Die Regeln? Kennen wir nicht. Spaß haben wir dafür umso mehr! :-)

31. Juli 2014 at 9:36

Posted from Melbourne, Victoria, Australia.

Was für uns Deutsche der Fußball ist, das ist in Australien der Football. Alle sind ganz verrückt danach, an Spieltagen sieht man in Melbourne Horden von Fans in den Trams mit Schals und Trikots und die Kinder tauschen „Footy“-Cards in der Schule. Um die Faszination dieses Sports nachzuvollziehen, begaben sich also vier deutsche Mädels – Sarina, Julia, Sophie und ich – an einem Samstagmittag zum Melbourne Cricket Ground. IMG_5545Welche Mannschaften spielten, war uns eigentlich ziemlich egal, denn wir kannten uns in der AFL (Australian Football League) sowieso nicht aus. 🙂 Wir wollten einfach mal einen Eindruck von dem Spiel und der Atmosphäre im Stadion bekommen. Komisch kam es uns allerdings vor, dass Carlton gegen Melbourne spielte, denn Carlton ist ein Stadtteil von Melbourne. Das liegt aber daran, dass die AFL 1897 als „Victorian Football League“ von acht Mannschaften aus dem Bundestaat Victoria gegründet worden ist und erst ab 1982 auch Mannschaften aus anderen Bundesstaaten teilnehmen durften. Im Jahre 1990 wurde dann der Name in AFL geändert. Das alles wussten wir aber zu dem Zeitpunkt noch nicht – Ihr seht, wir waren gut vorbereitet. 😉

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Wir saßen also mitten unter 37.000 Sportbegeisterten und hatten keinerlei Ahnung von den Regeln. 🙂 Wie es der Zufall so wollte, waren unsere Plätze in der Carlton-Ecke und wir dadurch umringt von blau-weißen Fahnen und Trikots. Von einem IMG_5523Vater, der genau wie seine zwei Söhne großer Carlton-Fan war, lieh ich mir eine Cappy fürs Foto. Tja, jetzt konnten wir natürlich nicht mehr anders – wir mussten für Carlton sein! Leider saßen wir damit in der Ecke der Verlierer, denn wie wir schon vor dem Spiel gehört hatten, war das Team nicht gerade das beste. Egal, wir waren ja wegen dem Erlebnis hier. Als die Sportler auf das IMG_5518Feld liefen, waren uns die Regeln auch nicht mehr mehr so wichtig. Wir gaben unsere eigenen Analysen bezüglich der Spieler – äh des Spiels – ab und waren von den gut gebauten Profispielern recht angetan. 🙂 Besonders viel Ausdauer scheinen die allerdings nicht zu haben, denn alle paar Minuten bekamen sie Wasserflaschen gebracht. Das Spiel wirkte auf uns aber irgendwie chaotisch und wie ein großes Durcheinander. Also schauten wir uns doch mal kurz die Regeln an und verstanden nun etwas mehr vom Spielablauf. Grob gesagt ist der Australian Football eine Fußballvariante, wobei mit einem ellipsoidförmigen Ball auf vier Pfosten gespielt wird. Je nachdem durch welche Pfosten der Ball fliegt, gibt es unterschiedlich viele Punkte. So, mit weiteren Einzelheiten will ich Euch aber nicht langweilen. Wie Ihr auf den Fotos sehen könnt, spielen die Aussis ohne Schutzkleidung und Helm. Zwischen dem Australian und dem American Football gibt es aber auch noch andere Unterschiede – wenn es Euch interessiert, lest am besten selbst nach. 🙂

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Am Ende hat – wie es zu erwarten war – das Team von Melbourne gewonnen und „unseres“ leider verloren. Mit 23 Punkten Unterschied, nicht wirklich knapp also. Wir hatten unseren Spaß und einen schönen An…- äh Einblick in den Australian Football bekommen.

