Von Batman gegründet – Ist Melbourne etwa Gotham City? :-)
Posted from Melbourne, Victoria, Australia.
In was für einer Stadt lebe ich eigentlich? Das fragt Ihr Euch sicher schon eine Weile und das zu recht. Denn obwohl ich nun schon zwei Monate hier bin, habe ich Euch noch nicht wirklich viel über Melbourne an sich erzählt und noch nicht viele Bilder von dieser tollen Stadt gezeigt. Das wird sich nun aber ändern, also aufgepasst, seid gespannt und los geht´s:
Melbourne ist die Hauptstadt des Bundesstaates Victoria und mit etwa 4,1 Mio Einwohnern nach Sydney die zweitgrößte Stadt Australiens. Melbourne hat nicht die bekannten Sehenswürdigkeiten wie Sydney, ist aber eine wirklich schöne Stadt mit einem überaus breitgefächerten und abwechslungsreichen Kultur- und Freizeitangebot (aufgrund dessen komme ich momentan auch kaum mit dem Schreiben hinterher :-)). Ein Festival löst das nächste ab (seit ich hier bin gab es z.B. schon das Moomba-Festival, Fashion Festival, Comedy Festival, …), ständig sind Großveranstaltungen (Australian Open, Formel 1, Pferderennen,..), es gibt viele interessante Museen (einige kostenlos), Theater, unzählige Bars und Cafés, viele kleine Läden (nicht nur die großen Ketten), einen Strand, und, und, und. Berühmt ist Melbourne auch für seine kleine Gassen, in denen oft ganz versteckt die tollsten Pubs, Cafés oder Läden sind. Nicht zu vergessen natürlich die genialen Graffitis, aber davon hatte ich ja schon ein bisschen was geschrieben. Wem hier langweilig wird, der macht etwas falsch! Schon noch den paar Wochen wundert es mich nicht, dass Melbourne so oft hintereinander zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt worden ist. Was allerdings etwas gewöhnungsbedürftig ist, ist das Wetter! Ich hatte ja schon in Deutschland gehört, dass es hier „4 Jahreszeiten an einem Tag“ gibt, aber so wirklich vorstellen konnte ich mir das nicht. Es ist aber wirklich so: Schaut man am Morgen aus dem Fenster, kann es trüb und kühl sein. Aber innerhalb von 2 Stunden ist strahlender Sonnenschein und zehn Grad wärmer! Also am besten immer mit Sonnencreme einschmieren, egal wie das Wetter ist, immer folgendes in der Handtasche haben: Regenschirm, Sonnenbrille, Strickjacke und Sonnencreme – für alles gewappnet sein! Man muss echt mehrere Schichten übereinander anziehen, wenn man den ganzen Tag unterwegs ist, denn am Morgen ist die lange Hose angebracht, am Nachmittag das Sommerkleid.
Um ein bisschen mehr über „unsere“ Stadt zu erfahren, habe ich zusammen mit ein paar anderen Au Pairs an einer „Free City Tour“ teilgenommen. Die gibt es in Sydney und in Melbourne und man läuft mit einem Stadtführer etwa 3 Stunden quer durch die Stadt. Am Ende gibt man, was man für richtig hält (manche haben auch nichts gegeben). Das ist wirklich ein tolles Angebot, um die Stadt kennen zu lernen, aber nichts für Leute, die nicht gerne laufen. Ein kurzer Blick in die Geschichte: Anders als Sydney war Melbourne ursprünglich keine Strafkolonie, sondern wurde 1835 von freien Siedlern gegründet. Als John Batman von der Insel Tasmanien an der Port Phillip Bay landete, kaufte er den Ureinwohnern Land ab (240.000 ha für Gegenstände im Wert von nicht mal 200 englischen Pfund!). Denn den Briten wurde es auf Tasmanien zu eng und sie brauchten mehr Platz für ihre Schaffarmen. Am Yarra Fluß gründeten Batman und seine Gefolgsleute dann eine Siedlung, die sie später nach dem damaligen britischen Premierminister Viscount Melbourne benannten. Melbourne wurde von Batman gegründet?! Interessant! Ist Melbourne also Gotham City? Mal schauen, ob ich dafür in den nächsten Monaten Hinweise finde. 