26. Mai 2015 at 11:29

Posted from Würzburg, Bavaria, Germany.

„Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“

IMG_7531

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Familie, liebe Freunde,

wenn Ihr bis hier durchgehalten habt, RESPEKT! 😉 Leider haben sich die Ereignisse oft überschlagen und ich bin mit dem Aktualisieren meines Blogs nicht mehr nachgekommen, aber ich wollte alle wichtigen Ereignisse und Erlebnisse auf jeden Fall noch nachtragen, denn ich möchte mich auch in 50 Jahren noch an jedes Detail dieses Abenteuers erinnern. Ich hoffe, es war und ist auch für Euch auch im Rückblick noch interessant und spannend.

Schlange, Hai und Känguru

IMG_6685Was habe ich im Jahr 2014 nicht alles erlebt! Down Under habe ich das erste Mal Kängurus und Krokodile gefüttert, in einem Spielcasino an einem Automaten gespielt (und verloren), Koalas gestreichelt, bei einem Pferderennen gewettet, eine Schlange um den Hals gehabt, auf einem Segelschiff übernachtet, zu surfen versucht, in einem Swag im Outback geschlafen, einen Wal im offenen Meer gesehen, Boss Hoss getroffen und Hugh Jackman gesehen, meinen Geburtstag im Herbst gefeiert, Känguru, Emu, Kamel und Krokodil gegessen. Außerdem bin ich nie zuvor Sandboarden gegangen, auf ein Kreuzfahrtschiff eingeladen worden, mit einem Barracuda und einem Hai im offenen Meer gewesen, im Linksverkehr gefahren, im Great Barrier Reef geschnorchelt, vor Weihnachten nicht in Weihnachtsstimmung gekommen, einer Schildkröte im Meer hinterhergeschwommen, wegen einer Haisichtung aus dem Wasser geschickt worden, bei einem Formel 1-Rennen und einem Pferderennen live dabei gewesen, und, und, und….

Nimm 2 importieren

Im letzten Jahr habe ich auch viel gelernt, unter anderem, dass bei weitem nicht alle Australier Surfertypen sind 😉 und dass man sich überall auf der Welt wohl fühlen kann, wenn man die richtigen Leute kennen lernt.IMG_2096 Zudem ist es für einen selber unglaublich wichtig, unterschiedliche Teile der Welt zu sehen, Menschen aus verschiedenen Ländern kennen zu lernen und neue Erfahrungen zu sammeln. Was ich aber auch nach einem Jahr in Australien immer noch nicht verstehe ist, warum Hunde dort „wuff wuff“ und nicht „wau wau“ machen; warum es so schwer ist, dort Fencheltee zu bekommen und warum noch keiner auf die Idee gekommen ist, Nimm 2 zu importieren (Kinderriegel, Knoppers, Toffifee, etc. gibt es ja auch); warum die Bedienungen in den „deutschen“ Lokalen (wie dem Hofbräuhaus, dem Munich Brauhaus und Hophaus) nicht wenigstens die wichtigsten Wörter auf Deutsch verstehen müssen (wie zum Beispiel „Radler“) und „last but not least“ wie man Vegemite tatsächlich mögen kann und warum die australischen Kindern ihren Eltern das Zeug nicht sofort ins Gesicht spucken! 😉

Danke

Ich habe mich sehr gefreut, dass nicht nur meine Familie, sondern auch so viele meiner Freunde, Bekannten und ehemaligen IMG_2763Arbeitskollegen an meinem Jahr in Australien Anteil genommen, meinen Blog gelesen, Artikel kommentiert und mir Nachrichten ins Gästebuch IMG_0923geschrieben haben. Eure E-Mails, What´s app-Nachrichten, Skype-Gespräche, Postkarten und Päckchen haben mir gezeigt, dass Ihr an mich denkt und es Euch wichtig ist, dass der Kontakt trotz der Entfernung nicht abreißt. Danke dafür, Ihr seid die Besten! Wenn man so weit weg ist, merkt man schnell, wer den Kontakt halten möchte und bei wem die Devise gilt „Aus den Augen aus dem Sinn“ – ich kann mich glücklich schätzen, so viele liebe Freunde zu haben, die mich über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden gehalten und sich für mein Leben Down Under interessiert haben. Durch die vielen Bilder, Videos und lustigen Sprachnachrichten aus Kneipen, von Festen und Parties hatte ich auch aus der Ferne das Gefühl, an Eurem Leben in Deutschland teilzuhaben! 🙂 Wenn man am anderen Ende der Welt ist, ist es für einen umso wertvoller zu sehen, dass man nicht nur die Lieben zu Hause vermisst, sondern sie einen auch selbst vermissen. Es war immer schön, am anderen Ende der Welt von Euch zu hören!

Und denkt immer daran: Im Rückblick bereut man oft nur das, was man nicht gemacht hat! In diesem Sinne – auf zu neuen Abenteuern! 🙂

Eure Christine

Bye, bye, schönes Australien!

26. Mai 2015 at 10:20

Posted from Dubai, Dubai, United Arab Emirates.

Nach 343 unvergesslichen und aufregenden Tagen in Australien musste ich Down Under Lebewohl sagen. Vom Hochsommer ging es für mich wieder in den Winter. Ich hatte in den letzten Monaten so viele neue Erfahrungen gesammelt, neue Freunde gefunden und die tollsten Sachen erlebt. All das wird mir ewig in Erinnerung bleiben und ich bin so froh, dass ich mich für dieses Abenteuer entschieden habe!

Foto-14Nachdem ich mich von den Freunden, die so kurz vor WeihnachtenIMG_0445 noch in Melbourne waren, und meinen liebgewonnenen Babysitterfamilien verabschiedet hatte, feierten wir am Wochenende vor meiner Abreise noch ein letztes Mal so richtig. Zusammen mit Duy, Daniel, der Italienerin Jessica und Freunden vom Duy aßen wir erst im „Lentils“ im Konvent, gingen dann in die schicke Cocktailbar „Blue Diamond“, von deren Balkon man einen genialen Blick hat, zogen dann weiter in ein Irish Pub (in dem es Live-Musik gab), ins „Little Red Pocket“ (bei dem ich den Türsteher überredete, einen Teil von uns umsonst reinzulassen) IMG_0449und landeten am Schluss im Club „Rats“. Duy und ich tanzten dort eine Weile und machten lustige Bilder in einer Photo-Box – ein rundum schöner Abend! Am Ende trafen wir uns noch mit seinem Bruder Ngoc, aßen etwas bei „Lord of the Fries“ (diese Pommes schmecken ja wirklich unglaublich lecker) und verabschiedeten uns dann. Ist schon komisch, wir hatten ja ein halbes Jahr lang so viel zusammen gemacht, uns wirklich gut verstanden und auch gut unterhalten – dann verabschiedet man sich und man weiß nicht, ob und wann man denjenigen wiedersieht. Schön ist aber, dass ich mit dem Duy noch in Kontakt bin und er versprochen hat, mich mal in Deutschland zu besuchen. Mal schauen. 🙂

IMG_0453

Packstress

Dann hieß es Koffer packen und das machte mir am meisten Sorgen. Denn obwohl ich schon vor unserer Ostküstentour 8 IMG_2962Kilo per Seamail (Souvenirs, Geschenke, etc.) nach Hause geschickt hatte, musste ich unbedingt aussortieren. Ein paar Sachen wie Bücher, meinen Fön, etc. konnte ich an andere Au Pairs oder Backpacker verkaufen. Einige meiner Klamotten und Schuhe hatten ihre Dienste getan und waren nach den Monaten kaputt oder nicht mehr wirklich schön, so dass ich sie der australischen Müllabfuhr überließ. Was mir allerdings schwer fiel war, dass ich 15 Nagellacke da lassen musste. Kim hatte mir etwa 30 Nagellacke geschenkt, die sie nicht benutzt und die teilweise noch neu waren. Leider waren die allein 3 kg schwer… Von allen wollte IMG_2965ich mich aber nicht trennen, also steckte ich sie mir in die Jackentaschen. 😉 Eigentlich darf man ja keine Flüssigkeiten mit ins Handgepäck nehmen oder man muss sie in so Tütchen stecken. Ich ließ es drauf ankommen und weder in Melbourne, noch in Sydney oder Dubai sagte jemand etwas – so viel also zu den Kontrollen! An meinem letzten Tag in Melbourne holte ich noch Sachen von der Reinigung, löste mein Konto bei der Westpac auf, ging zur Post, putzte bei der Kim und lief ein letztes Mal am Strand von St. Kilda entlang. Was für ein komisches Gefühl, Melbourne nach so einer langen Zeit wieder zu verlassen. Ich fühlte mich dort sehr wohl und alles war so vertraut. Aber ich freute mich auch sehr auf Zuhause, auf meine Familie, meine Freunde und auf Deutschland! Auf IMG_2974den Winter allerdings freute ich mich gar nicht. Nach dem langen und unerwartet kalten Winter in Melbourne sehnte ich mich so nach den Sommer, den ich leider nur kurz genießen konnte. Der Weg zum Flughafen war lang: Weil ich nicht mehr alles in den Koffer brachte, zog ich lange Klamotten an, meine hellblaue Outdoorjacke (mit den 15 Nagellacken in den Taschen) und trug meinen Wintermantel über dem Arm. Leider konnte mich der Duy nicht zum Flughafen fahren, weil er es nicht rechtzeitig aus der Arbeit zu mir geschafft hätte. Um Geld zu sparen wollte ich die Tram in die Stadt nehmen und von Southern Cross dann mit dem Sky Bus zum Flughafen fahren. Leider ließ die Tram ewig auf sich warten und es gestaltete sich schwieriger als ich dachte, in der Polarkluft einen 30,5 kg schweren Koffer den Berg bis zur Tram-Haltestelle hochzuschieben, wenn man noch einen 12kg schweren Rucksack auf dem Rücken und Nagellacke in den Taschen hat. Ein Mann, der mir entgegenkam, sah meinen hochroten Kopf und sagte zu mir „I´m so sorry“ – ja, das war ich auch. 😉 Hätte ich doch nur ein Taxi genommen…