Der „Street Art“ auf der Spur

28. Juli 2014 at 10:13

Posted from Melbourne, Victoria, Australia.

Melbourne ist bekannt für seine „Street Art“-Szene und wird als eine der Hauptstädte der Street Art gefeiert. In Melbourne gibt es etwa 190 Laneways, also kleine Seitenstraßen oder Gassen, die ursprünglich zur Anlieferung von Waren gedacht waren. Die Straßenkünstler haben diese Orte für sich entdeckt, weil sie dort ihrer jeweiligen Kunstform weitgehend versteckt und erstmal unbemerkt nachgehen konnten. Insgesamt wurde die Street Art-Szene in Melbourne in den 1980er Jahren stark von der in New York beeinflusst. Zu Beginn gab es von städtischer Seite kein Verständnis für diese Kunstform. Während illegales Graffiti auch heute noch verboten ist und hart bestraft wird – mit zwischen 2000 Dollar Strafe und zwei Jahren Gefängnis, fördert die Stadt inzwischen die Straßenkünstler. So gibt es seit etwa zehn Jahren ein Programm, das diese Kunstform in Melbourne unterstützen soll. Hausbesitzer können eine Genehmigung beantragen, dass Künstler ihre Fassade bemalen oder bekleben dürfen. Wenn man in einer solchen Kunsthochburg wohnt, muss man sich also noch ein bisschen mehr mit dem Thema befassen. Also meldeten sich Sophie, Michelle und ich für eine „Laneway Art Tour“ an.

Bei einem Rundgang durch die Melbourner Innenstadt und besonders durch die Seitengassen erfuhren wir einiges über Künstler, die schon seit Jahren hier tätig sind (zum Beispiel der Brite „Banksy“) und auch über diejenigen, von denen die Künstlergemeinschaft genervt ist (zum Beispiel „Lush“). An vielen Kunstwerken oder Gassen wären wir normalerweise einfach vorbeigelaufen und einiges wäre uns bestimmt nicht aufgefallen. So haben die Künstler immer bestimmte Markenzeichen, der Künstler „be free“ zeichnet zum Beispiel oft ein kleines Mädchen und schüttet Farbe drum herum. Nach Aussage unseres Tourguides gibt es drei Gruppen von Straßenkünstlern: Erstens die Graffiti-Sprayer, die nicht aufs Geldverdienen aus sind, ein Statement in die Öffentlichkeit bringen und die öffentlichen Flächen „dekorieren“ wollen. Zweitens die professionellen Street Artists, die teilweise ziemlich gut verdienen. Drittens die Tagger, die ihr Pseudonym irgendwo hinschreiben. Wir hatten Glück und konnten während unseres Rundgangs sogar einigen Künstlern bei der Arbeit zusehen!

Bei der Tour habe ich immer gedacht: „Mensch, das müsste der Consti jetzt sehen!“ 🙂 Mein Bruder ist ja ein großer Graffiti-Fan und selbst künstlerisch aktiv. Da er aber leider nicht hier ist, gibt es nun extra viele Bilder! 😉

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Als Freiwillige beim Deutschen Filmfestival

27. Juli 2014 at 6:30

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IMG_5202Deutsche Filme umsonst anschauen und nette Leute kennen lernen – das hörte sich doch gut an! Also zögerte ich nicht lange, als das Goethe Institut in Melbourne Freiwillige für das diesjährige „Audi Festival of German Films“ suchte. 🙂 Ich erinnere mich gelesen zu haben, dass es das größte deutsche Filmfestival außerhalb von Deutschland ist. Neben Melbourne wurden auch Filme in Sydney, Brisbane und Canberra gezeigt.