🙂 Nach Goldfunden im Norden von Melbourne wuchs die Bevölkerung schließlich innerhalb von kurzer Zeit rasant an und innerhalb von zehn Jahren wurde Melbourne zur wohlhabendsten Stadt des Kontinents. Zufällig hatte sich Melbourne einen Monat vor den Goldfunden von dem Staat New South Wales (in dem Sydney liegt) unabhängig erklärt und den Staat Victoria gegründet. 🙂 In dieser Zeit entstanden die viktorianischen Bauwerke, die noch heute das Zentrum prägen, die Universität, Theater und Konzerthallen wurden gegründet. So war Melbourne einige Jahrzehnte der wirtschaftliche und geistige Mittelpunkt des Landes. In den 1890er Jahren gab es dann aber eine Wirtschaftskrise und viele Banken und Firmen gingen pleite. Zwischen 1901 und 1927 fungierte Melbourne als Hauptstadt des Commonwealth of Australia, bevor es Canberra wurde (es gab damals eine große Diskussion, ob Sydney oder Melbourne Hauptstadt werden sollen und man entschied sich dann für Canberra als einen Kompromiss). Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Einwanderer aus Europa nach Melbourne und 1956 wurden die ersten Olympischen Spiele Australiens in Melbourne ausgetragen.
Das sind die typisch viktorianischen Häuser, die man hier überall findet:
Bei der Stadtführung kamen wir auch zum alten Gefängnis, in dem Ned Kelly gehängt wurde. Ned Kelly ist der berühmteste Kriminelle Australiens, über den schon zig Filme gedreht worden sind. Er war ein Gesetzloser, der in den 1870ern zusammen mit seinem Bruder und Freunden Banken ausgeraubt hatte und den Kolonialbehörden schaden wollte. Seine letzten Worte waren „Such ist life“ („So ist das Leben“). Außerdem sagte er dem Richter, der ihn verurteilte: „Wir sehen uns in der Hölle.“ Seltsamerweise starb der Richter zwei Wochen später an Diabetes.
Der Queen Victoria Market ist der größte und älteste Markt der südlichen Hemisphäre. Dort gibt es von Obst und Gemüse, über Fleisch, Fisch bis hin zu Souvenirs, Kleidung und Möbeln alles, was der Mensch braucht.
Im Sommer gibt es am Mittwochabend immer „Queen Victoria Night Market“ mit Live-Musik und Essen aus aller Welt. Interessant ist, dass es hier viele Vintage-Sachen gibt und die Kleider andere Muster haben als bei uns. Hier ist viel der 50er/60er Jahre-Look angesagt. 
Das Exhibition Building erinnert an die 8. Weltausstellung, die 1880 in Melbourne (und nicht in Sydney) stattfand. Zu dem Zeitpunkt war die Stadt erst 45 Jahre alt und es lebten dort rund 300.00 Menschen. 1950 wurde das Gebäude fast vollständig zerstört. Die australische Flagge wurde erstmals bei diesem Brunnen gehisst.
Chinatown in Melbourne ist übrigens das älteste fortdauernde Chinatown des Westens (das in San Francisco ist zwar größer, aber es wurde mal durch ein Erdbeben zerstört). Viele Chinesen sind während des Gold Rush gekommen und haben teilweise 10 Prozent der Bevölkerung ausgemacht.
Die Flinders Street Station (einer der zentralen Bahnhöfe hier und gleich bei mir um die Ecke) gibt es seit 1910. Es hängen immer noch die Originaluhren, auf denen man sieht, wann die Züge abfahren. Als die Stadt diese mal durch neue ausgetauscht hatte, ging ein Aufschrei durch die Bevölkerung und die alten wurden wieder aufgehängt.
- St. Pauls Cathedral
- Das Parlament von Victoria
Sonnenuntergang am St. Kilda Beach – wunderschön!





















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