Das Immigration Museum oder Wie neun Mio. Menschen nach Australien kamen

19. Mai 2014 at 16:20

Posted from Melbourne, Victoria, Australia.

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Seit 1788 sind über 9 Millionen Menschen nach Australien eingewandert. Einer von vier Einwohnern des Bundesstaates Victoria wurde im Ausland geboren. Da liegt es nahe, sich die Geschichte der Einwanderung im „Immigration Museum“ mal näher anzuschauen. Die ersten deutschen Einwanderer kamen 1849 und viele weitere folgten und hofften, Gold zu finden. Schnell wurden die Deutschen die größten Gruppe nach den Briten. Die Zuwanderung aus Deutschland setzte sich bis ins 20. Jahrhundert fort. Während des Ersten und Zweiten Weltkriegs gab es (wie nicht anders zu erwarten) eine starke anti-deutsche Stimmung in Australien. Was mich aber doch erstaunt hat, war, dass die Australier Deutsche, Italiener, Japaner und Menschen aus 30 weiteren Ländern – insgesamt 12.000 – in 18 Lagern interniert haben. Davon hatte ich noch nirgendwo etwas gehört. Im Zensus 2011 zählte man in Victoria rund 28.000 in Deutschland Geborene.

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Das Immigration Museum ist wirklich interessant und auch richtig interaktiv aufgebaut. Am Anfang erfährt man viel über die Geschichte der Immigration in Australien, wobei die Deutschen als eine der größten Gruppen auch oft erwähnt werden. Anhand einer italienischen Einwanderin wird gezeigt, was die Menschen dazu gebracht hat, sich am anderen Ende der Welt ein neues Leben aufzubauen, welche Hoffnungen sie hatten und wie es ihnen ergangen ist. Toll fand ich auch den Nachbau eines Schiffes, mit dem 1840 Einwanderer aus Irland nach Australien gekommen sind. Man kann durch die Schlafräume der Passagiere und der Crew sowie durch das Zimmer des Kapitäns gehen und auch einen Blick in die Toilette werfen (ob man das möchte, ist eine andere Frage). Das Besondere daran ist, dass man währenddessen Geräusche hört, die man zu der Zeit normalerweise auch auf einem Schiff gehört hätte: das knarzende Holz, schreiende Kinder, sich unterhaltende Menschen – sogar die Geräusche, die Menschen so auf dem Klo machen… Sehr anschaulich! 😉

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Außerdem werden die verschiedenen Stufen der Einwanderungspolitik des Landes erklärt und man kann Videos von Interviews, die mit Leuten geführt wurden, die nach Australien einwandern wollten, anschauen. Je nach der jeweiligen Einwanderungspolitik der 1920er, 1950er oder der Gegenwart muss man dann entscheiden, ob man der Einwanderung zugestimmt hätte oder nicht. Wenn man sich dafür oder dagegen ausgesprochen hat, erfährt man, ob die eigene Entscheidung mit der der australischen Regierung übereinstimmt. Das ist sehr interessant und wir haben uns einige Interviews angeschaut. Manchmal war es wirklich nicht einfach und wir lagen oft daneben. Einem Mann aus dem Nahen Osten, der Asyl beantragt hatte, beim Interview ziemlich in die Mangel genommen wurde und sich teilweise auch in Widersprüche verstrickte, hätten wir kein Aufenthaltsrecht gegeben, obwohl er es von der Regierung bekommen hatte. Dafür war uns ein Pärchen sehr sympathisch, die aus Europa einwandern wollten. Allerdings werden ihre Berufe hier momentan nicht gebraucht, so dass sie einen negativen Bescheid bekamen. Im oberen Stockwerk des Museums schauten wir uns anschließend noch eine Ausstellung zum Thema „Identitäten“ an.

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