Ich half bei drei Filmvorführungen mit und schaute mir einen seltsamen Thriller an („A Pact“), eine sehr gute Tragikkomödie mit Tom Schilling („Oh Boy“) und „Hanni & Nanni 3“ (Schulvorführung). Die Filme waren alle auf Deutsch mit englischen Untertiteln und unterschiedlich gut besucht. Auf „Hanni & Nanni“ freute ich mich besonders, weil ich die Bücher früher verschlungen habe. Allerdings ist der Humor im Film doch eher für die jüngere Generation ausgelegt. Ich habe während meiner Schicht sehr nette Leute kennen gelernt und mich gut unterhalten. Einige, die als Freiwillige geholfen haben, waren Deutsche, aber viele auch Australier, die Deutsch in der Schule oder an der Uni gelernt haben. Ach übrigens hatte ich bei der Vorbesprechung die Steffi kennen gelernt, mit der ich in der Berlin Bar war und die ich dann ein Wochenende in Perth besucht habe (zu diesem Trip gibt es natürlich noch gesonderte Blogeinträge) – allein deswegen hätte sich das Filmfestival schon gelohnt. Wir haben uns gleich gut verstanden und sind in Kontakt geblieben, obwohl sie dann doch nicht beim Filmfestival geholfen hatte.

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Der Job als Freiwilliger war nicht besonders anspruchsvoll: Wir saßen im Filmfestival-T-Shirt am Tisch vom Goethe Institut, beantworteten Fragen zum Programm (soweit wir das konnten), gaben Programmhefte und Gummibärchen (sehr beliebt!) aus und durften uns dann die Filme anschauen. 🙂 Mit einer meiner Kolleginnen, der Monica, habe ich auch immer noch Kontakt. Sie ist zwar Australierin, war aber für ein halbes Jahr während eines Schulaustauschs in Deutschland, hatte einen deutschen Freund, möchte jetzt in Deutschland weiterstudieren und spricht wirklich gut Deutsch (das auf dem Bild ist aber nicht die Monica, das war eine andere nette Australierin, deren Vater früher ein bekannter australischer Tennisspieler war).

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Es war also eine interessante Erfahrung, beim Deutschen Filmfestival in Australien zu helfen!

„Gestatten, Mary Briely, Drogendealerin“ – Ein Besuch im alten Gefängnis von Melbourne und dem Wachhaus der Polizei

24. Juli 2014 at 6:38

Posted from Melbourne, Victoria, Australia.

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Eine Frau in Uniform öffnet uns die Tür. Ihr Blick ist hart, ihr Tonfall harsch und sie hat nichtIMG_4954 den Hauch eines Lächelns auf dem Gesicht. „Willkommen im Wachhaus der Polizei von Melbourne!“, sagt sie sarkastisch. Jule und ich schauen uns halb amüsiert, halb entsetzt an. War das eine gute Idee, nicht nur das alte Gefängnis von Melbourne anzuschauen, sondern auch noch die interaktive Führung durch das „Watchhouse“ mitzumachen? Mitgehangen, mitgefangen. Wie passend. Es gibt kein „Hallo, schön, dass Sie an der Führung teilnehmen“, man wird gleich mitten in das Geschehen einbezogen. Jeder von unserer Gruppe (auch die Kinder) bekommt eine neue Identität und erfährt, warum er „festgenommen“ wurde. Mein Name war „Mary Briely“, ich wurde wegen des Besitzes von illegalen Drogen unter Arrest gestellt. Von nun an hieß es nur noch „Yes, Sergeant“ und „No, Sergeant“. Wenn wir nicht laut genug antworten, werden wir angebrüllt. Na super, dafür hatten wir also Geld bezahlt?! Obwohl man weiß, dass das alles nur Rollenspiele sind, fühlt man sich schnell ziemlich eingeschüchtert. Bloß keinen Ärger machen oder unangenehm aus der Gruppe auffallen. „Haben Sie Drogen dabei?“ „Waffen?“ – Ähh, natürlich nicht. Wir müssen die Hände nach oben nehmen und Fragen zu unserer Identität beantworten. Die Kinder machen das Spiel echt locker mit, keines wirkt ängstlich oder als ob ihm die Situation unangenehm ist. Wahrscheinlich haben die Kinder von heute in Filmen und Computerspielen schon wesentlich abschreckenderes erlebt als so eine läppische Verhaftung.

