr idyllisch aus und umgeben von Weinreben fühlte ich mich fast wie zu Hause. Bei drei Weingütern durften wir von jeweils vier Weinen (weiß, rot und rosé) probieren und die Stimmung wurde von Weingut zu Weingut immer ausgelassener. 🙂 Im Gegensatz zu Michelle konnte ich mich (war ja zu erwarten) eher für die Weiß- als für die Rotweine begeistern, aber fast alle haben wirklich gut geschmeckt. Wie die Profis schwenkten wir den Wein im Glas, rochen daran und tranken ihn dann mit großem Genuss.

Na ja gut, fast wie die Profis, aber es sah sicherlich sehr expertenmäßig aus! 😉 Für mein Barbecue am nächsten Tag kaufte ich auch drei Flaschen guten Weißwein (für je 8 Dollar, da kann man nichts sagen). Zwischendurch gab es ein leckeres Barbecue mit allerlei Fleisch, Salaten und Obst. Das hatten wir alle auch bitter nötig! Denn bis zum dritten Weingut hatten wir nur unser Frühstück intus und wir lechzten nach Essen. 🙂 Beim vierten Weingut gab es dann keine Weinprobe mehr, sondern wir hätten uns selber einen Wein kaufen können. Uns war aber da erst mal nicht mehr nach Wein… 😉 Bevor es zurück nach Melbourne ging, machten wir noch einen kurzen Stopp in der Yarra Valley Chocolaterie.

Da war die Hölle los – Schokolade in allen möglichen Formen, Geschmacksrichtungen und Verpackungen. Wir haben uns auf die kostenlosen Proben gestürzt und ich muss sagen, die Schokolade ist wirklich lecker! Toll war, dass man den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch eine Glassscheibe bei der Herstellung und Verarbeitung der Schokolade zusehen konnte. Um 17 Uhr waren wir wieder zurück in der Großstadt und froh, diesen Ausflug gemacht zu haben.

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100 Dollar Getränkegutschein und Gäseliste

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Am Abend feierte ich dann mit zehn sehr lieben Leuten aus Deutschland, Spanien, den USA und Finnland im Club „Spice Market“ in meinen Geburtstag rein (ich war übrigens die älteste). Der Club ist etwas schicker und die Mädels tragen zu 90 Prozent kurze Kleidchen und Highheels. Am Eingang wird nicht nur der Ausweis angeschaut, sondern auch das Auge gescannt (angeblich aus Sicherheitsgründen – in Deutschland wäre das rechtlich gar nicht möglich) und man bekommt einen Stempel, den man nur mit UV-Lampe sieht. Der Club selbst ist ziemlich cool – nicht zu groß und alles etwas orientalisch angehaucht. Über der Tanzfläche hängen Vogelkäfige, es stehen goldene Statuen im Gang, etc.IMG_5322 IMG_5337Die Leute sind auch alle etwa zwischen 25 und 35 Jahre alt und die Musik ist wirklich gut. Da ich Mitglied im Geburtstagsclub vom Spice Market geworden bin, konnte ich nicht nur eine Gästeliste machen, sondern bekam auch einen 100 Dollar-Getränkegutschein! Das ist echt super, in Deutschland habe ich bisher in den Discos – wenn überhaupt – nur eine Flasche Sekt zum Geburtstag bekommen. So konnte jeder für 10 Dollar (entspricht einem Bier) etwas trinken. Wir haben den ganzen Abend viel getanzt, getrunken und hatten viel Spaß! Es war eine sehr lustige Gruppe und alle haben sich super verstanden, obwohl wir in der Konstellation noch nie zusammen weggegangen sind. Etwas schade war, dass der Club schon um 2 Uhr zu gemacht hatte, aber wir waren ja auch schon seit 21 Uhr dort gewesen. 🙂

