Mitten unter Formel 1-Fans
Posted from Melbourne, Victoria, Australia.
Zwar ist die Formel 1 nun auch schon einige Zeit her, aber ich möchte Euch dieses für mich sicher einmalige Erlebnis nicht vorenthalten. 🙂 Seit ich in Melbourne Ende Januar angekommen bin, war die Stadt im Formel 1-Fieber und Sebastian Vettel schien einfach allgegenwärtig zu sein – auf großen Plakatwänden, in Zeitungsanzeigen und auf Flyern. Zugegeben, das Foto von ihm war nicht das Beste, aber es erfüllt einen schon etwas mit stolz, wenn für eine Sportveranstaltung in Australien mit einem Landsmann geworben wird. Um die Einheimischen und die Touristen auf das Grand Prix-Wochenende einzustimmen, waren an unterschiedlichen Plätzen in der Innenstadt Stände aufgebaut. Freundliche Promotion-Frauen – zu meinem Erstaunen viele Deutsche – informierten dort über das Rennen, man konnte Tickets kaufen, Rennwagen bestaunen, sich mit einem Rennfahrer aus Pappe fotografieren lassen und an Gewinnspielen teilnehmen. Auch als jemand, der in Deutschland noch nicht einmal ein ganzes Formel 1-Rennen im Fernsehen – geschweige denn live – gesehen hatte, kam man also hier an diesem Sport nicht vorbei. Selbst von unserer Wohnung aus konnten wir das Geräusch der Motoren hören. Etwa 300.000 Menschen wurden zu dem Ereignis erwartet. Die Begeisterung steckte einen somit förmlich an und so kam es, dass ich mir auch ein Ticket gekauft und das Rennen zusammen mit anderen Deutschen (Julia, Miriam), Spaniern (Beatriz, David) und Finnen (Tommi und zwei Mädels) live angeschaut habe.
Das erste Mal auf der Rennstrecke
Drei Tage vor dem eigentlichen Rennen konnten wir uns, weil die Rachel als großer Formel-1-Fan einen besonderen Pass für die gesamten Tage hatte, die Rennstrecke schon mal anschauen und das von einer Tribüne über den Boxen der Rennställe. Das Gelände ist ziemlich groß gewesen und für den Zutritt zu unterschiedlichen Bereichen benötigte man immer einen speziellen Zugangspass. Als die Porsche Carrera-Autos die Rennstrecke entlang gerast sind, war das wirklich laut und ich war froh, dass die Rachel spezielle Ohrenschützer dabei hatte. Anschließend schaute ich zusammen mit Rachel und Tristan noch ihre Plätze, die genau gegenüber der Tribüne der Siegerehrung waren, an. Obwohl ich mich bisher ja nicht für den Rennsport interessiert habe, war es wirklich spannend, die Vorbereitungen für ein solches Großereignis zu sehen und etwas von der Faszination, die der Sport auf die Formel 1- Fans ausübt, live zu spüren.
Tolles Rahmenprogramm
Am Tag des Rennens hatte man den Eindruck, als ob nicht nur halb Melbourne auf den Beinen war, sondern auch halb Deutschland. Denn von allen Seiten hörte man seine Muttersprache und sah Deutschlandflaggen. Mit Essen versorgt und die Campingstühle geschultert, machten wir uns morgens um 10 Uhr auf den Weg zum Albert Park, der Rennstrecke. Wenn man bedenkt, dass das eigentliche Rennen erst um 17 Uhr angefangen hat, mag das etwas früh erscheinen und auch mir war nicht ganz klar, warum wir unbedingt schon so viele Stunden vorher da sein mussten. Gut, dass wir aber auf David, einen der Spanier, gehört hatten, der schon Formel 1 erfahren ist. Nachdem wir die Kontrolle am Eingang, bei der nur sehr oberflächlich in die Taschen geschaut worden ist, hinter uns hatten, suchten wir uns einen Platz auf dem Rasen bei der ersten Kurve der Rennstrecke. Wie zu erwarten, waren wir nicht die Einzigen, die diese Idee hatten, und so sah man schon nach kurzer Zeit kein Gras mehr vor lauter Menschen.