Bis zu 100 Betrunkene am Wochenende

Durch diese Führung soll man erfahren, wie man sich fühlt, wenn man verhaftet, verurteilt und in einer Polizeistation eingesperrt wird. Die Polizeistation wurde 1909 in Betrieb genommen und erst 1994 geschlossen. IMG_4930In den 1990er Jahren waren dort jedes Jahr 19.000 Menschen unter Arrest – im Durschnitt 50 pro Tag -, wobei Männer und Frauen in getrennte Zellen gesteckt wurden. Das Vergehen, wegen dem die meisten dort landeten, war „Trunkenheit und ordnungswidriges Verhalten“. Teilweise waren an den Wochenenden bis zu 100 Betrunkene gleichzeitig in den drei „Naßzellen“ untergebracht. Sobald sie wieder nüchtern waren, wurden sie mit einer gerichtlichen Vorladung entlassen. IMG_4939Personen, von denen man dachte, dass sie sich selbst verletzen könnten, wurden in eine gepolsterte Zelle gebracht. Nachts bekamen die Insassen eine dünne Matratze und ein Laken – am Tag hielten sie sich hauptsächlich auf dem Sporthof auf und warteten auf ihren Gerichtstermin. Andere Delikte waren Diebstahl, unanständige Ausdrucksweise, Körperverletzung und offensives Verhalten. Allerdings saßen dort auch einige von Victorias berüchtigsten Verbrechern ein – unter anderem solche, die später wegen Mordes verurteilt worden sind. Im Wachhaus blieben die Verhafteten zwischen drei und 28 Tagen, bevor sie dem Richter vorgestellt wurden.

Eingesperrt

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Wir Frauen müssen uns nun an die linke, die Männer an die rechte Wand stellen. Beine breit, nach vorne beugen – wir werden nach Drogen und Waffen durchsucht und anschließend in unsere Zellen gebracht. IMG_4926Gemütlich ist es hier nicht gerade, die Wände sind dreckig, es gibt ein paar Lüftungsschächte, eine Bank und ein Klo in der Ecke. Nicht gerade das Ritz, aber Ansprüche dürfen wir nicht stellen, wir sind ja Verbrecher. Wir setzen uns alle auf die Bank und Sergeant Shannahan schließt mit einem lauten knall die braune Tür. Das Licht geht aus. Wir sind eingesperrt. Nicht gerade ein schönes Gefühl. Gut, dass wir nach ein paar Minuten wieder rausgelassen werden. Aber ich kann mir nicht vorstellen, so Stunden zu verbringen. Da würde ich Platzangst bekommen. Man glaubt es nicht, aber alle Bänke, Türen, die Toiletten etc. sind noch die Originale, da wurde nichts ausgetauscht!

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Das alte Gefängnis von Melbourne

Ach ist das schön, wieder frei zu sein! Nach etwa einer dreiviertel Stunde werden wir aus dem Wachhaus entlassen und schauen uns das alte Gefängnis von Melbourne an. Mit dem Bau wurde 1841 begonnen und der erste Zellenblock vier Jahre später in Betrieb genommen. Als im Raum Melbourne 1851 Gold entdeckt wurde, wuchs die Bevölkerung rasant an und dadurch häuften sich auch die Verbrechen. Deshalb baute man das Gefängnis weiter aus, so dass es schließlich so groß wie ein ganzes Stadtviertel war. Es umfasste Sporthöfe, Krankenhäuser, eine Kapelle, ein Badehaus und Unterkünfte für das Wachpersonal. Das Melbourner Gefängnis wurde 1924 geschlossen und während des Zweiten Weltkrieges für kurze Zeit nochmal geöffnet, um Militärgefangene aufzunehmen. Seit dem Jahr 1972 ist der Zellenblock ein öffentliches Museum. Am Anfang wurden die Gefangenen in Einzelhaft gesteckt und durften die Zelle nur für eine Stunde Sport am Tag verlassen. Unterhaltungen zwischen den Gefangenen waren verboten und außerhalb der Zelle mussten sie sogar eine so genannte „Schweigemaske“ tragen. Nur einmal die Woche durften sie baden und ihre Kleider wechseln sowie sonntags in die Kapelle gehen.  In die Gemeinschaftszellen im zweiten Stockwerk kam, wer Schuldner war oder wer bald entlassen werden sollte.