Schlaflos in Sydney

Am 22. Dezember abends um 20:50 Uhr flog ich also dann mit Tigerair von Melbourne nach Sydney. Denn da ich ja im Januar von Frankfurt nach Sydney geflogen war, musste ich auch von dort wieder zurück. Eigentlich wollte ich wegen des IMG_2977Gepäcks (Tigerair schaut genau auf jedes Gramm) erst mit IMG_2987dem Bus nach Sydney fahren, das hätte aber mindestens 10 Stunden gedauert und mehr als der Flug gekostet. Ich bibberte, weil ich 2kg zu viel Handgepäck hatte – der Koffer passte genau, das halbe Kilogramm zuviel machte scheinbar nichts. Jeder vor mir musste sein Handgepäck auf eine Waage stellen, nur bei mir sagte die Frau „Gehen Sie durch“ – Puh, geschafft, war ich erleichtert, als ich im Flugzeug saß! Da ich die Nacht davor vor lauter Aufregung und zig Sachen, die ich noch erledigen wollte (Bettwäsche waschen, putzen, packen, etc.), nicht geschlafen hatte, war ich froh, für eine Stunde mal kurz die Augen zumachen zu können. Wirklich schlafen konnte ich natürlich nicht. Um 22.15 Uhr kam ich am Flughafen in Sydney an und suchte den Raum, in dem sich die Passagiere aufhalten konnten, die so IMG_2989früh weiterfliegen, dass sie am Flughafen übernachten müssen. Von diesem „Raum“ hatte ich in Backpackerforen gelesen. Tja, der „Raum“ ist allerdings nur ein Durchgang, in dem einIMG_2996 paar Stühle stehen und es eine Toilette gibt. Das Tollste war aber, dass die um uns herum an den Türen Gitter runterließen und wir so bis 3 Uhr morgens dort eingesperrt waren! Unglaublich! Ich war eine der glücklichen, die noch einen Sitzplatz ergatterte, viele lagen oder saßen auf dem Boden. An schlafen war aber nicht zu denken, denn über Lautsprecher wurde die ganze Nacht Weihnachtsmusik gespielt, ständig lief ein Flughafenmitarbeiter herum, zählte die Leute und wollte unsere Flugtickes sehen (als ob sich dort jemand freiwillig einsperren lässt). Eigentlich wollte ich in den 7 Stunden, die ich dort verbringen musste, viel erledigen, E-Mails und meinen Blog schreiben, Nägel lackieren, etc. – leider kam ich damit nur bedingt voran, weil ich das Glück hatte, sehr gesprächige Sitznachbarn zu haben: Eine Frau mit Kind aus Samoa und einen jungen Journalisten aus Hong Kong, mit dem ich über die Menschenrechtssituation in China redete. Tja, schlafen wird auch überbewertet. 😉

Endlich daheim

Foto 3-15Die Nacht zog sich zwar hin, aber sie ging doch schneller rum als ich dachte. Ich kam mir ein bisschen vor wie Tom Hanks im Film „Terminal“. 😉 Mit dem Unterschied, dass ich nach 7 Stunden weiterflog nach Dubai. Nach meiner zweiten Nacht ohne Schlaf – langsam gewöhnte ich mich dran. Der A380 ist  schon ein tolles Flugzeug, in dem ich die rund 14 Stunden bis Dubai gut aushielt. Ich wurde mit reichlich gutem Essen verwöhnt, schlief etwas und schaute mir ein paar Filme und Serien an. Von Dubai aus ging es eine Stunde später weiter nach Frankfurt – weitere 7 Stunden in der Luft. Insgesamt war ich schließlich von Melbourne nach Frankfurt stolze 32 Stunden unterwegs! Dank der Zeitverschiebung flog ich aber am 23. Dezember morgens in Sydney los und kam abends am selben Tag deutscher Zeit in Frankfurt an. Von den 30 Grad Celsius in Melbourne verwöhnt, musste ich mich erstmal an die kalten 8 Grad in Deutschland gewöhnen. Nachdem mein Pass kontrolliert war und ich mein Gepäck hatte, sah ich nach fast einem Jahr meine Familie wieder! Endlich konnte ich sie wieder in die Arme schließen! War das schön! Obwohl wir uns so lange nicht live (nur über Skype) gesehen hatten, kam es mir so vor, als wäre es erst gestern gewesen. Das vertraute Gefühl war nie weg – dank der modernen Technik (Skype, E-Mails, What´sapp, etc.) waren wir ja so gut wie jeden Tag in Kontakt gewesen und ich war über alles, was in ihrem Leben passiert ist, auf dem neuesten Stand und umgekehrt. Was mich besonders freute war, dass sie extra ein Plakat gestaltet hatten, auf dem stand: „1 Jahr Australien – Endlich daheim“. Genau so war es! So schön das Jahr war, es war schön, wieder daheim zu sein – und vor allem genau zu Weihnachten. 🙂

Foto 2-13

So schön, schön war die Zeit

25. Mai 2015 at 21:19

Posted from Traralgon, Victoria, Australia.

Das Leben besteht aber bekanntlich nicht nur aus Arbeit, deshalb habe ich die Abende und die freie Zeit am Wochenende in Melbourne weiterhin sehr genossen. 😉 Ich war zum Beispiel mit dem Gregor (das männliche Au Pair von der Deutschen Schule) im Spice Club, was trinken und im Kino. Ab und an habe ich mich auch mit der Spanierin Bea und der Amerikanerin IMG_2148Michelle getroffen, habe mit dem Finnen Tommi mal Billard IMG_1746gespielt oder war mit meiner Mitbewohnerin Sarah und ihrem deutschen Freund Alex aus. Eine Weile war ich auch öfter mit der Deutschen Jessica aus, deren Freund Frauenarzt ist und die mit ihm von Irland nach Australien kam. Mit ihr war ich zum Beispiel Cocktails trinken und tanzen. Auch mit einer andern Deutschen, Jenny, war ich ein paar Mal unterwegs, zum Beispiel in der coolen Bar „Naked for Satan“ in Firtzroy. Sie hatte mir auch den Tipp gegeben, Daniel anzuschreiben, als ich einen deutschen Studenten für einen Artikel für „Deutsche in Melbourne“ suchte. Denn ich schrieb weiterhin Texte für deren Webseite, ging zu Terminen, postete Beiträge auf deren Facebookseite und traf mich regelmäßig mit der Chefredakteurin Claudia.

Mit Gregor im "Spice Market"

Mit Gregor im „Spice Market“

Bea bei mir daheim

Bea bei mir daheim

Prost, Michelle!

Prost, Michelle!

Mit Jessica im "Spice Market"

Mit Jessica im „Spice Market“

Mit der Claudia von "Deutsche in Melbourne" im leckeren Restaurant "Brunetti"

Mit der Claudia von „Deutsche in Melbourne“ im leckeren Restaurant „Brunetti“

Unterwegs mit den Jungs

IMG_1782Nachdem ich Daniel, der aus Berlin stammt und aufgrund seiner IMG_2143Masterarbeit für ein Jahr in Melbourne war, für den Artikel interviewt hatte, unternahmen wir bis ich nach Hause flog viel zusammen. Wir gingen öfter mal was trinken, Eis und Burger essen, ins Kino, entspannten uns am Yarra River und zogen oft zusammen in einer Clique um die Häuser. Zusammen mit seinen Mitbewohnerinnen Anja und Selina und besonders mit Duy und Bart waren wir an den Wochenenden in den Bars und Clubs unterwegs. Mit Duy – einem Australier vietnamesischer Herkunft – der im Personalbereich bei einem Unternehmen arbeitete, verstand ich mich auch sehr gut. Er ist ein ganz lieber, unheimlich hilfsbereiter und lustiger Kerl, mit dem ich auch jetzt noch Kontakt habe. Auch seinen Kumpel Bart fand ich richtig nett. Besonders schön waren die Abende mit den Jungs bei einer 90er Party mit Liveband, in St. Kilda, in Fitzroy, im Club „Retro“, in der Cookies Rooftopbar und als wir Selinas Geburtstag feierten. Oft trafen wir uns zuerst in Jacks Bar und zogen danach weiter. Jack war ein Freund von Daniel, der eigentlich aus Sydney stammte und mit gerade mal 22 Jahre in Melbourne die Bar „Billys Lane“ eröffnet hatte. Die Bar war nicht besonders gemütlich, sie war im Durchgang zu einer Billardhalle, aber freitags kosteten die Cocktails nur 10 Dollar und mit der Zeit kannte man die Leute. 😉

Mit Daniel und Duy bei der 90er Party

Mit Daniel und Duy bei der 90er Party

Zusammen mit Daniels Mitbewohnerinnen Anja und Selina waren Daniel, Duy und ich in Fitzroy untewegs

Zusammen mit Daniels Mitbewohnerinnen Anja und Selina waren Daniel, Duy und ich in Fitzroy unterwegs

Mädelsfoto an Anjas Geburtstag

Mädelsfoto an Anjas Geburtstag

 

Die Jungs und ich auf dem Weg zum "Retro Club" - (v.l.n.r.) der Italiener Alessio, ich, Bart, Daniel und Duy

Die Jungs und ich auf dem Weg zum „Retro Club“ – (v.l.n.r.) der Italiener Alessio, ich, Bart, Daniel und Duy

Duy und ich auf der Tanzfläche

Duy und ich auf der Tanzfläche

Das Geburtstagskind Selina und ich im "Little Red Pocket"

Das Geburtstagskind Selina und ich im „Little Red Pocket“

Daniel und Selina

Daniel und Selina

IMG_2642

IMG_9989

IMG_9991

Ausflug ins Hinterland

IMG_7925Monica, die ich vom Deutschen Filmfestival kannte, lud mich mal übers Wochenende in das Haus ihrer Familie nach Traralgon/Gippsland ein, das etwa 160km von Melbourne IMG_7941entfernt lag. Es war schön, mal aus der Großstadt raus zu kommen und von der Natur umgeben zu sein (dass ich das mal sage! ;-)). Wir fuhren in einen Nationalpark und Monica erzählte mir einiges über die Umgebung. Bei einem Buschbrand vor ein paar Jahren wurden viele der Nachbarhäuser zerstört. Ihr Vater und ihr Onkel blieben bei ihrem Haus und schützten es mit Wasser vor dem herannahenden Feuer, so dass ihr IMG_7928Vater mit einer Rauchvergiftung ins Krankenhaus kam. Wenn ich mich recht erinnere, starben in der Umgebung etwa 20 Menschen, eine Familie kam in ihrem Auto ums Leben, als sie vor dem Feuer fliehen wollte. Wirklich schlimm! Monica zeigte mir Bilder von den Zerstörungen danach und erklärte mir auch, dass es seitdem weniger Tiere in der Umgebung gibt. Wir hatten aber Glück und sahen auf dem Weg zum Nationalpark ein Echidna auf einem Weg laufen. Ein Echidna ist eine Art Ameisenigel, der genau wie das Schnabeltier (Platypus) ein eierlegendes Säugetier ist. Ich finde die so süß, wie die so langsam hin- und herwackelnd laufen – einfach goldig! 🙂 Der Kurztrip war sehr schön und wir hatten viel Spaß zusammen.

