Whitsundays – Schnorcheln mit Schildkröten
Posted from Airlie Beach, Queensland, Australia.
Sie hatte ganz schlecht geschlafen – wahrscheinlich noch schlechter als wir. Als wir am Morgen ins Reisebüro kamen, konnte Kelly uns leider noch nichts Neues berichten. Sie würde gleich erst mit den beiden reden. Irgendwie fühlte sie sich scheinbar von uns dreien beobachtet, so dass sie uns nach draußen schickte und den Mädels alleine den Vorschlag unterbreiten wollte. Eine gefühlte Ewigkeit später kam sie zu uns, strahlend und rief: „I have good news!“ Am liebsten hätten wir sie umarmt. Sie freute sich so sehr mit uns und hatte sich so bemüht! Unser Segelausflug zu den Whitsunday Islands war also gerettet! Jetzt mussten wir uns nur noch beeilen und das Segelboot erwischen, das in einer halben Stunde ablegen sollte. Kein Problem, so groß ist Airlie Beach ja nicht. Aber man darf auch nicht eine ganze Weile in die falsche Richtung laufen. Als wir auch dieses Problem gelöst hatten, stießen wir als letztes zu unserer Gruppe und wurden zum Segelboot geführt.
In Empfang nahm uns Jesse, der mit seinem zotteligen Bart, den fehlenden Zähnen und dem einen Auge, das kleiner und halb zu war, fast wie ein Pirat aussah.
Er würde uns in den nächsten zwei Tagen sicher über das Meer geleiten. Dabei half ihm Max,
ein etwa 20-jähriger Deutscher (dass er Deutscher war erfuhren wir erst eine ganze Weile später und er weigerte sich auch, mit uns Deutsch zu sprechen), der als „Mädchen für alles“ Jesse beim Segeln zur Hand ging, kochte, sauber machte und sich um alles kümmerte, was an Bord zu tun war. Unsere 12-Mann/Frau-starke Truppe bestand neben uns noch aus drei weiteren Deutschen (Lea, die vor einer Woche einen Australier geheiratet hatte und mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater Jürgen den Tripp machte), zwei Italienern (Andy und Alex) auf Hochzeitsreise, drei Engländern (Ehepaar mit Teenagertochter) und der Kanadierin Michelle (mit der Flo seine Kajüte teilte). Angela und ich hatten eine sehr enge Nische
neben der Treppe als Bett und leider keine Tür davor, so dass jeder in unser Schlafgemach schauen konnte. Umziehen konnten wir uns dementsprechend auch nur auf der Toilette oder wir mussten beim Flo und der Michelle Asyl suchen.
Das Boot
An die Enge auf so einem Boot muss man sich erst gewöhnen, alles hat seinen festen Platz, ist gut verstaut oder festgebunden. Sonnencreme darf man nur oben an
Bord benutzen oder unten keine Sprühflaschen, weil der Boden dadurch schnell zur Rutschpartie wird. Entspannt und locker führte uns Jesse erstmal in die Notfallpläne ein und legte uns sehr ans Herz, auch bei einem
Notfall erst ins Wasser zu springen, wenn er es ausdrücklich sagt. Die Toilette war ziemlich klein und konnte bei Bedarf als Dusche umfunktioniert werden – dadurch bekam man dann immer nasse Füße, wenn man aufs Klo ging und vorher jemand geduscht hatte. Einige an Bord waren schon öfter gesegelt, aber vorallem für uns Neulinge – so wie für mich und Angela – war das ein großes Abenteuer. Die Männer waren beim Segelhissen und -einholen immer ziemlich gefordert, denn dies erforderte viel Kraft (Jesse betonte aber, dass es nicht an der Kraft alleine liege
und sogar seine Schwester die Segel einholen könne,