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Der Galgen von Ned Kelly

Insgesamt wurdendort 133 Gefangene – unter anderem der berüchtigte Ned Kelly im November IMG_49651880 – am Galgen gehängt. In den einzelnen Zellen kann man Geschichten über die hingerichteten Gefangenen nachlesen und man erfährt einiges über die Entstehung und die Geschichte des Gefängnisses. Ein bisschen gruselig sind die Totenmasken der Hingerichteten, die in den einzelnen Zellen ausgestellt sind. Diese wurden unter anderem als Beweis dafür gemacht, dass der Gefangene auch wirklich hingerichtet worden ist. Es ist schon etwas komisch, den Galgen zu sehen, an dem die Menschen gehängt worden sind. Etwas makaber erscheint dabei auch das Miniatur-Galgenmodell, bei dem man per Knopfdruck „nachspielen“ kann, wie jemand gehängt wird. Manchmal hat es bis zu 20 Minuten gedauert, bis der Gehängte auch wirklich tot war.

Nach all den Geschichten von Morden und Gehängten, den vielen Totenmasken, dem Galgen und dem schummrigen Licht im Gefängnis waren Jule und ich dann doch sehr froh, als wir wieder in Freiheit waren und das Tageslicht sahen.

Die WM in Melbourne/ Teil 2: Das Finale im Crown Casino mit buhenden Argentiniern

16. Juli 2014 at 16:31

Foto 5-1Wir sind WELTMEISTER!!!! Wo habt Ihr denn das Finale geschaut? Obwohl die WM-Spiele durch die Zeitverschiebung ja immer nachts um 2 Uhr oder morgens um 6 Uhr gelaufen sind, war die Fußball-Weltmeisterschaft auch in Melbourne ein großes Thema und die Spiele wurden in vielen Bars übertragen. Wenn Deutschland nun schon mal so weit gekommen ist, wollten wir uns das Finale natürlich nicht entgehen lassen. Das Halbfinale gegen Brasilien hatten wir mit ein paar sehr enttäuschten Brasilianern im Hostel in Alice Springs geschaut. Zum Finale war ich nun mit der Sylvie (einer Deutschen), einem australischen Freund von ihr und dem Finnen Tommi verabredet. Wir wollten das Spiel im Hophaus, einer (scheinbar neuen) bayerischen Bierkneipe nicht weit von mir schauen. Das Hofbräuhaus war dieses Mal schon Tage vorher ausverkauft. Bei solchen Ereignissen sieht man immer, wie viele Deutsche doch hier leben. Um 5 Uhr früh ging das Spiel los und um 4 Uhr öffnete das Hophaus seine Pforten. Der Ansturm der Deutschen war so groß, dass man Schlange stehen musste! Fast alle waren in Trikots da, hatten Fanutensilien dabei und ließen sich am Eingang eine deutsche Flagge ins Gesicht malen (ich natürlich auch). Um kurz nach vier Uhr morgens hatten die meisten schon ein Weizenbier in der Hand und die Männer schauten alle sehr glücklich aus. Fußball und deutsches Bier – was will MANN mehr? 😉 Leider fanden die Sylvie und ihr Begleiter keinen Parkplatz, kamen dadurch eine halbe Stunde später und nicht mehr ins Hophaus rein. So stand ich nun alleine dort, denn der Tommi hat seinen Wecker nicht gehört und das gesamte Spiel zum seinem Bedauern verschlafen. 🙂