Bei Kim und den Jungs

IMG_9939Die letzten sechs Wochen meiner Zeit in AustralienIMG_9948 (nach unserem Ostküstentrip, als Angela und Flo wieder abgereist waren) konnte ich netterweise bei der Kim und ihren Jungs in ihrem Gästezimmer im Stadtteil Kew wohnen. Kim war im Laufe der Zeit zu einer guten Freundin geworden, so dass ich mich bei ihnen total wohl fühlte. Als ich bei ihnen wohnte, schauten wir häufig zusammen „Greys Anatomy“, quatschten viel, aßen oft zusammen und machten gemeinsam Ausflüge. So waren wir einmal mit Rachel und Tristan in den Dandenong Ranges in einem deutschen Restaurant, dem „Cookoo“. Es gab deutsches Essen, deutsche Live-Musik, man konnte Kuckucksuhren kaufen und es wimmelte nur so von Klischees. Natürlich war es dementsprechend teuer, aber gestopft voll und die Australier waren begeistert. 😉 Schön war auch der Night Noodle Market, bei dem Kim und ich uns besonders das asiatische Essen schmecken ließen. Die letzten drei Wochen war ich sogar allein in ihrem Haus, weil die drei in die USA geflogen sind. Ich habe das sehr geschätzt, dass die Kim mir ihr Haus anvertraute und ich dort auch allein wohnen bleiben konnte.

IMG_9996    IMG_9998

IMG_9995

Kim und ich auf dem Night Noodle Market

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen ;-)

25. Mai 2015 at 18:18

Posted from Melbourne, Victoria, Australia.

Australien ist – wie Ihr durch meine Blogeinträge mittlerweile mitbekommen habt – leider ziemlich teuer. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen – hieß es deshalb auch für mich, um noch mehr schöne Ecken dieses tollen Landes erkunden zu können. Mit dem Working Holiday Visum kann man in fast allen Bereichen in Australien arbeiten – außer zum Beispiel im Gesundheitssektor. Eines war für mich aber von Anfang an klar: Ich wollte auf keinen Fall kellnern oder eine Küchenhilfe sein. Am liebsten hätte ich eine Tätigkeit in einem Büro begonnen, allerdings merkte ich schnell, dass das für mich nicht möglich sein würde. Solche Jobs bekam man nur mit dauerhafter Aufenthaltsgenehmigung und wenn man mindestens noch ein halbes Jahr in Australien blieb.

Meine zwei Lieblingsfamilien

Bereits während meiner Au Pair-Zeit babysittete ich bei zwei Familien, wenn der Tristan in der IMG_2201Schule war. Einmal (und eine Weile auch zweimal) die Woche passte ich auf Sophie auf, deren Mutter Australierin und deren Vater Deutscher ist. Sie IMG_1052wollten gerne, dass noch eine weitere Person neben dem Vater mit ihrer sechs Monate alten Tochter Deutsch spricht und da kam ich ins Spiel. 😉 Sophie hatte ich sofort ins Herz geschlossen und ich freute mich immer, wenn ich zu ihr gegangen bin. Ihre Mutter war Lehrerin in Mutterschutz und hatte später stundenweise wieder angefangen zu arbeiten. Während ich bei ihnen war, erledigte sie Sachen für sich und für die Schule, ging mal zum Friseur oder einkaufen. Sophie und ich gewöhnten uns schnell aneinander, spielten zusammen,IMG_2673 ich ging mit ihr Spazieren, las ihr etwas vor, fütterte sie und wickelte sie manchmal (meistens erledigte das die Julie). Je älter sie wurde, desto mehr konnte ich natürlich mit ihr machen und man merkte auch, dass sie Deutsch schon gut verstand. Ihr Vater sprach IMG_2179mal Deutsch, aber in der Regel Englisch mit ihr. Mit der Mutter Julie verstand ich mich auch sehr gut, wir unterhielten uns viel, ich brachte ihr auch etwas Deutsch bei und war eine der ersten, die erfuhren, dass Sophie ein Geschwisterchen bekommen sollte. Als ich in die WG mit der Sarah zog, lieh sie mir auch Bettwäsche, Kissen, etc. und bot mir sogar an, übergangsweise bei ihnen zu wohnen, falls ich nicht gleich ein Zimmer finden sollte. IMG_2349Kurz nachdem ich bei ihnen angefangen hatte, zogen sie in ein größeres Haus und dort hatte Sophie noch mehr Platz zum Spielen. Gerade in dem Alter machen sie von Woche zu Woche so viele Fortschritte und entwickeln sich so schnell – es ist schön, IMG_2609das über Monate mit zu bekommen. Man glaubt nicht, wie man sich an ein Kind gewöhnt und wie sich ein Kind an einen selbst gewöhnt – auch wenn man nur einmal die Woche kommt. Einmal saß Sophie auf dem Schoß ihrer Mutter und fing an zu weinen, als ich wegging. Im Oktober war ich dann bei ihrer ersten Geburtstagsfeier dabei und kurz bevor ich wieder nach Deutschland geflogen bin, fing sie an zu laufen! Ich war so stolz! 😉 Zufälle gibt es! Auf der Webseite von „Deutsche in Melbourne“-Seite inserierte eine deutsche Familie, die einen Babysitter suchte und diese Familie war doch tatsächlich aus Würzburg! Unglaublich! Eine sehr liebe Familie, die für zwei Jahre in Melbourne ist, IMG_0179da der Vater an der dortigen Uni arbeitet. Einmal die Woche passte ich auf den zweijährigen Felix auf, der etwas Zeit IMG_2139brauchte, bis er sich an jemand Neuen gewöhnte. Mit der Zeit durfte seine Mutter Kathi auch weggehen, wenn ich da war und Erledigungen machen – das war ein gutes Zeichen! Felix ist ein ganz süßes, aufgewecktes Kerlchen, der gerne mit Legosteinen Schiffe baut, mit Autos spielt, aus Büchern Geschichten vorgelesen bekommt und Spaß daran hat, mit Kinderfahrzeugen herumzufahren. Mit seinen Eltern, die nur ein paar Jahre älter sind als ich, war ich sofort auf einer Wellenlänge und besonders mit der Kathi quatschte ich viel, wir tauschten Melbourne- und Australientipps aus und erzählten uns unsere Neuigkeiten. Einige Monate später wurde Felix´ kleiner Bruder David geboren – ein ganz Süßer, auf den ich ab und an auch mit aufpasste. Es war immer, als ob ich zu Freunden und nicht zur Arbeit ging, wenn ich zu ihnen nach Coburg (ein Stadtteil von Melbourne) fuhr. Zu beiden Familien habe ich im Laufe der Monate eine enge Verbindung aufgebaut, bin auch jetzt noch in guten Kontakt mit ihnen und freue mich immer, wenn ich höre, wie es den Kids geht. 🙂

P1210098_Ausschnitt

Kathi, Felix, David und ich

Babysitten

Nachdem ich ausgezogen war, hatte ich zusätzlich noch bei anderen Familien gebabysittet. Einige Male habe ich zum Beispiel IMG_2435auf den vierjährigen Olli und seine eineinhalbjährige Schwester Matilda aufgepasst, deren Mutter einmal die Woche IMG_1982von zu Hause gearbeitet hatte. Ich passte auf den kleinen Wirbelwind und seine Schwester auf, ging mit ihnen auf den Spielplatz, in den Park und half der Mutter mit dem Putzen des Hauses. Sarah war sehr nett, immer im Stress als berufstätige Mutter und versorgte mich mittags auch mit Essen. Während ich auf die Kleinen aufpasste, versuchte sie neben der wöchentlichen Telefonkonferenz immer einzukaufen, Erledigungen und ab und an auch Sport zu machen. An einem Wochenende half ich einer netten deutschen Familie, die kurz vor ihrer Rückkehr in die Heimat stand. Ich beschäftigte die beiden Kinder, so dass die Eltern Kisten packen konnten. Von ihnen bekam ich jede Menge Konserven, die sie nicht mehr aufbrauchen konnten. Ab und an passte ich auch auf Thomas und Eric auf – die Zwillinge, die mit dem Tristan befreundet sind und mit deren Mutter Kim ich mich gut verstand und auch oft getroffen hatte. Einmal stellte ich mich auch bei einer Familie als Babysitterin vor, die in Brighton – einem wohlhabenderen Stadtteil von Melbourne – wohnte. Die Eltern betrieben 25 Subway-Läden, hatten einen Pool und vom Flur aus konnte man durch eine Glasscheibe in die Garage schauen, in der zwei dicke Autos standen. So etwas hatte ich auch noch nicht gesehen. 🙂 Ab und an babysittete ich auch abends auch zwei Kinder von einem Schweden und einer Japanerin auf, die beide auch sehr nett waren. Der Schwede arbeitete früher in L.A. als Designer und war in Melbourne für eine Autofirma tätig. Als ich im Internet eine Anzeige aufgab, in der ich einen Babysitterjob suchte oder Deutschunterricht anbot, meldeten sich neben normalen Leuten übrigens auch jede Menge Idioten. Einer fragte mich doch tatsächlich, ob ich bei ihm putzen könnte und ob es mich stören würde, dass er Nudist sei. Nur um das klarzustellen, den Job nahm ich nicht an. 😉

Burger, Mysteryshopper, Gala und Wasserballon

Über das Internet fand ich jede Menge Nebenjobs. So half ich zum Beispiel Katie, einer Frau mittleren Alters, beim Umzug. Zusammen mit einem anderen deutschen Backpacker packte ich Bücher, CDs, Küchenutensilien, etc. in Kartons und half ihr beim Putzen. Man glaubt nicht, wie manche Menschen leben! Katie hat scheinbar in den Jahren, in denen sie in diesem Haus gewohnt hatte, niemals Staub gewischt! Eklig! In der Wohnung lag doch tatsächlich Laub, das der Wind hineingeweht hatte! Unglaublich! Katie war so dankbar für unsere Hilfe, dass sie den Florian und mich abends noch in ein Pub eingeladen hatte. Ein paar Mal traf ich mich auch mit Jon, einem Backpacker aus England, der aus Interesse Deutsch lernen wollte. Deutsche Backpackerfreunde hatten ihm bis dahin nur die wichtigsten Wörter, um Körperteile benennen zu können oder ein Bier zu bestellen, beigebracht. Ich erweiterte seinen Wortschaft etwas. 😉 Claudia von „Deutsche in Melbourne“ erzählte mir dann von einer australischen Webseite, auf der Leute alle möglichen Nebenjobs posten, man sich um den Job bewerben kann und man nach getaner Arbeit bewertet wird. Das war eine klasse Sache und von da an machte ich viele Jobs darüber. Dort posteten die Leute wirklich alle möglichen Jobs – vom Putzen, Computerhilfe, Handwerkertätigkeiten und Gartenarbeit über Fahrstunden, Übersetzungen und Flyeraustragen bis hin zu Uniarbeiten schreiben, Logos entwickeln und den Lebenslauf überarbeiten. Es gab nichts, was es nicht gab – so suchte ein Mann jemanden, der für ihn einen Liebesbrief schrieb oder eine Frau jemanden, der ihr die Haare kämmte (äh, das hörte sich zu seltsam und verrückt an). 😉 Einige lustige und coole Jobs bekam ich über diese Webseite:

  • Einmal lieferte ich einem Typen, der in der Mittagspause sein Büro nicht verlassen konnte, einen Burger! Sein Büro lag eine Straße von unserer Wohnung entfernt und an dem Burgerladen lief ich eh auf dem Heimweg vorbei. Der Typ war total nett und gab mir ein sehr großzügiges Trinkgeld! 🙂
  • Für einen Geschäftsmann aus Sydney tauschte ich ein T-Shirt um, das er in der falschen Größe gekauft hatte und nicht mehr zu dem Laden nach Fitzroy fahren konnte.
  • „Nom, nom, nom“ sollte ich einmal auf einen Zettel schreiben und zusammen mit zehn Energieriegeln in einen Briefkasten werfen. Der Auftraggeber war aus Melbourne weggezogen und wollte einer Freundin eine Freude machen.
  • Für eine Studentin ging ich in einen Waschsalon, las in einem Buch IMG_2381und wartete bis ihre zwei Ladungen Wäsche gewaschen waren. Keine Ahnung warum sie das nicht selber machen wollte, der Waschsalon war nur 5 Minuten von ihrer Wohnung entfernt. Umso besser für mich. 😉
  • Mysteryshopper war ich auch zweimal. Was das ist? Man geht in einen Laden, tut so als ob man sich für ein Produkt interessiert, lässt sich von einem Verkäufer beraten und füllt danach einen Fragebogen aus. Man führt darin aus, wie freundlich der Verkäufer war, wie viele Kunden im Raum waren, was der Verkäufer gefragt oder einem angeboten hat, ob er den Kunden auf Rabatte/Abzahlmöglichkeiten aufmerksam gemacht hat, etc. Sehr interessant!
  • Für eine Eventagentur half ich auch mal bei der Vorbereitung einer Gala. Zusammen mit anderem Helfern schmückte ich einen großen Saal, stellte Teelichter auf und dekorierte. IMG_2013Das hat mir viel Spaß gemacht! Das Motto war irgendetwas mit Asien und der Raum sah anschließend super aus! Für die Deko verantwortlich war ein Typ, der der Zwillingsbruder vom Bruce Darnell hätte sein können – diese Tonlage, die Gesten und sein Auftritt! 😉 Er sagte immer: „Darling, that´s sooo beautiful, you are doing an amazing job! Wonderful!“ Haha, genial!
  • Der lustigste Job war für Studenten – die eine App entwickelt hatten, mit der man die Farben auf der Handy-Tastatur irgendwie ändern konnte. Sie wollten ein Werbevideo drehen, bei dem mit Lebensmittelfarbe gefüllte Ballons auf Leute geworfen werden. Mal lag einer am Strand und wurde beworfen,IMG_2038 fuhr auf einem Einrad und wurde beworfen und ich saß auf einer Bank und wurde beworfen. Die Jungs waren total nett, der Dreh war echt lustig (sie warfen erst ein paar Mal daneben) und ich wurde Gott sei Dank nur am Bauch und den Beinen getroffen (der auf dem Einrad wurde mit roter Farbe direkt im Gesicht erwischt, er sah aus, als ob er einen Unfall hatte). In weiser Voraussicht hatte ich meine ältesten Klamotten angezogen, aber die Farbe ging beim Waschen auch wirklich raus. Der Dreh dauerte ca. 20 Minuten und wurde richtig gut bezahlt!
  • Zwischendurch habe ich auch Übersetzungen vom Englischen ins Deutsche und umgekehrt gemacht, mal ein PDF abgeschrieben und für eine ältere Frau die Hemden ihres Mannes, Bettwäsche, Geschirrhandtücher (wer bügelt denn so etwas?!) und Tischdecken gebügelt.
  • Ein blöder Job war, als ich Werbemagneten austragen sollte. Es waren ein paar Hundert und ich kannte die Gegend gar nicht. Den Job hätte ich nicht annehmen sollen, denn ich musste erst mal ne knappe Stunde mit dem Zug mitten in die Pampa fahren und dann waren das immer einzelne Häuser, es ging Berge rauf und runter. Innerhalb von zwei Stunden hatte ich nur etwa 50 Magneten ausgetragen. Nach ein paar Stunden fuhr ich wieder zurück, das hatte ohne Auto echt keinen Sinn.
  • Als das neue iPhone 6 rauskam, wurde auch in Australien ein riesiger Hype draus gemacht und vor den Geschäften bildeten sich schon Tage davor lange Schlangen. Über diese Webseite suchten einige Leute, die sich für sie die Nacht über anstellten und dann kurz vor Ladenöffnung mit ihnen wieder tauschten. Dafür zahlten viele um die 100 Dollar! Ich fand die Idee, mir mit so vielen IT-Verrückten die Nacht um die Ohren zu schlagen, lustig und dachte, so etwas mache ich wenn nur hier. 😉 Ich hatte mit einem Asiaten Kontakt, für den ich mich eigentlich anstellen sollte, der hatte mehrere Leute beauftragt, wollte für Spiele, Snacks und Getränke sorgen. Wäre sicher eine interessante Nacht geworden! Da ich sowieso ein Nachtmensch bin, hätte ich mir die Nacht schon mit Leute beobachten, lesen und schreiben um die Ohren geschlagen. Allerdings hat er mich einen Tag davor mittags angerufen und gesagt, dass es keinen Sinn hat, weil zu dem Zeitpunkt schon 100 Menschen vor dem Apple-Store anstanden (am nächsten Tag um 8 Uhr oder so machte der erst auf!!!) und sich seiner Ansicht nach zu viele „professionelle Schwarzmarkthändler“ dort aufhielten, die sehr gut organisiert waren. So stellte er sich alleine an – ob er eines der ersten iPhones bekommen hat, weiß ich nicht. Im Fernsehen hab ich dann gesehen, dass derjenige, der in Sydney das erste iPhone im Laden erworben hatte, so aufgeregt war, dass es ihm runterfiel…

Staubwischen, Saugen, Wischen, Badputzen

Die meisten Jobs auf der Webseite waren Putzstellen und dabei verdiente man auch am besten. Also nahm ich auch einige Putzjobs an, wobei manche nur einmalig (Grundreinigung, Frühjahrsputz, etc.) waren und sich aus anderen wöchentliche Aufträge ergaben. Fast alle Familien waren sehr nett; interessierten sich für Deutschland, meine Reisepläne und behandelten mich eher wie einen Gast als wie eine Putzhilfe:

  • Regelmäßig ging ich zum Beispiel zu einer älteren Dame, IMG_0391der eine Wohnung im Eureka-Tower (dem höchsten Gebäude in Melbourne) gehörte. Von ihrer Wohnung hatte man einen super Ausblick über die Stadt! Wenn ich dort leben würde, würde ich den ganzen Tag nur aus dem Fenster schauen. 😉 Die Zimmer waren picobello und ich wusste gar nicht, was ich eigentlich noch putzen sollte. Interessant waren die Gespräche mit ihr, denn sie war die Ex-Frau vom früheren deutschen Konsul in Darwin! Eine Weile hatte sie in Stuttgart gelebt und so sprachen wir viel über Deutschland, Australien und die Unterschiede zwischen beiden Ländern.
  • Sehr nett war es auch immer bei Mike, der Anfang 40 war und mit drei anderen Männern in einer WG lebte. Das erste Mal kam ich zu ihnen, als ihr Vermieter sich kurzfristig für den nächsten Tag ankündigte und sie „den Eindruck erwecken wollten, als seien sie reinlich“. 😉 Die Männer waren immer sehr lustig!
  • Bei einer Innenarchitektin, die eine kleine Tochter hatte und erst kürzlich – nach jahrelangem Aufenthalt in London – zusammen mit ihrem Mann wieder nach Melbourne kam, putzte ich auch regelmäßig. Sie wohnten übergangsweise in einer komplett renovierten Wohnung bis sie ein Haus gefunden hatten. Die Wohnung war in einem coolen Haus, in dem man mit dem Aufzug in die Apartments fuhr und in dem anscheinend auch eine bekannte australische Serie gedreht wurde („The Block“ oder so). Wie es in den meisten Wohnungen oder Häusern in Australien üblich ist, hatten sie mehrere Bäder – im Schlafzimmer hatten sie zwei (für jeden eines!),  das einjährige Mädchen hatte ein eigenes Bad, das Gästezimmer auch und dann gab es noch eine Gästetoilette!
  • Einmal die Woche machte ich auch bei einem Anfang Dreißigjährigen Ordnung, der griechische Wurzeln hatte und mit Italienern in einer WG wohnte. Er war Anwalt, aber nicht grad der ordentlichste und trocknete doch tatsächlich seine Hemden im Schrank! 😉
  • Sehr nett war auch eine Familie mit drei kleinen süßen Mädchen, die auch ein paar Jahre in London gelebt hatte. Von Yuen, der Mutter, bekam ich sogar ein Weihnachtsgeschenk.
  • Einmal putzte ich bei einer Russin, die in einem Außenbezirk von Melbourne wohnte und ein ziemlich großes Haus hatte.
  • Als ich einer Frau half, das leerstehende Haus ihrer Eltern etwas in Ordnung zu bringen, bevor sie es verkaufte, lernte ich auch ihre 89-jährige Mutter kennen. Die Frau war ursprünglich aus Polen und freute sich so, dass sie mit mir etwas Deutsch sprechen konnte, so dass sie mir heimlich 5 Dollar zusteckte.
  • Sehr nett war auch ein junges Paar, das kurz zuvor Eltern geworden ist. IMG_2628Der Mann hatte früher bei Coca-Cola im Marketing gearbeitet und vertrieb jetzt mit Freunden eine mexikanische Limonade, die sie nach Australien exportierten.
  • Als seine Familie in Urlaub war, mistete ich zusammen mit einem italienischen Vater die Kinderzimmer, etc. aus und half ihm, Ordnung ins Haus zu bringen.
  • Für einen Job stand ich mal um 4 Uhr früh auf, weil ein Kerl Anfang 30 um 6 Uhr früh jemanden brauchte, der die Wohnung putzte, bevor die Freundin wieder aus dem Urlaub kam. Die Zimmer waren nicht wirklich dreckig und für diese zwei Stunden wurde ich fürstlich entlohnt! 😉
  • Einmal engagierte mich auch eine Jungs-WG, um nach ihrer „Oktoberfest-Party“ (keiner der Jungs war übrigens Deutscher) Ordnung in das Chaos zu bringen, die Bier-Flaschen einzusammeln und den total verklebten Boden wieder halbwegs sauber zu machen.
  • Was für mich immer sehr unangenehm war, waren Haushalte mit Katzen. Ich bin ja kein großer Katzenliebhaber und diese Katzenhaare waren dann immer überall. Bei einem sehr netten Ehepaar, die viel in der Welt umher reisen und zwei Katzen hatten, putzte ich alle zwei Wochen. Sie war Lehrerin und er im IT-Bereich tätig, beide waren aber keine großen Ordnungsfanatiker. Er hatte lange graue Haare zu einem Zopf gebunden, trug oft Leggins und manchmal Ballerinas. Beide waren in ihrer Kirchengemeinde sehr engagiert und luden mich auch zu ihrem Weihnachtsmusical ein. Schrecklich waren die Katzen einer Familie, die mich regelrecht verfolgten. In jedem Zimmer saß eine auf dem Bett und als ich sie endlich alle durch die Tür in den Garten befördert hatte, kamen sie von der anderen Seite wieder rein – durchs Fenster! 😉
  • Bei einer indischen Familie, die in einer sehr kleinen unordentlichen Wohnung hauste, ordnete ich die gesamten Küchenschränke neu.
  • Eine Frau engagierte mich mal nur dafür, ihre Wäsche zusammen zu legen.