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BBQ am Yarra RiverIMG_5467

Am nächsten Morgen bekam ich von Rachel und Tristan ein Geburtstagsständchen gesungen, der Tristan hatte mir eine sehr süße Karte gebastelt, von der Rachel habe ich eine schöne Kette bekommen und sie hatte mir einen Kuchen gebacken. IMG_5426Bevor wir zum Barbecue fuhren, zu dem ich die üblichen Verdächtigen vom Abend zuvor am Yarra Fluß eingeladen hatte, machte ich noch die letzten Salate. Ich hatte in den Tagen zuvor schon fleißig eingekauft, Blätterteigteilchen und Salate vorgemacht. Das Wetter war an dem Wochenende echt traumhaft! Ich hatte so ein Glück, denn ein paar Tage vorher war es ziemlich kalt und momentan regnet es in Strömen. Das gute Wetter wollte nicht nur wir nutzen, so ergatterten wir gerade noch einen der öffentlichen Grillplätze am Fluss. In Australien gibt es überall öffentliche Grillplätze, die man kostenlos nutzen kann. Man braucht beim Elektrogrill nur nen Knopf drücken und schon kann es losgehen. Nach und nach trudelten alle ein (bis auf zwei der Jungs, die leider arbeiten mussten) und wir grillten, ließen uns das Essen schmecken und quatschten viel. 🙂 Der Blick auf die Skyline, das von der Sonne funkelnde Wasser und die netten Leute um mich herum – das war einfach genial! Am Abend habe ich dann noch mit meiner Familie und Freunden geskypt.

Was für ein wunderschöner Geburtstag in Australien!

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Vielen lieben Dank für all Eure lieben Geburtstagsglückwünsche, Päckchen, Karten, E-Mails, SMS, Facebook- und What´s app-Nachrichten – ich habe mich über jede einzelne Nachricht so sehr gefreut!

Wenn es dunkel wird, …

3. April 2014 at 15:25

Posted from Melbourne, Victoria, Australia.

… dann geht der Spaß erst richtig los und deswegen habe ich natürlich auch schon fleißig das nächtliche Melbourne erkundet! 🙂 Hier ein paar Impressionen!

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Nach einem kostenlosen Kinobesuch (ja, wenn man nur richtig sucht, findet man auch so etwas im ansonsten teuren Melbourne) – „Iron Man 3“ – schossen Michelle und ich ein paar Touri-Fotos! 🙂

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Das Parlament von Victoria:

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Au Pair-Treffen in der Rooftop-Bar Cookies – vl.n.r. Sophie (D), Miriam (D), Beatriz (Spanien), ich, Madeleine (Australien), Nadja (Holland), Eve (USA)!

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Roof Top Bar Cookies

Kinder, wenn Ihr den Osterhasen sucht, er spielt in der Melbourner Innenstadt Gitarre und verdient sich damit etwas dazu bis Ostern ist! 🙂

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“Down under” der Faszination des Rennsports auf der Spur – Artikel zur Formel 1 in „Fulda aktuell“

30. März 2014 at 14:57

Posted from Melbourne, Victoria, Australia.

Hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack auf meinen Blogeintrag zur Formel 1, der bald kommen wird! 🙂

Denn am Wochenende ist ein Artikel von mir in der Wochenzeitung „Fulda aktuell“ erschienen:

http://lokalo24.de/news/down-under-der-faszination-des-rennsports-auf-der-spur/460346/

Viel Spaß beim Lesen und liebe Grüße nach Deutschland! 🙂

 

Meine neue Freundin, die China-Oma :-)

30. März 2014 at 12:23

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Da saß ich also an dem Tisch mit einer 80-jährigen Chinesin, einer hübschen 20-jährigen ukrainischen Schauspielerin und einer chinesischen Krankenschwester. Tja, wie es dazu kam, das ist eine interessante Geschichte. 🙂

Von Beatriz hatte ich erfahren, dass es ein multikulturelles Zentrum in Melbourne gibt, in dem man umsonst Sprachkurse belegen kann. Da es ja nie schaden kann, seine Sprachkenntnisse im Ausland aufzupolieren, erkundete ich mich nach geeigneten Kursen. Die so genannten „Talking Circles“ hörten sich gut an: „Wenn Sie in kleinen Gruppen Gesprächssituationen für Ihren Berufsalltag mit Freiwilligen üben möchten, kommen Sie zum Talking Circle“. Das ist genau das Richtige für mich, dachte ich. So kann ich für meinen nächsten Job berufsspezifische Gespräche einüben, neues Vokabular lernen und vielleicht auch etwas für Präsentationen aufschnappen. Ich schrieb mich also ein und war begeistert, als ich einen Platz bekam. An einem Donnerstag zwischen 13 Uhr und 14 Uhr sollte es losgehen und voller Vorfreude fuhr ich zum Sprachzentrum. Da gab es die erste Überraschung: Zu unserem Klassenzimmer gelangten wir durch eine Tiefgarage! Der fensterlose Raum erinnerte etwas an einen Bunker, aber das ließ meinen Enthusiasmus nicht im geringsten abebben. Ich wollte etwas lernen und mich für künftige Jobs weiterbilden. Ein paar andere Wissbegierige waren schon im Raum. Dort standen vier runde Tische, an denen vereinzelt Leute saßen. Hinten rechts unterhielten sich zwei Frauen um die 40 und hinten links am Tisch saß einsam und verlassen eine ältere Asiatin. Am liebsten hätte ich mich zu den zwei Frauen gesetzt, aber irgendwie tat mir die ältere Dame leid. Also setzte ich mich zu ihr.