Kurz vor Anpfiff bin ich dann mit der Sylvie und dem Australier zum Crown Casino, das nicht weit entfernt vom Hophaus ist, gespurtet. Foto 1-1Dort waren schon viele Fußballbegeisterte in der Bar und die Nationalitäten etwas gemischter als im Hophaus. Während des Spiels merkten wir recht schnell, dass mehr Argentinier als Deutsche anwesend oder die Argentinier einfach nur lauter waren. Die Argentinier bewiesen nicht gerade großen Sportsgeist, buhten die Deutschen aus und waren noch der Niederlage auch ziemlich schnell verschwunden. Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch und dank der drei Bildschirme konnten wir das Spiel auch gut verfolgen. Der WM-Titel war wirklich harte Arbeit und die Argentinier hatten mehrere gute Chancen, aber zum Glück schoss Mario Götze dann dieses tolle Tor. Während des Spiels ist mir mehrmals fast das Herz stehengeblieben, so spannend war es. Aber ich bin wirklich froh, dass es nicht zum Elfmeterschießen gekommen ist!

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Es war zwar auch sehr schön, die WM hier zu schauen, aber gerade nach dem Finalsieg wäre ich gerne in der Heimat gewesen, denn dort war die Stimmung sicher genial! Nach dem Ende des Spiels bin ich gleich zum Babysitten und anschließend zum Einkaufen gegangen und hatte gar keine Zeit mehr, die Flaggen aus dem Gesicht abzuwaschen. So bin ich den ganzen Tag mit zwei großen Deutschlandflaggen auf den Wangen durch Melbourne gelaufen. 🙂 Man zieht so doch ziemlich viel Aufmerksamkeit auf sich… 🙂 Andere Deutsche haben mir zugejubelt, Kinder mich angeschaut und einige Erwachsene haben mir zum Sieg gratuliert. Unangenehm war mir das aber nicht, denn ich war stolz auf die Leistung „unserer Jungs“. Es hat sich also auf jeden Fall gelohnt, extra so früh aufzustehen und so wenig zu schlafen (in der Nacht vor dem Finale nur 2 Stunden)! 🙂

Au Pair-Artikel für „Deutsche in Melbourne“

16. Juli 2014 at 15:18

Posted from Melbourne, Victoria, Australia.

Für „Deutsche in Melbourne“ habe ich einen Artikel über das Au Pair-Dasein geschrieben und dafür drei Au Pairs interviewt:

http://www.deutscheinmelbourne.net/melbourne-wissen/945-deutsche-au-pair-melbourne-2014.html

Viel Spaß beim Lesen! 🙂

Halbzeit in Australien

14. Juli 2014 at 17:09

Posted from Melbourne, Victoria, Australia.

Es ist Halbzeit. Obwohl sich heute alles um Fußball dreht, spreche ich von etwas anderem: Heute auf den Tag genau vor sechs Monaten bin ich von Deutschland nach Australien geflogen! Unglaublich wie die Zeit vergeht und hätte mich meine Mutter nicht darauf hingewiesen, hätte ich wahrscheinlich gar nicht an diesen Tag gedacht. Ich weiß noch, wie komisch ich mich die ersten Tage in Sydney gefühlt habe. So ganz anders als damals in Washington. Ich war gar nicht euphorisch, sondern habe mir nur gedacht, warum in aller Welt wollen die Backpacker nur alle ein zweites Jahr bleiben? Doch als ich ein paar Leute kennen gelernt und nach und nach die Stadt erkundet hatte, wurde ich neugierig auf dieses große, so weit von Deutschland entfernte Land, das immer durch seine wunderschöne Natur und die unterschiedlichsten Gegenden von sich reden macht. Vielleicht lag es an der langen Anreise, dem großen Temperaturunterschied oder einfach an der Tatsache, dass Australien nie – wie bei einigen meiner Freundinnen – das Land meiner Träume war. Es war vielmehr eine schöne Alternative zu den USA, die sich vorübergehend noch querstellen und meine Greencard noch nicht rausrücken wollen. 🙂 Ich musste also erstmal warm werden mit Down Under.