Bei all den Jobs bekam ich immer super Bewertungen, es entstanden oft längerfristige Aufträge und ich wurde auch an Freunde weiterempfohlen (so war die Frau, die in das „The Blocks“-Haus zog, die Patin der Kinder des Schweden). Viele Grundreinigungen oder Frühjahrsputzjobs dauerten um die 5 Stunden und waren echt anstrengend. Oftmals hatte ich 2-3 Putzjobs an einem Tag (oft auch an den Wochenenden, an denen ich dann abends noch weggegangen bin ;-)) und danach weiß man, was man geschafft hat. Nur einmal bewertete mich eine Neuseeländerin schlecht, deren Haus ich 7 Stunden lang putzte. Ich erledigte alles von ihrer Liste, machte Zimmer für Zimmer durch, bekam aber ihren Ofen nicht richtig sauber. Sie sagte damals, dass das schon passt und ihr Mann schickte mich nach sieben Stunden heim. Als sie mich dann schlecht bewertete, war ich richtig sauer, weil sie Sachen bemängelte, die ich gemacht hatte. Wenn das einmal in dem Portal steht, dann kann man nichts richtigstellen, auch wenn es nicht wahr ist. Gott sei Dank ging das durch die vielen guten Bewertungen unter, trotzdem regte mich das auf! 😉

Interessante Einblicke

Durch diese verschiedenen Jobs in den unterschiedlichsten Stadtteilen von Melbourne kam ich mit Menschen unterschiedlicher Herkunft aus allen sozialen Schichten, Berufen und verschiedenen Alters in Kontakt, sah wie sie wohnten und lernte durch Gespräche mit ihnen viel über ihr Leben. Das ermöglichte mir Einblickte, die man durch eine Tätigkeit in einem Büro, einem Café oder Laden nicht erhält. Obwohl die Arbeit anstrengend, teilweise unangenehm und manchmal eklig war, bin ich froh, dass ich diese Erfahrung gemacht und dadurch so viele unterschiedliche und nette Leute kennen gelernt habe. So etwas macht man auch nur einmal im Leben. Interessant war, dass diejenigen mit der unordentlichsten und dreckigsten Wohnung immer angeblich eine Stauballergie hatten. Deswegen konnten sie selbst nicht putzen – natürlich! 😉 Was mich auch erstaunte war, wie schnell die Menschen in Australien Fremden vertrauen. Obwohl sie nur meinen Vornamen kannten, ließen sie mich sofort mit ihren Kinder und in ihren Wohnungen allein, gingen in der Zeit einkaufen oder machten Erledigungen. Nur einmal wollte eine Familie meinen Ausweis sehen. Es ist schön, dass dieses Grundvertrauen der Australier scheinbar noch vorhanden ist – ich wäre wahrscheinlich vorsichtiger und misstrauischer gewesen. 🙂

Mangos, Sushi und Donuts

20. Mai 2015 at 19:07

Posted from Melbourne, Victoria, Australia.

IMG_2039Ein paar Worte wollte ich auch noch zum Einkaufen und EssenIMG_2756 in Australien sagen. Wie ich Euch schon erzählt habe, probierte ich während meiner Zeit Down Under einige lokale Speisen (Krokodil, Emu, Känguru, Kamel, Vegemite, etc.) und bin nach manchen richtig süchtig geworden (TimTams :-)), aber mit der Zeit habe ich auch an Dingen gefallen gefunden, die ich vorher nicht so gerne oder nicht regelmäßig gegessen habe. Zum Beispiel aß ich plötzlich so gern Sushirollen (am liebsten mit Lachs und Avocado), Müsliriegel, Tic Tacs und Babybel. 😉 Super lecker waren auch die Donuts der Kette „Crispy Cream Donuts“ – da lief ich (leider) jeden Tag dran vorbei und musste mich oft zurückhalten, um mir nicht den ein oder anderen zu kaufen. 🙂

IMG_2767     IMG_2768

Frische Früchte

IMG_2950Im Supermarkt verbrachte ich immer viel IMG_2754Zeit beim Obst und Gemüse. Es ist schon klasse, wenn alles aus dem Land kommt, in dem man gerade ist und nicht noch unreif erst mal rund um die Welt geflogen wurde. Die Früchte aus dem tropischen Queensland schmeckten so frisch und einige ganz anders als bei uns. Besonders aufgefallen ist es mir bei den Mangos, deren Geschmack so intensiv und lecker war – mit unseren gar nicht zu vergleichen. Also habe ich viel Obst (Kiwis, IMG_2314Erdbeeren, Nektarinen, Melonen, Mandarinen, IMG_2753Mangos, Heidelbeeren, Trauben,…) und Gemüse – vor allem Salat – gegessen. Besonders beliebt bei Backpackern und Studenten waren auch die Ecken, in denen reduzierte Sachen angeboten wurden. Lebensmittel, deren Ablaufdatum kurz bevorstand, kosteten so teilweise nur 80 Cent, manchmal sogar nur 5 oder 10 Cent. Wenn man den richtigen Zeitpunkt erwischte, konnte man wirklich Schnäppchen machen. Die Australier essen genau wie die Amis viel Weißbrot und zu Mittag gern (ungetoastete) Sandwiches. Körnerbrot und dunkles Brot gab es, es war aber ziemlich teuer – so kostete das Brot nicht seltenIMG_1759 8 Dollar. Was man auch an jeder Ecke – ob im Supermarkt oder Restaurant – bekommt, sind glutenfreie Lebensmittel. Bioprodukte, vegatrisch und vegan ist ja eh Standard. Deutsche Produkte wie Schokolade, Bier und Wurstwaren (Leberwurst, Bratwurst, etc.) fand man teilweise in den australischen Supermärkten, in Spezialläden oder bei Aldi – natürlich kostete es um einiges mehr als bei uns und oftmals war die Qualität (der Wurst zum Beispiel) nicht vergleichbar. Trotzdem freute ich mich ab und an über Leberwurst, Knoppers oder einen Kinderriegel. 😉

Auf- oder Abrunden?

IMG_1603Einkaufen war für mich immer ein Erlebnis! Erstaunlicherweise IMG_1726habe ich eigentlich immer für mindestens 30 Dollar eingekauft – egal wie wenig auf dem Band lag. 😉 Mit der Zeit gewöhnte ich mich auch an die Selbstcannerkassen. Was ich allerdings bis zum Ende meines Aufenthalts komisch fand, war die Sache mit dem Münzen. In Australien gibt es Münzen zu 5, 10, 20 und 50 Cent sowie 1 und 2 Dollar. Die Waren sind aber mit ungeraden Preisen wie 51 Cent, 2,48 Dollar oder 2,39 Dollar ausgezeichnet – die man mit den Münzen also gar nicht bezahlen könnten. Bei Barzahlung wird dann an der Kasse entweder auf- oder abgerundet. Zahlt man dagegen mit Bank- oder Kreditkarte, dann wird natürlich der ungerade Betrag abgebucht. Komisches System. Wahrscheinlich zahlt die Mehrheit der Kunden mit Karten und nicht mehr bar.

Apropos, könnte mir bitte jemand eine frische australische Mango schicken? 🙂

Auf der Suche nach einer Tür und einem Fenster

20. Mai 2015 at 17:23

Posted from Melbourne, Victoria, Australia.

Nach einem halben Jahr endete meine Zeit als Au Pair bei Rachel und Tristan und für mich begann ein neues Kapitel in Melbourne. Weil ich mich in der Stadt am Yarra River so wohl fühlte, beschloss ich auch in den kommenden Monaten dort zu bleiben und von da aus Trips in unterschiedliche Ecken Australiens zu machen anstatt (wie ich zuerst überlegt hatte)  woanders hinzuziehen. Doch wo sollte ich wohnen? Ein paar Wochen vor meinem Outbacktrip begann ich mit der Zimmersuche und stellte fest, dass die Australier auch beim Umziehen sehr spontan agieren. Kaum einer plant Wochen oder gar Monate im Vorraus. Dementsprechend kurzfristig werden Wohnungen und Zimmer vermietet. In den Anzeigen steht dann zum Beispiel drin, dass jemand gesucht wird, der morgen einziehen kann. Obwohl ich mich in den sechs Monaten in Down Under schon an die Lockerheit und das Nicht-so-sehr-Planen gewöhnt hatte, stellte dies meine Nerven doch etwas auf die Probe. Je mehr Tage vergingen, desto nervöser wurde ich. Mittlerweile kannte ich genug Leute in Melbourne, dass ich keine Angst haben musste, von heute auf morgen unter einer Brücke schlafen zu müssen (in der Nähe vom Sea Life unter einer Brücke beim Yarra Fluss schlafen übrigens wirklich einige Obdachlose direkt neben einem Weg, an dem viele Touristen und Einheimische vorbeilaufen). Die liebe Familie des Mädchens, auf das ich einmal die Woche aufpasste, hatte mir sogar angeboten, übergangsweise bei ihnen zu wohnen. Das war sehr nett, aber ich wollte schon gern gleich ein richtiges Zimmer finden.