Sprechen wir eine Sprache?

Doch wer zu nett ist, den bestraft bekanntlich das Leben. Denn die alte Dame war nicht nur ziemlich unfreundlich, sondern sprach auch ein sehr schlechtes Englisch. Unser Gespräch lief in etwa so ab (auf Deutsch übersetzt):

Ich: „Hallo, ich heiße Christine. Ich komme aus Deutschland, arbeite momentan in Melbourne und bleibe ein Jahr in Australien.“

Die ältere Dame: „Ich heiße hongzidingdsa und komme aus China. Ich bin 80 Jahre alt.“

Ich: „Entschuldigung, ich habe Ihren Namen nicht verstanden. Wie heißen Sie? Was, 80 Jahre, das sieht man aber gar nicht! (tja, was soll man sonst sagen, sie hätte auch gut 90 sein können) Toll, dass Sie in Ihrem Alter Sprachkurse besuchen.“

Die ältere Dame: „Hong-zid-ings-da“ (nun hat sie es ganz langsam mit einem ganz schlimmen Chinesisch-Englischen-Akzent gesagt und mich angeschaut, als wäre ich etwas schwer von Begriff).

Ich: „Achso (ich hatte ihren Namen immer noch nicht richtig verstanden – geschweige denn, dass ich in mir hätte merken können), freut mich. Wie lange sind Sie denn schon in Melbourne?“

Die ältere Dame: „Seit 45 Jahren komme ich immer wieder her.“ (das hatte ich zumindest unter höchster Konzentration aus ihrem Kauderwelsch herausgehört)

Ich: „Toll und wie lange bleiben Sie hier?“

Die ältere Dame (nun ziemlich barsch und als hätte sie es mit einer Vollidiotin zu tun): „Das habe ich doch gerade gesagt! Ich wohne seit 45 Jahren hier!“ (achherje, jetzt reimte ich mir zusammen, dass die Frau tatsächlich schon 4 Jahrzehnte hier wohnt, aber scheinbar jetzt das erste Mal aus Chinatown herausgekommen ist)

Die Konversation wurde immer unangenehmer und ich war froh, dass sich nun zwei weitere Frauen zu uns an den Tisch setzten und ich somit nicht mehr allein mit der Oma war. Rechts neben hatte eine sehr grazile und hübsche etwa 20-jährige Ukrainerin Platz genommen, die Schauspielerin ist, mit einer leisen ruhigen Stimme sprach und ihre Schwester in Melbourne für ein paar Wochen besucht. Links neben mir saß nun eine etwa 40-jährige Chinesin, die Krankenschwester und auf Jobsuche ist und sehr fröhlich war. Gegenüber von mir die böse Oma, die (wie ich nun erfahren hatte) anscheinend (mit nicht sehr großem Erfolg) schon einige Sprachkurse besucht hatte. Eine lustige Truppe also. 🙂

Die Freiwilligen

Was erwartete uns nun? Ich war bereit, viel Nützliches für den Job zu lernen! Die Frau vom multikulturellen Center erklärte uns, dass gleich die Freiwilligen kommen würden, die mit uns Gesprächssituationen üben. Und da waren sie auch schon: In der Tür unseres fensterlosen grauen Bunkers standen vier Personen – zwei Frauen und zwei Männer – in Anzug und Kostümen. Wie sie da standen, in ihren Bussinessoutfits und auf uns – die Ausländer – herab schauten (also tatsächlich und nicht unbedingt ildlich gesprochen), das war eine seltsame Situation. Ich saß da und fühlte mich wie ein Flüchtling, dessen sich jemand erbarmt und sich mit ihm beschäftigt. Die Freiwilligen waren natürlich ganz nett und es ist ja auch eine super Sache, dass sie ihre Mittagspause opfern, um anderen Englisch beizubringen. Aber ich fühlte mich irgendwie fehl am Platz.