Sydney und besonders Bondi Beach, wo ich die ersten zehn Tage gewohnt habe, haben mir aber von Tag zu Tag besser gefallen und am Ende konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass Melbourne noch toller sein sollte. Aber es war so – mit Melbourne hatte ich keine Startschwierigkeiten. Die Stadt macht es einem einfach, sie zu mögen. Seit ich hier bin, ist mir noch nie langweilig gewesen. Ständig gibt es Festivals, Veranstaltungen, Märkte, ein breitgefächertes Kulturangebot, tolle Läden, Cafés, viele Grünflächen und Strände. Melbourne ist eine Millionenstadt, in der man trotzdem Leute wiedertrifft, deren Zentrum man erlaufen kann und die einem so viel bietet. Nicht umsonst wurde Melbourne so oft zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt. Zwar hat es nicht so berühmte Sehenswürdigkeiten wie Sydney, aber auch hier gibt es viel zu entdecken und auch nach sechs Monaten habe ich noch nicht alles angeschaut, was auf meiner To-Do-Liste steht. 🙂 Was es mir aber vor allem einfach gemacht hat, mich hier wohlzufühlen, sind die vielen netten Leuten aus der ganzen Welt, die ich im Laufe der Zeit hier kennen gelernt habe. Viele sind mir wirklich gute Freunde geworden. Trotz der Tatsache, dass ich oft um einige Jahre älter bin als sie, verstehen wir uns richtig gut und haben schon so viel zusammen erlebt. Wir haben Melbourne und die Umgebung gemeinsam erkundet, viel gefeiert, den australischen Alltag zusammen entdeckt, Kurztrips gemacht, uns gegenseitig aufgeheitert, zusammen gelacht und viele lustige und unvergessliche Momente geteilt. Da habe ich wirklich Glück gehabt, dass ich so viele liebe Leute aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt kennen gelernt habe.

In den sechs Monaten habe ich aber bisher nur einen kleinen Teil dieses großen Landes gesehen – Sydney, viel von Melbourne und Umgebung, Perth und das Outback. In den nächsten Monaten habe ich vor, noch viel mehr zu sehen, zu reisen und weitere tolle Erfahrungen zu sammeln, interessante Menschen und neue Orte kennen zu lernen. Ich werde in nächster Zeit einige meiner bisherigen Erlebnisse für Euch hier nachtragen, leider hinke ich nämlich immer nach meilenweit hinterher, aber ich bin dran! Ich schätze es auch übrigens sehr, dass ich mit der Heimat, meiner Familie, meinen Freunden und auch ehemaligen Arbeitskollegen dank Email, Skype, What´s app und der guten alten Post so guten und trotz der großen Entfernung oft auch engen Kontakt habe. Ich freue mich IMMER von Euch zu hören und möchte ALLES wissen! 🙂 IMG_4913

Letzt habe ich in einem Film ein interessantes Sprichwort gehört: „Sometimes even the wrong train can take you to the right destination.“ („Manchmal kannn Dich sogar der falsche Zug zum richtigen Ort bringen“). Vielleicht sollte ich (erstmal) nicht in die USA, sondern Australien unsicher machen. Hätte ich einen Job in den USA bekommen, wäre ich nie auf die Idee gekommen, für eine Zeit in Down Under zu leben. Dann hätte ich nie all die lieben Menschen kennen gelernt und nie Kängurus gefüttert, IMG_5815Vegemite probiert, eine Schlange um den Hals gehabt, ein Bild mit einem Koala machen können, bei Minusgraden im Swag geschlafen, und, und, und… Es soll schon alles so kommen wie es kommt.Was ich damit sagen möchte: Obwohl ich Euch alle sehr vermisse, fühle ich mich hier in Melbourne sehr wohl und freue mich auf die nächsten Monate hier! Seid mit mir gespannt, was ich noch alles erleben werde!

