Der Pinguin-Countdown

22. Mai 2014 at 3:41

Posted from Ventnor, Victoria, Australia.

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„Wir sind noch nicht soweit, aber etwa in 15 Minuten da – sagt Ihr das bitte den Touristen?“ – so in etwa haben wir uns vorgestellt, dass die Pinguine jeden Abend Bescheid geben, wann die Besucher mit ihrem großen Auftritt rechnen können. Denn gleich am Eingang des Infozentrums steht auf einem Bildschirm: „Die Pinguine werden heute um 20:29 Uhr erwartet“. 🙂 Hört sich lustig an, oder? Die in Victoria berühmte Pinguin-Parade lockte auch Sophie, Eva, Michelle und mich für einen Tagesausflug nach Phillip Island – etwa 80km südöstlich von Melbourne gelegen.

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Sophie bekam das Auto ihrer Gastfamilie und so machten wir uns früh am Morgen auf den Weg. Das Wetter war herrlich und wir freuten uns darauf, die kleine Insel, die nach dem ersten Gouverneur Australiens benannt ist, zu erkunden. Die Insel selber ist nur etwa 100 Quadratkilometer groß und man ist innerhalb von 15 Minuten von einem Ende zum anderen gefahren. Aber gerade in den Sommermonaten ziehen die schöne Natur, die traumhaften Strände und die verschiedenen Tierarten über 40.000 Besucher an. Viele Familien aus Melbourne – natürlich nicht die armen – haben dort auch ein Ferienhaus. So gern ich auch in Melbourne bin, es ist immer mal schön, für eine Weile aus der Stadt rauszukommen. Denn die Natur ist ja schließlich das, was Australien ausmacht. Gut gelaunt fuhren wir, besser gesagt Sophie, über die Insel und fanden einen wunderschönen Strand für unser Picknick – Anzacs Beach. IMG_4296 Obwohl es ein Samstag und traumhaftes Wetter war, sahen wir dort kaum Touristen. Nur ein paar einheimische Angler und Surfer. Nun dürft Ihr dreimal raten, wem wir mehr Beachtung geschenkt haben. 😉 Wir hatten alle viele leckere Sachen mitgebracht (Kräuterbaguette, Salat, Obst, Kekse,…) und ließen es uns schmecken. So könnte es jeden Tag sein – am Strand sitzen, picknicken, hübschen Surfern zuschauen und das grandiose Wetter genießen.

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Da wir uns aber auch noch den Rest der Insel anschauen wollten, IMG_4359mussten wir wohl oder übel aufbrechen. IMG_4360Als nächstes liefen wir durch ein kleines beschauliches ÖrtchenIMG_4353, aßen ein Eis und fuhren dann zur Südwestspitze der Insel. Dort führen Holzstege entlang der Basaltküste und die Gegend sieht wirklich traumhaft aus. Auf dem Weg dorthin ist uns auch ein Wallaby in der freien Natur begegnet. Seehunde, die es dort auch zuhauf geben soll, haben wir nicht gesehen. Also keine lebenden, denn von oben haben wir einen erspäht, der verdächtig lange und in komischer Verrenkung auf den Steinen „geschlafen“ hat… Unter den Holzstegen begrüßten uns aber schon die ersten Pinguine, die in der Mauser waren! Wie putzig die sind!

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Am Abend, zwei Stunden vor ihrer erwarteten Ankunftszeit, gingen wir dann zur Pinguin-Parade. IMG_4400Ich hatte noch nie Pinguine in der Natur gesehen (also bis auf die ein paar Stunden zuvor) und freute mich total darauf. Meiner Freude konnte es auch keinen Abbruch tun, dass die Ankunft der Pinguine natürlich kommerziell total ausgeschlachtet wird. Das Besucherzentrum bietet nämlich nicht nur Informationen, sondern es hat auch einen großen Shop mit allem, was das Pinguin-Liebhaber-Herz begehrt. Ich gebe zu, ich habe auch eine Pinguin-Parade-Tasse und zwei Schlüsselanhänger gekauft – kommt ja alles den Pinguinen zugute! 🙂IMG_6412IMG_6409 Außerdem kann man sich zum Beispiel vor einem Blue Screen fotografieren lassen und dann steht man plötzlich auf dem Bild mitten zwischen den Pinguinen am Strand. Kurz etwas zu den Pinguinen: Die Kolonie der kleinsten Pinguine der Welt ist mit etwa 32.000 Exemplaren auf der Insel verteilt (eine der größten Kolonien ihrer Art auf der Welt), allerdings ist nur dieser Strandabschnitt für die Touristen zugänglich, um die anderen zu schützen. Seit 90 Jahren kommen Touristen und Einheimische zu diesem Strand, um zu beobachten, wie die Pinguine nach Sonnenuntergang aus dem Meer auftauchen, den Strand überqueren und zu ihren Nistplätzen in den Sanddünen watscheln. Im Laufe der Zeit sind neun von zehn Kolonien Füchsen, Katzen oder Hunden zum Opfer gefallen und das ist die einzige, die überlebt hat. Jeden Abend kommen bis zu 800 Pinguine, auf deren Ankunft im letzten Jahr 526.000 Besucher gewartet haben. Das Zentrum hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Pinguine zu schützen und im vergangenen Jahr 3,2 Mio Dollar für Forschung, Umwelt- sowie Bildungsprogramme ausgegeben. Gelernt habe ich zum Beispiel, dass Pinguine nicht lange fackeln, wenn es mit dem Partner in Bezug auf den Nachwuchs nicht so gut läuft – sie suchen sich dann einfach einen anderen. Die jährliche „Scheidungsrate“ liegt bei den Kleinen Pinguinen bei stolzen 18-50%!