Was ist Dein Lieblingstier?

Zu uns kam eine junge Frau, etwa so alt wie ich, die in einer Anwaltskanzlei als Juristin arbeitet und schon mehrere Jahre als Freiwillige tätig ist. Sie war sehr freundlich und ging offen auf uns zu. Welche Situationen für den Beruf Sie uns wohl beibringen wollte? Trotz der seltsamen Situation war ich immer noch optimistisch, dass mir dieser Kurs etwas bringen würde. Das änderte sich aber schlagartig, als wir ein Blatt in die Mitte unseres Tisches gelegt bekamen, auf dem ein Spielfeld aufgemalt war. Wir bekamen jeder eine Spielfigur, Würfel und schon begann das Sprachspiel! Achherje, da sieht man mal wieder – es kann immer noch schlimmer kommen! Anstatt Gesprächssituationen für den Beruf einzuüben, durften wir nun je nach Feld, auf dem wir landeten, etwas über unser Lieblingstier; ein Buch, das wir gelesen haben, unser Zimmer, unser Lieblingsessen, usw. erzählen. Das war echt unglaublich! Ich kam mir vor wie in der 5. Klasse im Englischunterricht! Die Antworten der China-Oma waren immer am besten: Sie hatten gesagt, dass Ihr Mann ein Restaurant in Chinatown gehabt hatte. Als sie auf die Frage nach Ihrer Lieblingsbeschäftigung nichts wusste und ihr unsere Juristin als Vorschlag „Kochen“ machte, antwortete sie barsch: „Ich habe noch nie gern gekocht, deshalb bin ich froh, dass mein Mann in Rente ist und wir das Restaurant nicht mehr haben.“ Okay… Scheinbar hat sie immer mit viel Liebe gekocht… 😉 Dieses Spiel wurde in meinen Augen immer absurder und sinnloser, aber so wie es aussah, hatte nur ich diesen Eindruck. Die Ukrainerin und die beiden Chinesinnen waren mit voller Konzentration dabei – na ja, bei der die China-Oma nahm ich an, dass ihre unfreundliche Art Teil ihrer liebenswerten Persönlichkeit war und nichts mit der Tatsache zu tun hatte, dass sie das Spiel auch blöd fand. Die Stunde zog sich unendlich hin und ich war – seit meiner letzten Mathe-Stunde im Gymnasium – nicht mehr so froh, als die Stunde um war!

Einmal und nie wieder

Beim Hinausgehen fragte mich die Ukrainerin, ob ich nächste Woche wiederkomme (scheinbar hatte sie schon gemerkt, dass ich mit den Fragen leicht unterfordert war). Als ich ihr sagte, dass ich es nicht glaube, weil das Niveau doch nicht ganz meinen Englischkenntnissen entsprechen würde, nickte sie nur und sagte „Ich verstehe.“ Also das Angebot ist wirklich gut für Leute, die kaum Englisch sprechen oder (wie bei der China-Oma) in einer Parallel-Gesellschaft wie in Chinatown leben und kaum dazu kommen, Englisch zu sprechen, aber mit Vorbereitungen für den Job hat das wirklich nichts zu tun. Wie Ihr Euch sicher vorstellen könnt, war ich das erste und letzte Mal dort. 🙂

Von Batman gegründet – Ist Melbourne etwa Gotham City? :-)

26. März 2014 at 15:51

Posted from Melbourne, Victoria, Australia.

In was für einer Stadt lebe ich eigentlich? Das fragt Ihr Euch sicher schon eine Weile und das zu recht. Denn obwohl ich nun schon zwei Monate hier bin, habe ich Euch noch nicht wirklich viel über Melbourne an sich erzählt und noch nicht viele Bilder von dieser tollen Stadt gezeigt. Das wird sich nun aber ändern, also aufgepasst, seid gespannt und los geht´s:

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Melbourne ist die Hauptstadt des Bundesstaates Victoria und mit etwa 4,1 Mio Einwohnern nach Sydney die zweitgrößte Stadt Australiens. Melbourne hat nicht die bekannten Sehenswürdigkeiten wie Sydney, ist aber eine wirklich schöne Stadt mit einem überaus breitgefächerten und abwechslungsreichen Kultur- und Freizeitangebot (aufgrund dessen komme ich momentan auch kaum mit dem Schreiben hinterher :-)). Ein Festival löst das nächste ab (seit ich hier bin gab es z.B. schon das Moomba-Festival, Fashion Festival, Comedy Festival, …), ständig sind Großveranstaltungen (Australian Open, Formel 1, Pferderennen,..), es gibt viele interessante Museen (einige kostenlos), Theater, unzählige Bars und Cafés, viele kleine Läden (nicht nur die großen Ketten), einen Strand, und, und, und. Berühmt ist Melbourne auch für seine kleine Gassen, in denen oft ganz versteckt die tollsten Pubs, Cafés oder Läden sind. Nicht zu vergessen natürlich die genialen Graffitis, aber davon hatte ich ja schon ein bisschen was geschrieben. Wem hier langweilig wird, der macht etwas falsch! Schon noch den paar Wochen wundert es mich nicht, dass Melbourne so oft hintereinander zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt worden ist. Was allerdings etwas gewöhnungsbedürftig ist, ist das Wetter! Ich hatte ja schon in Deutschland gehört, dass es hier „4 Jahreszeiten an einem Tag“ gibt, aber so wirklich vorstellen konnte ich mir das nicht. Es ist aber wirklich so: Schaut man am Morgen aus dem Fenster, kann es trüb und kühl sein. Aber innerhalb von 2 Stunden ist strahlender Sonnenschein und zehn Grad wärmer! Also am besten immer mit Sonnencreme einschmieren, egal wie das Wetter ist, immer folgendes in der Handtasche haben: Regenschirm, Sonnenbrille, Strickjacke und Sonnencreme – für alles gewappnet sein! Man muss echt mehrere Schichten übereinander anziehen, wenn man den ganzen Tag unterwegs ist, denn am Morgen ist die lange Hose angebracht, am Nachmittag das Sommerkleid.

Um ein bisschen mehr über „unsere“ Stadt zu erfahren, habe ich zusammen mit ein paar anderen Au Pairs an einer „Free City Tour“ teilgenommen. Die gibt es in Sydney und in Melbourne und man läuft mit einem Stadtführer etwa 3 Stunden quer durch die Stadt. Am Ende gibt man, was man für richtig hält (manche haben auch nichts gegeben). Das ist wirklich ein tolles Angebot, um die Stadt kennen zu lernen, aber nichts für Leute, die nicht gerne laufen. Ein kurzer Blick in die Geschichte: Anders als Sydney war Melbourne ursprünglich keine Strafkolonie, sondern wurde 1835 von freien Siedlern gegründet. Als John Batman von der Insel Tasmanien an der Port Phillip Bay landete, kaufte er den Ureinwohnern Land ab (240.000 ha für Gegenstände im Wert von nicht mal 200 englischen Pfund!). Denn den Briten wurde es auf Tasmanien zu eng und sie brauchten mehr Platz für ihre Schaffarmen. Am Yarra Fluß gründeten Batman und seine Gefolgsleute dann eine Siedlung, die sie später nach dem damaligen britischen Premierminister Viscount Melbourne benannten. Melbourne wurde von Batman gegründet?! Interessant! Ist Melbourne also Gotham City? Mal schauen, ob ich dafür in den nächsten Monaten Hinweise finde. 🙂 Nach Goldfunden im Norden von Melbourne wuchs die Bevölkerung schließlich innerhalb von kurzer Zeit rasant an und innerhalb von zehn Jahren wurde Melbourne zur wohlhabendsten Stadt des Kontinents. Zufällig hatte sich Melbourne einen Monat vor den Goldfunden von dem Staat New South Wales (in dem Sydney liegt) unabhängig erklärt und den Staat Victoria gegründet. 🙂 In dieser Zeit entstanden die viktorianischen Bauwerke, die noch heute das Zentrum prägen, die Universität, Theater und Konzerthallen wurden gegründet. So war Melbourne einige Jahrzehnte der wirtschaftliche und geistige Mittelpunkt des Landes. In den 1890er Jahren gab es dann aber eine Wirtschaftskrise und viele Banken und Firmen gingen pleite. Zwischen 1901 und 1927 fungierte Melbourne als Hauptstadt des Commonwealth of Australia, bevor es Canberra wurde (es gab damals eine große Diskussion, ob Sydney oder Melbourne Hauptstadt werden sollen und man entschied sich dann für Canberra als einen Kompromiss).  Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Einwanderer aus Europa nach Melbourne und 1956 wurden die ersten Olympischen Spiele Australiens in Melbourne ausgetragen.