Zu viert in einem Zimmer?

An Zimmerangeboten mangelt es in Melbourne nicht, allerdings hatte ich durch die zentrale Lage in Southbank und die tolle Ausstattung unseres Wohnkomplexes inzwischen doch gewisse Ansprüche. 😉 Zentral sollte es sein, möglichst mit Fitnessraum/ Pool, halbwegs bezahlbar, möbliert und ein Zimmer für mich allein wollte ich auch haben. Nachdem ich damals in Washington mein Zimmer mit einer Kanadierin geteilt hatte, wollte ich für die nächsten Monate meine Privatsphäre. Weil in Melbourne viele Studenten und Backpacker aus aller Welt eine Unterkunft suchen und die Mieten so hoch sind, werden doch tatsächlich alle möglichen Räume angeboten und möglichst viele Menschen auf engem Raum zusammengequetscht. Wohnzimmer von WGs werden vermietet, mit Raumteilern als „Zimmer“ deklariert und es ist nicht unwahrscheinlich, dass acht Leute in einer Drei-Zimmer-Wohnung leben. Die Mieten sind dann nicht – wie zu erwarten wäre – niedrig, sondern gerade mal normal. Mir wurde zum Beispiel ein Platz in einer Drei-Zimmer-Wohnung in St. Kilda (Strandnähe, sehr cool) angeboten, allerdings als vierte Person in einem Zimmer, in der schon zwei Kerls und ein Mädel gelebt haben. So verzweifelt war ich dann doch noch nicht. Ich schrieb auf viele Anzeigen und schaute mir drei Zimmer an. Das erste lag zentral bei der Southern Cross Station (Bahnhof in den Docklands, zentral in der Innenstadt). Das Zimmer hatte nur eine Schiebetür, kein Fenster und keinen Schrank (nur eine Stange für die Klamotten). Dort hätte ich mit einer Asiatin und ihrer Schwester (die sich ein Zimmer teilten) zusammengewohnt. Alfie (als ich mit ihr per E-Mail Kontakt hatte, dachte ich aufgrund des Namens, sie wäre ein Kerl ;-)) war Studentin, zwar ganz nett und wollte keine Kaution, dafür war die Miete (normal) teuer. Aber ein Zimmer ohne richtige Tür wollte ich dann doch nicht, da musste es doch etwas Besseres geben. Die zweite Wohnungsbesichtigung war nur ein paar Meter weiter in einem Hochhaus, das erst renoviert worden ist. Jay war auch Asiate, hatte die Wohnung gekauft und alles sah sehr steril aus. Das Zimmer, das er vermieten wollte, ging vom Wohnzimmer ab, hatte auch nur eine Schiebetür (was war das nur mit all den Schiebetüren?!), kein Fenster und das Tollste war, dass man durch die Schiebetür durchschauen konnte. Hätte Jay also im Wohnzimmer Besuch gehabt, hätte ich mich nicht mal umziehen können, ohne beobachtet zu werden. Wunderbar und das für 250 Dollar die Woche! 🙂

Zwei Häuser weiter

Die dritte Wohnungsbesichtigung war ein totaler Glücksgriff. Unser Wohnkomplex IMG_7963hat eine Facebookseite und dort hatte ich gepostet, ob jemand zufällig in nächster Zeit aus seinem Zimmer auszieht. Kurze Zeit später bekam ich schon eine Nachricht von einem Kerl, dass er bald wegzieht und ich mich mit seiner Mitbewohnerin Sarah in Verbindung setzen kann. Eine Woche vor unserem Outbacktrip traf ich mich mit ihr. Die Wohnung war von der Aufteilung fast so wie Rachels, hatte nur ein Zimmer weniger und Sarah und ich verstanden uns sofort gut. Sarah ist Australierin, Mitte 30, hatte im Kommunikationsbereich bei der Regierung gearbeitet, gekündigt und verdient ihren Lebensunterhalt jetzt als Fitnesstrainerin. Das Zimmer hatte eine richtige Tür (Juhu! Unglaublich, dass man das erwähnen muss ;-)), ein Fenster (natürlich wie überall nicht gut isoliert), ein Bett und einen eingebauten Kleiderschrank. Perfekt! Die Miete und Kaution waren für die Lage und den Wohnkomplex auch ok, ich konnte zum gewünschten Zeitpunkt einziehen und auch alle Möbel, die Waschmaschine, Bügeleisen, Küchenutensilien, etc. von Sarah mitbenutzen. Sie hatte auch mal ein Jahr in Europa gelebt, so dass sie sich gut in meine Lage hineinversetzen konnte. Ich freute mich, dass ich im selben Appartmentkomplex bleiben konnte, weil ich gerne weiter so zentral wohnen, den Pool und den Fitnessraum nicht mehr missen wollte und ich so auch alles per Fuß umziehen konnte.

Sarah, der Bachelor und ich

Eine Woche nach meiner Outbacktour zog ich um. Man glaubt es nicht, wieviel Zeug man in einem halben Jahr ansammelt. IMG_2357Einen Schreibtisch und einen Stuhl kaufte ich mir gebraucht übers Internet, von Rachels Freundin Barabara bekam ich zwei kleine Regale, die sie nicht mehr brauchte, Sarah hatte auch noch ein Regal für mich und Julie (der Mutter des Mädchens, auf das ich einmal die Woche aufpasste) lieh mir Bettwäsche und ein Kissen. Es war zwar alles etwas improvisiert, aber für die paar Monate völlig in Ordnung. Ich fühlte mich sofort wohl bei Sarah, wir schauten jeden Mittwoch zusammen den „Bachelor“ und regten uns über die Kandidatinnen auf (von einer, die dann keine Rose mehr bekam, wurde ich später mal in einer Drogerie in der Melbourner Innenstadt bedient ;-)) und gingen auch mal zusammen aus. Es war super, dass ich mit einer IMG_9714Australierin zusammenwohnte, denn wir unterhielten uns oft über das Land, die Politik, das Reisen, die Sprache und ich erzählte ihr von Deutschland. Die sprachlichen Feinheiten beschäftigten uns auch ab und an, so zum Beispiel der Unterschied zwischen der Verwendung von „cup“ und „mug“. 😉 Lustigerweise lernte sie zu der Zeit, als ich bei ihr wohnte, einen Deutschen kennen, mit dem sie dann zusammen gekommen ist. Blöd war nur, dass wir erst nach vier IMG_9713Wochen Internet hatten, weil der Vormieter irgendwie seinen Vertrag mitgenommen hatte und immer irgendetwas mit dem Anschluss nicht klappte. Also hielt ich mich in der Zeit oft in der State Library auf und nutzte dort das kostenlose W-Lan, um E-Mails zu schreiben, Jobs zu suchen, meinen Blog upzudaten, etc. Ich mochte die Atmosphäre dort – umgeben von fleißigen Studenten und Büchern! 🙂 Leider wurde es im australischen Winter in meinem Zimmer auch richtig kalt. Die Zimmer sind ja wirklich schlecht isoliert, wir hatten nur eine Kombination aus Klimaanlage und Heizung in der Decke im Wohnzimmer (das reichte nicht bis in unsere Zimmer) und die elektrische Standheizung zog unheimlich viel Strom, so dass wir sie nicht anschalteten. Deshalb ging ich eine zeitlang mit Wärmflasche ins Bett und war dreimal ziemlich stark erkältet. Drei Monate wohnte ich bei Sarah – bis zu unserer Ostküstentour.

Outbacktour Tag 4 und 5: Im Garten Eden und Als die Brasilianer nicht mehr hinschauen konnten

18. Mai 2015 at 12:20

Posted from Petermann, Northern Territory, Australia.

Unser nächster Tag im Outback begann um 6 Uhr morgens. Wir frühstückten, machten uns fertig, packten alles zusammen IMG_7637und fuhren zum Kings Canyon. Er befindet sich rund 245km Luftlinie südwestlich von Alice Springs. Wir waren gespannt auf die weit über 200m tiefe Sandsteinschlucht mit teilweise senkrecht abstürzenden Felswänden, die rot, gelb und weiß sind. IMG_7638Die Wanderung gestern war nur ein Vorgeschmack auf dieses Programm, denn heute liefen wir in vier Stunden den „Kings Canyon Rim Walk“ – ein 6km langer Rundweg, der um den Canyon herumführt. Der Weg beginnt mit einem ziemlich steilen Aufstieg und führt dann recht eben weiter. Tommi und David fragten uns, ob sie ihre Wasserflaschen in unsere Rucksäcke tun dürfen und trugen sie dafür auch. Ein fairer Deal – manchmal hat es auch Vorteile, Männer mit dabei zu haben. 😉 Es war gut, dass wir schon um 7 Uhr loszogen, denn binnen kurzer Zeit brannte die Sonne herunter und ich konnte mir nicht vorstellen, die 4 Stunden im Hochsommer bei der IMG_7642doppelten Temperatur zu laufen. James erklärte uns einiges über den Canyon – zum Beispiel, dass der Sandstein ursprünglich Sanddünen waren – und IMG_7650wies uns auch auf Besonderheiten wie Fossilien hin. Großen Wert legte er bei der Tour darauf, dass wir mindestens drei Meter Abstand zum Felsrand haben sollten. Die Felsen waren auch gar nicht abgesichert, kein Zaun oder Gitter, alles war sehr natürlich und sehr gefährlich. Man musste schon echt gut aufpassen, ein falscher Schritt beim Fotografieren und es ging hundert Meter tief nach unten. Der Grund, warum James so penetrant auf die 3-Meter-Regel hinwies, war, dass drei Wochen vor unserem Trip bei solch einem Ausflug eine 23-jährige Britin 50 Meter in die Tiefe stürzte und starb. Schrecklich! Von den Aussichtspunkten hatte man einen super IMG_7639Blick und wir konnten uns gar nicht an den Steinformationen, der Schlucht und der Umgebung sattsehen. Besonders toll sah es aus, als sich die Sonne immer weiter auf den Steinen vortastete. Auf halber Strecke führen Holztreppen den Canyon hinab zu einer Brücke, die die Schlucht überspannt. Darunter zieht sich der teilweise wasserführende Kings Creek, an dessen Ende sich ein Wasserloch befindet. Die hohen Felswende spenden Schatten, so dass dort viele Pflanzen wachsen und es wirkt wie ein verstecktes Paradies – passend dazu der Name: Garten Eden! Die vier Stunden gingen schnell rum, denn ein Ausblick war beeindruckender als der andere. Mir persönlich hat der Kings Canyon noch viel besser als das Kata Tjuta-Gebirge gefallen und ich bin froh, dass wir den Abstecher auch gemacht haben.