weil sie die richtige Technik kenne). Max war immer am Hin- und Herspringen, wenn sich ein Segel im Wind verhedderte, machte die verschiedenen Seile fest und checkte alles ständig. Je nachdem wie der Wind stand, war eine Seite des Boots immer ziemlich hoch und eine Seite lag fast im Wasser bzw. berührte es. Für die Segelexperten unter Euch ist das natürlich nicht erwähnenswert oder neu und bitte verzeiht, wenn ich hier nicht die richtigen Fachtermini verwende, aber die Nicht-Segler wird das vielleicht interessieren. Wie man sich denken kann, setzt sich die Crew (also wir) immer an die „High-Side“ des Boots, um das Boot erstens mit auszubalancieren und natürlich auch, damit man (nicht ganz so) nass wird. Wenn wir richtig Fahrt aufgenommen hatten, wurde derjenige, der sich blöderweise in der Reihe zuerst hingesetzt hatte, richtig nass. Die anderen waren dann durch die Vordermänner doch etwas geschützter. 🙂
Kurz ein paar Fakten zu unserem Segelboot: Die „Iceberg“ wurde 1990 gebaut und fuhr viele Jahre lang erfolgreich Regatten. Sie ist 15 m lang und ca. 20 m hoch. Zwar hatte er an Bord keine Geschwindigkeitsanzeige, aber Jesse schätzte, dass wir etwa 6-9 Knoten (also etwa 11-16km/h) schnell fuhren. Der Wind pfiff uns ganz schön um die Ohren und um unsere Frisuren brauchten wir uns keine Gedanken mehr zu machen, denn da war eh schon Hopfen und Malz verloren. Aber es sah ja jeder on Bord so aus. Durch das Salzwasser und den Wind hatten wir eine so genannte Sturmfrisur. 😉 Teilweise musste man sich wirklich richtig festhalten, wenn die „Iceberg“ so richtig in Fahrt kam. Jürgen passte einmal nicht richtig auf, fiel nach hinten und hatte Glück, dass er in eine Sitzmulde rutschte – sonst wäre er sicher über Bord gefallen. Gut, dass er sich nicht verletzt hatte. Er nahm es mit Humor und machte gleich danach wieder Scherze.
Übrigens sind die Whitsunday Islands 35-70km vom äußeren Great Barrier Reef entfernt und die Gipfel eines Unterwassergebirges, das vom Festland durch tiefe Schluchten getrennt ist. Von den 74 Inseln sind nur sieben bewohnt. Die Landschaft ist wirklich traumhaft: dichtbewaldete Inseln, lange Sandstrände und Korallenbänke mit einer atemberaubenden Unterwasserwelt. Bei der Entdeckung und Namensgebung hatte wieder ein uns mittlerweile nicht ganz unbekannter Mann seine Finger im Spiel. Na, erratet Ihr es? Natürlich, Kapitän James Cook! Wie sollte es auch anders sein. Er war wirklich schwer im Stress mit Australien, musste sich all die Namen ausdenken, Flaggen hissen und Regionen erkunden. Als er 1770 an Pfingsten (Whitsunday) vorbeisegelte, war der Name also naheliegend.
Whitehaven Beach
Unseren ersten Stopp machten wir am Whitehaven Beach. Der 6 km lange Strand ist der Traumstrand schlechthin: feiner, weißer Sand, der nicht heiß wird, wohin das Auge reicht. Glasklares Wasser in das man weit hineinlaufen kann und als wir dort waren, war außer unserer Gruppe niemand da. Himmlisch! Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Strände auf den Malediven oder den Seychellen schöner sein können. Ein Manko hat er allerdings – man findet dort keinen Schatten, weil es am Strand auch keine Palmen gibt. Mit Lichtschutzfaktor 50+ ausgestattet, war das aber kein Problem und so genossen wir die zwei Stunden in vollen Zügen.