Das sind die typisch viktorianischen Häuser, die man hier überall findet:

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Bei der Stadtführung kamen wir auch zum alten Gefängnis, in dem Ned Kelly gehängt wurde. Ned Kelly ist der berühmteste Kriminelle Australiens, über den schon zig Filme gedreht worden sind. Er war ein Gesetzloser, der in den 1870ern zusammen mit seinem Bruder und Freunden Banken ausgeraubt hatte und den Kolonialbehörden schaden wollte. Seine letzten Worte waren „Such ist life“ („So ist das Leben“). Außerdem sagte er dem Richter, der ihn verurteilte: „Wir sehen uns in der Hölle.“ Seltsamerweise starb der Richter zwei Wochen später an Diabetes.

IMG_5009Der Queen Victoria Market ist der größte und älteste Markt der südlichen Hemisphäre. Dort gibt es von Obst und Gemüse, über Fleisch, Fisch bis hin zu Souvenirs, Kleidung und Möbeln alles, was der Mensch braucht. IMG_4025Im Sommer gibt es am Mittwochabend immer „Queen Victoria Night Market“ mit Live-Musik und Essen aus aller Welt. Interessant ist, dass es hier viele Vintage-Sachen gibt und die Kleider andere Muster haben als bei uns. Hier ist viel der 50er/60er Jahre-Look angesagt. IMG_4027

Das Exhibition Building erinnert an die 8. Weltausstellung, die 1880 in Melbourne (und nicht in Sydney) stattfand. Zu dem Zeitpunkt war die Stadt erst 45 Jahre alt und es lebten dort rund 300.00 Menschen. 1950 wurde das Gebäude fast vollständig zerstört. Die australische Flagge wurde erstmals bei diesem Brunnen gehisst.

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Chinatown in Melbourne ist übrigens das älteste fortdauernde Chinatown des Westens (das in San Francisco ist zwar größer, aber es wurde mal durch ein Erdbeben zerstört). Viele Chinesen sind während des Gold Rush gekommen und haben teilweise 10 Prozent der Bevölkerung ausgemacht.

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Die Flinders Street Station (einer der zentralen Bahnhöfe hier und gleich bei mir um die Ecke) gibt es seit 1910. Es hängen immer noch die Originaluhren, auf denen man sieht, wann die Züge abfahren. Als die Stadt diese mal durch neue ausgetauscht hatte, ging ein Aufschrei durch die Bevölkerung und die alten wurden wieder aufgehängt.

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Sonnenuntergang am St. Kilda Beach – wunderschön!

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Wusstet Ihr schon, dass….

23. März 2014 at 16:13

Posted from Melbourne, Victoria, Australia.

… es in den Supermärkten in Australien viele Selbstscanner-Kassen gibt?

… es in Australien nicht üblich ist, Trinkgeld zu geben (kein Wunder, dass der Taxifahrer in Sydney dreimal nachgefragt hatte, ob ich das Restgeld nicht wiederhaben möchte)?

… hier wirklich jeder „No worries“ sagt (was so viel heißt wie „Gern geschehen“, „Kein Problem“)?

… es hier in Melbourne so gut wie keine Wespen gibt (ich habe bisher nur eine gesehen)?

… Kinder heutzutage keine Telefonzellen mehr kennen („Was haben sich die Leute darüber denn erzählt?“)?

… es an heißen Tagen umso mehr Fliegen gibt, die aber so aufdringlich sind und einem ständig ins Gesicht fliegen?

… in Australien scheinbar jeder Zweite tätowiert ist (selbst Lehrer und oftmals sind ganze Arme oder Beine von unten bis oben mit Farbe vollgemalt)?

… „Burger King“ in Australien „Hungry Jack´s“ heißt (die Marke „Burger King“ war in Australien bereits vergeben war, als Jack Cowin die ersten Burger Läden im Burger King Franchise eröffnen wollte. Er benutzte deshalb in Absprache mit der Burger King Zentrale in den USA seinen Vornamen und nannte seine Restaurants in Australien „Hungry Jacks“.)?

… man hier im Restaurant und in der Bar genauso wie in den USA immer kostenlos Wasser (halt Leitungswasser, das hier aber alle trinken) bekommt (einen Refill der Gläser wie in den USA habe ich hier allerdings noch nicht gesehen)?

… es eine Rivalität zwischen Sydney und Melbourne gibt?