IMG_7654

10534687_10152121453673414_975391414087676426_n

IMG_7656

IMG_7658

IMG_7664

10534553_10152130342203414_6968376538870422371_n

IMG_7677

Video: https://www.youtube.com/watch?v=hEIOb26ejbM&feature=youtu.be

IMG_7681     IMG_7693

Garten Eden

Garten Eden

Foto 3-6

IMG_7695

IMG_7705

Video: https://www.youtube.com/watch?v=bC0B0fgEPds&feature=youtu.be

IMG_7703

IMG_7722

Das Brasilienspiel

Foto 3-7Nach dem Mittagessen – es gab Burritos – fuhren wir vier 10500310_10152130344878414_6931589247042696810_nStunden lang durchs Outback zurück nach Alice Springs. Wir hatten wirklich Glück mit unserem Guide James, der uns bis zum Schluss viel über das Leben der Aborigines, das Outback und Alice Springs beibrachte. Unsere Gruppe hatte er auch ins Herz geschlossen, so machten wir mit ihm zum Abschluss noch ein paar Gruppenfotos. Zusammen mit den anderen, die auch in unserem Hostel übernachteten, Foto 2-6bestellten wir uns abends Pizza und saßen noch eine Weile zusammen bis wir müde von den vielen Eindrücken der letzten Tage ins Bett fielen. Die Nacht war wieder sehr kurz für uns, denn IMG_1576um 6 Uhr morgens wollten wir uns unbedingt das WM-Halbfinalspiel Deutschland gegen Brasilien anschauen. Gut, dass wir uns aus dem Bett gequält hatten, denn dieses Spiel wird uns allen sicher lange in Erinnerung bleiben. Im Fernsehzimmer im Hostel saßen schon einige Jungs – Tommi, vier Brasilianer und ein Asiate. Später gesellten sich zu uns auch noch ein paar andere deutsche Mädels. Am Anfang waren die Brasilianer noch etwas vorlaut, aber von Tor zu Tor wurden sie immer ruhiger und rutschten immer tiefer in die Sofas. 😉 So schnell wie die Tore fielen, konnten wir gar nicht jubeln und per Whatsapp mit Freunden und Familie zu Hause schreiben. Nach dem 5. Tor taten uns die Jungs dann doch etwas leid, aber wir freuten uns schon sehr über das Endergebnis 7:1! 🙂

Abschied von Sophie

Mit einem Shuttlebus wurden wir und einige unserer Mitreisenden (die Kanadierin, die Südkoreanerin, etc.) um 10 Uhr zum Foto 4-3Flughafen gefahren. Unser Flugzeug hob um 11.45 Uhr ab und um 14.30 Uhr waren wir wieder in Melbourne. Wir verbrachten noch ein bisschen Zeit am Flughafen, aßen etwas und verabschiedeten uns dann von der Sophie, die noch am gleichen Tag mit ihrer Ostküstentour beginnen sollte und danach zurück nach Deutschland. Da war ich schon sehr traurig, denn mit der Sophie hatte ich im ersten halben Jahr in Melbourne so viel unternommen, wir waren total auf einer Wellenlänge und sie ist zu einer guten Freundin geworden. Schön ist, dass der Kontakt bis heute gehalten hat und wir uns immer noch so gut verstehen. Während die Sophie auf ihren Weiterflug wartete, fuhren Tommi, David und ich mit dem Shuttlebus zurück in die Stadt. Für mich ging es wieder zurück nach Southbank – denn meine letzte Woche als Au Pair brach dann an.

Outbacktour Tag 3: Kata Tjuta – Wie eine Oase in der Wüste

17. Mai 2015 at 0:04

Posted from Petermann, Northern Territory, Australia.

IMG_7509„Waki, waki“! Man fühlt sich wie neugeboren, wenn man so gut wie gar nicht geschlafen hat, wenn man wie ein Kalifornier in der Antarktis friert und es so kalt ist, dass man sich gar nicht umziehen möchte. Juhu, ein neuer Tag als Abenteurer und Entdecker! 😉 Nachdem wir unsere Swags und Schlafsäcke verstaut und gefrühstückt hatten, fuhren wir zu einem anderen Aussichtspunkt, um den Sonnenaufgang hinter dem Uluru zu sehen. Es war immer noch so eisig und ich hatte dummerweise keine Handschuhe dabei. Man glaubt es nicht, aber IMG_7512es gibt noch mehr Verrückte, die mitten in der Nacht aufstehen, um sich in dieser Kälte das Spektakel anzuschauen. Viele Profis hatten ihre Kameras mit Stativ aufgebaut und warteten gespannt, bis die ersten Sonnenstrahlen zu sehen waren. Sophie und ich froren immer noch so arg, dass uns selbst Tommis Witze nicht aufheitern konnten. Beim Fotografieren zitterten wir richtig und die Kapuze setzten wir nur fürs Bild ab (Sophie ließ auch beim Foto die Kapuze auf, um nicht zu erfrieren). Aber ich muss zugeben, es hat sich wirklich gelohnt! Was für ein Anblick! Wunderschön, wie die Sonne hinter dem Uluru aufging und sich die Sonnenstrahlen nach und nach über das weite Land vortasteten. Die Farbe des Himmels war gigantisch. Diese Weite ohne Menschen (mal abgesehen von denen, die um uns herum standen), Autos und Häuser – nur der Uluru erhob sich über der Ebene. Aus der Ferne sah es aus, als hätte jemand einen Stolperstein in den Weg gelegt. Dieses Bild war schon spektakulär und sehr beeindruckend. Mal fühlte sich wie in eine andere Zeit versetzt. Der Großstadtlärm und die Hektik waren ganz weit weg. Die Ruhe wurde nur durchbrochen, als Tommi plötzlich ein Lied von „König der Löwen“ auf seinem Handy abgespielt hat, das aber wirklich gut zum Sonnenaufgang gepasst hat (siehe Video: https://www.youtube.com/watch?v=AI_t8FL0okw&feature=em-upload_owner). 😉

IMG_7496

IMG_7502

IMG_7531

IMG_7532

Kata Tjuta

Wer von Euch denkt, wir hätten uns jetzt wieder schön hingelegt und weitergeschlafen, IMG_7538der irrt natürlich gewaltig. Jetzt ging unser Programm erst richtig los! Wir machten uns auf den Weg zum rund 50km entfernten Kata Tjuta (The Olgas)-Gebirge. „Kata Tjuta“ heißt in der Sprache der Aborigines „Viele Köpfe“, denn das Massiv besteht aus 36 Felskuppeln – quasi den „Köpfen“. Durch Wind, Wasser, Hitze und Kälte wurde der einst zusammenhängende Sandsteinblock zerteilt, die IMG_7552Ecken abgerundet und so die Kuppeln erschaffen. Den Namen „Die Olgas“ gab ihnen der „Entdecker“ Ernest Giles im Jahre 1873 in Erinnerung an eine württembergische Königin. In den tiefen Schluchten sammelte sich Feuchtigkeit an, so dass es dort aussieht wie in einer Oase. Diese üppige Vegetation stammt aus einer Zeit, als das Zentrum von Australien noch nicht ausgetrocknet war. Mitten zwischen den Felsen wachsen viele Bäume und Pflanzen und es leben dort scheinbar auch viele Tiere. Das erwartet man in dieser Gegend wirklich nicht – so viel Grün! Es sah echt aus wie bei einer Oase in der Wüste. Die Kata Tjutas sind für die Aborigines genau wie der Uluru heiliges Land. Zusammen mit James erkundeten wir einen Teil des Gebirges, wobei es oft ganz schön steil hoch und runter ging. Er machte uns aber folgendes klar: „Take nothing but pictures, leave nothing behind but footprints“ („Nehmt nichts mit außer Fotos und hinterlasst nichts außer Fußabdrücke“).  Besonders bei einem „Weg“ musste IMG_7542man höllisch aufpassen, dass man nicht hinfällt, weil wir über tausende verschieden großer Steine liefen. James legte Wert darauf, dass wir mindestens zwei Liter Wasser dabei hatten, weil man im Outback schnell dehydriert und viel Flüssigkeit zu sich nehmen muss. Den zweiten Teil der Strecke IMG_7543sollten wir dann alleine weitergehen, aber mindestens zu zweit (falls etwas passiert, kann der andere Hilfe holen). Irgendwie landeten Sophie und ich dann weit hinten und hatten den Eindruck, alle andere wären schon längst beim Bus. Schade war nur, dass wir uns nicht Zeit lassen und in unserem eigenen Tempo laufen konnten, denn wir sollten in einer IMG_7590vorgegebenen Zeit wieder alle versammelt sein. Da wir aber die Entfernung natürlich nicht einschätzen konnten, mussten wir uns etwas beeilen. Anschließend aßen wir Kamelburger, die gut schmeckten – ehrlich gesagt merkte man beim Essen des Burgers aber gar nicht, ob es Rind- oder Kamelfleisch war. 😉 Was ich Euch noch gar nicht erzählt habe: In unserer Gruppe waren fast nur Studenten oder Leute im Alter zwischen 20 und 35 Jahren – außer eine Rentnerin aus Neuseeland. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher wie sie hieß, aber ich glaube ihr Name war Jane. Auf jeden Fall integrierte sie sich sehr gut in unsere Gruppe und war richtig fit. Sie hatte trainiertere Beine als wir und macht einscheinend öfter solche Touren.

IMG_7548

Video von unserer Wanderung im Kata Tjuta-Gebirge: https://www.youtube.com/watch?v=Rh3rLXIEoNk&feature=em-upload_owner

IMG_7561

IMG_7569

IMG_7561

IMG_7572

IMG_7578

IMG_7576

IMG_7586

Hoch leben die Zelte!