Fühlt Euch alle aus der Ferne umarmt!

Viele liebe Grüße aus dem momentan winterlichen Melbourne in die Heimat,

Eure Christine

Besonderheiten des australischen Alltags

12. Juli 2014 at 13:28

Posted from Melbourne, Victoria, Australia.

Hier bin ich wieder! Die letzten Wochen bin ich einfach nicht zum Schreiben gekommen, aber ich habe so viel erlebt und werde Euch daran natürlich nach und nach teilhaben lassen! Im Laufe der Zeit fallen einem ja immer mehr Besonderheiten des australischen Alltags auf, die Euch sicherlich auch interessieren. Hier ein paar weitere:

– Alkohol ist in der Öffentlichkeit verboten und auch ganz viele öffentliche Plätze sind „alkoholfreie Zonen“. Da bei Festivals Alkohol auch nicht erlaubt ist, tricksen einige und mischen sich ihre alkoholischen Getränke in Colaflaschen.

– Es gibt hier Restaurants, in denen man seinen Alkohol selbst mitbringen kann (meist nur Wein und Bier). Das heißt dann BYO (Bring Your Own) und hat den Grund, dass das Lokal keine Alkohollizenz hat. Man zahlt dann ein Korkenentgelt, bekommt Gläser und den Wein serviert.

– Alkohol kann man in der Regel nur in speziellen „Bottle oder Liquor Shops“ kaufen.

– Trotz der Tatsache, dass Linksverkehr herrscht, gilt überall „rechts vor links“

– Um in die großen Städte zu gelangen, muss man „toll roads“ passieren, also Maut bezahlen. Dafür muss man aber nicht anhalten, sondern das Auto wird elektronisch erfasst.

– Die Australier sind sehr höflich und entschuldigen sich immer, selbst wenn man ihnen im Weg steht. 🙂

– In vielen Clubs wird der Ausweis gescannt und aus „Sicherheitsgründen“ ein Foto gemacht – wer weiß wie lange die das speichern…

– An den meisten Steckdosen ist ein An-/Aus-Schalter.

– Im Kino gibt es nicht immer Sitzplatzkarten und nur salziges Popcorn (stört mich persönlich jetzt nicht, da ich eh keines kaufe).

– An vielen Einfamilienhäusern sind seltsamerweise keine Klingeln.

– Beim Einsteigen in den Bus grüßt man den Busfahrer und beim Aussteigen bedankt man sich.

– Die Häuser sind ganz schlecht isoliert, die Fenster nicht dicht und es gibt meist keine Heizungen.

– In Perth findet man in den Wohngebieten teilweise einen Gehsteig nur auf der einen Straßenseite. Die Bewohner der Häuser, die keinen vor ihrer Haustür haben, müssen auf der anderen Seite laufen. Somit sparen sich die Anwohner Geld, da sie an den Baukosten des Fußgängerweges beteiligt werden.

– Bei Baustellen gibt es immer einen Bauarbeiter, der an der Straße ein Schild mit „Stop“ oder „Slow“ hält und angeblich wird dieser Job super bezahlt (das wäre doch was für die nächsten Monate für mich :-)).

– Die Fußgängerampeln sind auch interessant: Es ist kurz grün, dann blinken sie eine Weile rot (da darf man noch weitergehen, aber nicht mehr anfangen, die Straße zu überqueren – dafür wurde ich mal ganz böse von einem Mann aus dem Auto heraus beschimpft!) und dann sind sie rot.