… Kinder heutzutage bei jedem Bildschirm (auch im Museum) wie beim Ipad oder Iphone drüberstreichen und enttäuscht sind, wenn man tatsächlich „nur“ einen Film oder ein Bild darauf sehen kann?

… sich das Hofbräuhaus in Melbourne in Chinatown befindet?

… entgegen des weit unter deutschen Backpackern verbreiteten Gerüchts – dass es seit dem Zweiten Weltkrieg ein Abkommen zwischen Deutschland und Australien gibt, dass Postkarten auch dann in Deutschland ankommen, wenn man keine Briefmarke draufklebt – tatsächlich ratsam ist, Briefmarken zu kaufen, weil die australische Post die Postkarten sonst schreddert (trotz dieser Aussage einer Postmitarbeiterin kenne ich aber Leute, deren Postkarten auch ohne Briefmarke angekommen sind)?

… es in Australien unheimlich schwer ist, an Quark, Creme Fraiche oder Schmelzkäse zu kommen?

… man hier Unsummen für Essen und Trinken ausgeben kann (ein normaler Salatteller im Restaurant kostet gerne mal 22 Dollar/14 Euro, Bier in einer Kneipe auch mal 14 Dollar/9 Euro, ein Cocktail 20 Dollar/13 Euro, etc.)?

… man etwa die doppelte Zeit einplanen muss, wenn man einen Weg mit einem Kind entlang läuft (es gibt ja so viel, was unterwegs interessant ist)?

… jeder vierte Australier im Ausland geboren ist und die Hälfte davon in Sydney und Melbourne wohnen (die größten Gruppen sind aus der UK, Neuseeland und China)?

… man nicht nach draußen gehen soll, wenn die Sonne rot ist, denn das bedeutet, dass Zombies kommen (danke für den Tipp, Tristan! :-))?

… in der australischen Verfassung Grundrechte wie Religions- und Meinungsfreiheit nicht verankert sind (nur in der Verfassung von einzelnen Staaten, wie zum Beispiel Victoria)?

… einen in der „Berlin Bar“ in Melbourne Franzosen bedienen?

… man hier an jeder Ecke Deutsche trifft und man wirklich aufpassen muss, wenn man etwas auf Deutsch sagt und nicht möchte, dass das jemand versteht?

… die Straßenbahnfahrer hier sogar auf einen warten, wenn man noch einige Meter entfernt ist und zur Tram rennt (in Deutschland machen sie ja teilweise nicht mal mehr die Türen auf, wenn man davor steht)?

… es während des Zweiten Weltkriegs in Australien Internierungslager für Deutsche, Italiener, etc. gab?

… es in Melbourne Pflicht ist, einen Fahrradhelm zu tragen?

… es in Melbourne eine Besonderheit im Straßenverkehr gibt – den Hookturn (selbst Einheimischen passieren an den Stellen Unfälle, weil keiner bei der Regelung durchblickt)? Wenn man rechts über eine von der Straßenbahn befahrenen Straße abbiegen möchte, muss man sich erst links einordnen, die auf dem gleichen Fahrstreifen geradeaus fahrenden Fahrzeuge und die Straßenbahn durch lassen und darf dann erst – wenn die Ampel rot zeigt – rechts abbiegen.

… die australischen Mädels seeeehr freizügig/ wenn nicht gar billig angezogen sind, wenn sie ausgehen (ein Hauch von nichts als Minirock meist in Neonfarben, großer Ausschnitt und High Heels)?

… man in der Straßenbahn zu 90 Prozent einen Platz bekommt, wenn man ein Kind an der Hand hält (die Leute stehen hier nicht nur für das Kind, sondern auch für dessen Begleitung auf – sehr gut erzogen! ;-))?

… die Zahnpasta von Spiderman grün ist (was man nicht alles von einem 5-Jährigen lernt, der sich gefragt hat, ob seine Zahnpasta grün ist, weil die Hersteller wissen, dass die Kinder Spiderman toll finden)?

… es hier für alles horrende Strafen gibt (bei 5km/h über der angegebenen Geschwindigkeit muss man schon 180 Dollar/118 Euro zahlen, beim Schwarzfahren auch um die 200 Dollar/130 Euro, wenn man keinen Fahrradhelm trägt 176 Dollar/115 Euro, etc.)?

… 20-Jährige heutzutage nicht mehr den Film „Casablanca“ kennen (ich bin entsetzt, das ist doch ein Klassiker!)?