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Wir saßen also mit hunderten anderen Touristen am Strand und warteten in der Dunkelheit auf die Ankunft der Stars des Abends. Na ja, so wirklich dunkel war es nicht, denn es waren Scheinwerfer auf den Strand gerichtet, so dass die Menschen auf den Tribünen auch etwas sehen können. Pinguin-Parade_1Wenn man da so sitzt, auf den dunklen Ozean schaut und über eine Stunde wartet, dann kann es richtig kalt werden. So waren wir sehr froh, dass wir Decken hatten, denn die Pinguine haben sich ganz schön Zeit gelassen. Dabei haben wir auch rumgewitzelt, dass vielleicht jeden Abend Mitarbeiter des Besucherzentrums mit einem Boot rausfahren und die Pinguine für die Touristen ins Wasser werfen. 🙂 Weil das Licht natürlich nicht bis zum Wasser reicht, musste man sich wirklich konzentrieren, um zu erkennen, ob die Schatten schon Pinguine sind. Als es dann endlich soweit war und die ersten an Land gewatschelt sind, war das wirklich ein Erlebnis! Ganz vorsichtig und in kleinen Gruppen liefen sie immer nur ein paar Meter, schauten sich dann um (ob irgendwo ein Feind lauert, weil sie bis auf ein paar Felsen am Strand ziemlich ungeschützt sind) und gingen schnell in der Gruppe weiter. Sehr süß!!! Pinguin-Parade_2Mal waren es nur drei oder vier, mal um die 20 oder 30 auf einmal. Leider sind sie nicht direkt an uns vorbeigelaufen, aber trotzdem war es faszinierend, ihnen zu zuschauen. Insgesamt sind an dem Abend 749 Pinguine gekommen! Das hätten wir nicht gedacht, es sah gar nicht nach so vielen aus. Als dann die letzten „strandeten“, konnten wir die Pinguine (also die Besucher auf Holzstegen und die Pinguine nebendran auf ihren Wegen) ein Stück zu ihren Nistplätzen begeiten. Das war wirklich ein Bild für die Götter! In kleinen Gruppen liefen sie die beleuchteten Wege oder teils auch querfeldein hoch, direkt neben den Touristen und lassen sich von den vielen Menschen nicht stören. Sooo goldig, sag ich Euch. Da möchte man direkt einen in die Tasche stecken! 🙂 Da war was los! Die vielen Menschen, die neben den Pinguinen hergelaufen sind und die Pinguine, die in den unterschiedlichsten Tönen miteinander kommunizierten (teilweise klang es wie Eselslaute) und sich von den aufgeregten Menschen nicht aus der Ruhe bringen ließen. Leider durfte man nicht fotografieren (das Blitzlicht schadet angeblich den Augen der Tierchen, aber sicherlich wollen sie so auch mehr Postkarten verkaufen :-)), aber das hielt natürlich einige nicht davon ab, es doch zu machen. Da kann man richtig wütend werden, denn wenn es den Kleinen Pinguinen wirklich schadet, ist das ja allerhand – solche Deppen!

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Nach etwa einer Stunde war das Spektakel wieder vorbei und wir auch ziemlich durchgefroren. Aber ich fand es war trotz der kommerziellen und vertouristeten Aufmachung ein tolles und unvergessliches Erlebnis! Gegen Mitternacht erreichten wir nach diesem aufregenden Tag wieder Melbourne.