Anschließend führte uns Max noch zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man einen tollen Blick auf das Farbenspiel des Wassers bei Ebbe und Flut hat. Es vermischte sich tiefblaues, mit hellblauem und türkisfarbenem Wasser und wäre man nicht dort gewesen, würde man nicht glauben, dass es solch eine natürliche Farbmischung wirklich gibt. Was wir dort sahen, erinnerte an ein wunderschönes Aquarellgemälde oder wie die heutige Generation vielleicht eher sagen würde: es sah aus wie gephotoshoped! 🙂 Wunderschön! Die verschiedenen Farben resultieren daraus, dass erstens das Wasser unterschiedlich tief ist und sich zweitens, wenn die Flut kommt, das tiefblaue Wasser des Ozeans mit dem türkisfarbenen Wasser, für das die Mangrovenbäume verantwortlich sind, vermischt. Man muss also den richtigen Tageszeitpunkt zwischen Ebbe und Flut abwarten, um dieses perfekte Farbenspiel zu sehen. Einmalig schön!
Unser erster Segeltag endete mit einem traumhaften Sonnenuntergang, den wir vom Bord unseres Bootes aus sehen konnten. Viel Spaß hatten wir auch noch beim Kartenspielen unter Deck, das wir allerdings so gegen 21 Uhr abbrechen mussten, weil Max uns fast vor den Füßen eingeschlafen wäre. Da alle Betten besetzt waren, schlief Jesse in den zusammengerollten Segeln (ja, so etwas geht scheinbar) und Max auf der Bank im Gemeinschaftsraum. Von dem aufregenden Tag waren wir aber auch ziemlich geschafft und fielen alle müde in unsere Kojen.
Schnorcheln mit Schildkröten
Der nächste Tag stand ganz im Zeichen des Schnorchelns und diesmal ging es mit Stinger Suits (Ganzkörper-Quallenschutzanzügen) ins Wasser.
Zwar hatten wir Glück, dass wir nicht in der wirklichen Quallensaison da waren, aber rein aus versicherungstechnischen Gründen mussten uns Jesse und Max diese Anzüge empfehlen. Außerdem erklärte uns Jesse, dass die gefährlichen Quallen nur etwa so groß wie ein Fingernagel sind und also alle Quallen, die wir sehen können, nicht gefährlich sind. Sehr beruhigend. 😉 Er brachte uns auch die Zeichen bei, mit denen man sich vom Wasser zum Boot verständigt: „Hand aus dem Wasser heben“ heißt „Bitte herkommen“, „Hektisch mit dem Arm winken“ heißt „Hilfe, ich habe ein Problem“ und „die Finger auf den Kopf halten und so mit dem Arm ein O formen“ heißt entweder „Bist Du ok?“ oder „Ich bin ok“. Also die eindringliche Bitte von Jesse: „Bitte winkt nicht hektisch, wenn Ihr uns erzählen wollt, was für einen tollen Fisch Ihr gesehen habt!“ Verstanden. Das Schnorcheln machte auch in den Whitsundays wieder so viel Spaß! Im Gegensatz zur „Ocean Freedom“ lockten Jesse und Max die Fische allerdings nicht mit Futter an, sondern fuhren mit dem Beiboot ganz schnell um uns herum und machten so viele Bläschen, die die Fische scheinbar mögen.
Das Highlight des Tages war, als wir zwei Schildkröten entdeckten und eine ganze Weile hinter ihnen herschnorcheln konnten. Die ließen sich von uns gar nicht stören! Was für ein unglaublich tolles Erlebnis! Sie ließen sich im Wasser treiben, frasen etwas und schwammen gemütlich weiter.
Mit viel Speed segelten wir anschließend wieder in den Hafen von Airlie Beach und waren schon etwas traurig, dass unser Segelabenteuer schon zu Ende war.



























Wenn ich deinen Post so lese und die Bilder sehe, möchte ich am liebsten sofort wieder dahin! Schön, dass ihr einen so tollen Ausflug in den Whitsundays hattet 🙂