Mit Stühlen, Decken, Essen und Sonnenmilch ausgestattet, bereiteten sich die Formel 1-Fans auf einen langen Tag vor. Man könnte annehmen, dass die Stunden vor dem Rennen nicht vergehen wollen und sich Langeweile unter den Wartenden breit macht, aber weit gefehlt. Das Rahmenprogramm war so umfangreich, dass man gar nicht wusste, was man sich zuerst ansehen sollte: den Porsche Carrera Cup, den Profi-Skateboarder Tony Hawk in der Halfpipe, die Ferrari-Ausstellung, die Bike-Show, die Jet-Flugshow und vieles mehr. Es gab verschiedene Paraden unterschiedlicher Fahrer und Autos, Autogrammstunden, eine Graffitiwand, zahlreiche Informationstafeln und natürlich jede Menge Essens-, Getränke- und Merchandisingstände. Mit der Julia bin ich fast zwei Stunden herumgelaufen und habe mir alles angeschaut. Trotz der tausenden Menschen habe ich auf dem Gelände doch tatsächlich durch Zufall die Stefanie, die ich beim Informationstreffen für das Deutsche Filmfestival im Goethe Institut kennen gelernt hatte, gesehen! So verging die Zeit wie im Fluge und schon wurde die australische Nationalhymne gesungen.
- Tony Hawk
Internationales Treffen auf der Rennstrecke
Als das Rennen gestartet war, sind alle von ihren Sitzen aufgesprungen, man konnte nicht mehr wirklich viel von der Rennstrecke sehen und das Geschehen hauptsächlich über den Bildschirm verfolgen.
Großer Jubel kam natürlich immer auf, wenn Daniel Ricciardo – der australische Fahrer, an uns vorbeifuhr. Da ich mich ja nicht wirklich gut mit den Fahrern und Autos auskenne, konnte ich meist nur am Jubel der Leute um mich herum erkennen, wer gerade vorbeigefahren ist: Wenn David jubelte, war es Alonso; wenn Tommi jubelte (ausgestattet mit riesiger Flagge und das Gesicht in den Finnland-Farben bemalt) Raikkonen; wenn lauter Jubel ausbrach, der Australier und ab und an bekam ich mit, dass Vettel vorbeifuhr. 🙂 Für einen Formel 1-Laien wie mich war das Rennen gegen das vorher wirklich abwechslungsreiche Programm etwas langweilig und zog sich doch ziemlich hin. Wenn man an der Strecke steht, ist das Live-Gefühl ja auch immer nur in den paar Sekunden spürbar, wenn
die Autos vorbeifahren – ansonsten starrt man auf die leere Strecke und den Bildschirm. Die wirklichen Formel 1-Fans waren auch etwas enttäuscht, dass der Sound der Autos aufgrund der geänderten Vorgaben am Fahrzeug leiser war. Ich dagegen fand es sehr angenehm, dass man nicht zwangsläufig einen Ohrenschutz gebraucht hatte. Als die 58 Runden (8 hätten es auch getan)
dann (endlich) vorbei waren und Nico Rosberg gewonnen hatte, stürmten alle Fans auf die Rennstrecke und rannten zur Siegertribüne. Um uns herum wimmelte es nur so von Flaggen aus aller Welt – so sah man unter anderem deutsche, finnische, spanische oder französische. Eine fröhliche Atmosphäre breitete sich aus, alle feierten miteinander und schauten sich – wenn auch wie wir von weitem – die Siegerehrung an. Von ein paar Deutschen borgten wir uns eine deutsche Flagge, machten ein paar Bilder, dann kamen immer mehr andere Leute mit Flaggen dazu bis wir irgendwann ein sehr lustiges Gruppenbild mit dutzenden Leuten hatten, die wir gar nicht kannten. 🙂 So schossen viele Fans Erinnerungsfotos auf der Rennstrecke und warfen einen Blick in die Boxen der Teams, bevor um 20 Uhr alle Besucherinnen und Besucher das Gelände verlassen mussten.
- Siegerehrung











































































































































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