Je später der Tag, desto mehr dachten Sophie und ich an die nächste Horror-Nacht im Swag. Als wir an der „Kings Creek Station“, einer Rinder- und Kamelfarm – die sich 36km vom Kings Canyon entfernt befindet, 1981 gegründet wurde, der IMG_7603größte Exportteur wilder Kamele in Australien ist und über die schon zig Dokumentationen gedreht worden sind – ankamen, erlebten wir unser blaues Wunder: Dort standen Zelte! Zelte! Ungläubig fragten wir James, ob wir dort übernachten würden. IMG_7604Wir trauten unseren Ohren kaum: Wir durften doch wirklich in den Zelten schlafen! Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mal so über Zelte freuen würde! Sie kamen uns vor wie eine Suite im 5-Sterne-Hotel. Man hätte uns keine größere Freude machen können. Übermütig richteten wir uns in unserem Zelt „häuslich“ ein. Uns war egal, dass die zwei Matratzen, die auf den Bettgestellen lagen, sicher schon 30 Jahre alt und abgewetzt waren. Wir übersahen das IMG_7606benutzte Taschentuch, das auf dem kleinen Beistelltisch lag. Wir störten uns nicht an der Tatsache, dass man unser Zelt vorne nicht ganz schließen konnte. Das einzig Wichtige war, wir mussten nicht mehr auf dem Boden in der Kälte schlafen. Foto 1-1Wir hatten wieder ein „Dach“ über dem Kopf. Herrlich. Im Outback lernt man, sich wieder über die kleinen Dinge zu freuen. Ein Zelt – Juhu! Nach der -3-Grad Horrornacht kann ich nun überall schlafen. Die beiden Jungs hatten sich übrigens das Zelt neben uns gesichert. Erst beschwerten wir uns zwar, weil man deren Zelt vorne schließen konnte. David brachte uns aber dann dazu, bei unserem Domizil zu bleiben: Denn in ihrem Zelt war hinten ein großes Loch. 😉 Sophie und ich richteten uns also gemütlich ein. Legten unsere Swags auf die Matratzen, dann die Schlafsäcke und dachten nicht daran, wie viele Leute schon darin gelegen hatten. Unsere Freude konnte heute eh nichts mehr trüben.

Dingogeheul und Sternschnuppen

Fröhlich duschten wir, aßen das von James gekochte Essen und setzten uns mit denIMG_7636 anderen ums Lagerfeuer. Unsere Gruppe IMG_7633war sehr nett und wir verstanden uns alle ganz gut – nur eine Amerikanerin war etwas nervig. Einige waren auch Deutsche, da aber jeder miteinander Englisch sprach, fanden wir das manchmal erst nach einer Weile heraus. Schon komisch, wenn zwei Deutsche sich erst lange auf Englisch unterhalten bis beide merken, dass sie eigentlich eine gemeinsame Muttersprache haben. 😉 An diesem Abend konnte ich auch das erste Mal den Sternenhimmel in Ruhe bewundern. So weit draußen – ohne die Lichter einer Stadt – sieht man so viele Sterne, wirklich atemberaubend! Tatsächlich haben wir auch Sternschnuppen gesehen und ich habe mir fest etwas gewünscht. Aus dem Dunkeln heulten Dingos, während wir in die Sterne blickten. Erschöpft von so vielen neuen Eindrücken und warm eingepackt krochen wir dann in unsere Swags. Ich habe mich gefühlt, als ob ich in einem Himmelbett liege und bin sofort eingechlafen. Die Nacht war an sich schon wärmer als die zuvor und in unserem Zelt war die Temperatur auch angenehm – ich hatte schon lange nicht mehr so gut geschlafen. Man schätzt ein „Bett“ erst, wenn man mal bei Eiseskälte draußen auf dem Boden genächtigt hat. Es lebe die Kings Creek Cattle Station!

10527490_10152566661937276_493273631549473134_n    IMG_7628

Die Sternenhimmelblder hat einer der Koreaner gemacht, der eine super Kamera dabei hatte. Solche Bilder habe ich mit meiner leider nicht hinbekommen.

Die Bilder vom Sternenhimmel hat einer der Koreaner gemacht, der eine super Kamera dabei hatte. Solche Bilder habe ich mit meiner leider nicht hinbekommen.

10527448_826859853990952_1864574004432384341_n

Outbacktour Tag 2: Der Uluru oder Wer schläft nicht gern bei -3 Grad draußen?

15. Mai 2015 at 16:22

Posted from Uluṟu, Northern Territory, Australia.

Es war so kalt am Morgen

Es war so kalt am Morgen

Der frühe Emu fängt den Wurm – oder so ähnlich. 😉 Die Nacht IMG_7342im Hostel war kurz. Um 6 Uhr holte unser Tourguide James uns und noch etwa 15 andere Backpacker – die aus verschiedenen Ecken der Welt (USA, Deutschland, Südkorea, Kanada, Neuseeland, etc.) stammten – ab. Es ging 450 km durchs Outback bis zum Uluru! Obwohl wir alle noch müde waren und während der Fahrt ab und an noch ein Nickerchen machten, erzählte uns der gut gelaunte James mit seiner lockeren Art einige Fakten über das Northern Territory, Alice Springs, das Outback und den Uluru. Geweckt wurden wir von ihm immer übers Mikrofon mit einem fröhlichen „Waki Waki!“ (von „Wake up“ – „Aufwachen!“). Er bläute uns gleich zu Anfang ein, dass wir keine „bloody tourists“, sondern „Abenteurer und Entdecker“ seien. Na, das hört sich doch gut an – ganz unser Selbstverständnis. 😉 Stundenlang fährt manIMG_7349 mitten durch teils karges Land und es kommt einem nur ab und an ein anderes Auto entgegen. Die Fahrer grüßen sich dann, so James, weniger aus Höflichkeit, sondern eher um Sicherzustellen, dass der Gegenüber nicht am Steuer eingeschlafen ist. Auf dem Weg von Alice Springs zum Uluru kommt man an acht großen Rinderfarmen vorbei, bei einer hat James mal gearbeitet. Seiner Aussage nach sei die größte Rinderfarm der Welt 8,8 Mio Morgen groß und damit größer als Belgien gewesen. Eigentlich ist James LKW-Fahrer, der für mehrere Monate im Jahr als Tourguide arbeitet. Er war ein cooler Typ, der keinen Wert auf Äußerlichkeiten legte und wie ein Überlebenskünstler wirkte. Würde man ihn auf einer einsamen Insel aussetzen, würde er sich bestimmt von Insekten ernähren, nach Wasser graben und ein Baumhaus bauen. 😉

Kamelritt und Feuerholz

IMG_7380

Video von der Fahrt: https://www.youtube.com/watch?v=PeUK-DOyY80&feature=em-upload_owner

Den ersten Stopp machten wir bei einer Kängurufarm – äh, Kamelfarm meine ich. 🙂 Ein paar von uns machten einen kurzen Ritt auf einem Kamel mit – Sophie und ich waren natürlich dabei! Zwar war die Strecke echt kurz, aber es war schon ziemlich lustig. In Tunesien saß ich ja schon mal auf einem Kamel und habe es sogar mit dem Mund (für ein Foto) gefüttert, aber das Kamel durfte bei meinen tierischen Abenteuern auch in Australien nicht fehlen.

Mount Connor

Mount Connor

IMG_7350Dort erfuhren wir, dass die ersten Kamele 1840 von den Kanarischen Inseln eingeführt wurden und später tausende aus Indien und Pakistan folgten. Als die Autos in den 1920er Jahren auch ins Outback kamen, ließ man die Kamele frei und sie bildeten wilde Herden. Beim Mount Ebenezer Roadhouse hielt unser Trupp als nächstes an, bevor wir am bekannten Mount Connor vorbeifuhren. Das ist ein großer Tafelberg, den man im ersten Moment für den Uluru  hält. Früher durfte man den Berg, der in dem Gebiet einer Rinderfarm liegt, besteigen. Dies ist jedoch verboten, seit sich dort einige Backpacker daneben benommen haben. Die Landschaft, durch die wir fuhren, war teilweise ziemlich karg. Zwischendurch mussten wir auch halten, um Feuerholz zu IMG_7407sammeln. Feuerholz? Ohje, spätestens da wurde Sophie und mir so IMG_7345langsam klar, dass es tatsächlich eine Abenteuertour war. Wenn man Frauen zum Feuerholzsammeln motivieren möchte, sollte man ihnen nicht folgendes sagen: „Passt mit dem Holz auf. Wenn man davon einen Spreisel bekommt, dann entzündet er sich binnen kurzer Zeit und es kann lebensgefährlich werden, wenn man nicht sofort behandelt wird.“ Ok, das war´s dann wohl mit dem Holzsammeln. 😉 Es hat ja eh keinen Sinn, wenn alle da rumlaufen. Ein paar Leute sollten doch auch den Bus bewachen, oder? Es gab Gott sei Dank genug Freiwillige und so blieben wir erst mal auf unseren Sitzen. Ganz davor drücken wollten wir uns aber doch nicht und so sammelten wir am nächsten Tag fleißig mit – natürlich passten wir höllisch auf, dass wir uns keinen Spreisel holen.

10492174_10152491161404854_6783395550495814743_n

IMG_7353

Ihren Wunsch respektieren

Foto-13

Endlich waren wir dann am Uluru angekommen! Ehrlich gesagt war ich von der Form etwas überrascht. Ich dachte, dass die Oberfläche glatt ist und hätte nicht erwartet, dass er so viele Löcher, Höhlen und Spalten hat – von weitem sieht man das gar IMG_7414nicht. Doch zuerst ging es für uns noch ins „Cultural Centre“ und dort wurden wir im „Anangu-Land“  (so heißt der Stamm der Aborigines, der schon seit über 10.000 Jahren in dem Gebiet lebt) willkommen geheißen. Im Jahre 1985 wurde den Aborigines ihr heiliger Berg, der Uluru, wieder zurückgegeben und sie verpachteten den IMG_7416Nationalpark dann für 99 Jahre an die Regierung. Jährlich besuchen über eine halbe Millionen Touristen den Uluru-Kata Tjuta National Park, der aufgrund der Schönheit der Natur und der kulturellen Bedeutung zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Im Besucherzentrum lernten wir viel über die Kultur der Einheimischen und es wurde uns nahe gelegt, den Berg nicht zu besteigen. Darauf hatte uns auch James schon hingewiesen. Schon vor unserer Tour hatte ich mehrfach gelesen, dass die Aborigines darum bitten, den Uluru nicht zu besteigen, weil er für sie heilig (er steht in enger Verbindung mit der Traumzeit) und dies gegen ihre Kultur ist. Außerdem lösen die Besucher Erosionen aus, hinterlassen IMG_7417Dreck und Müll, der durch Regen in die Ritzen und Höhlen gespült wird. Zudem sind bereits 35 Menschen bei der Besteigung gestorben. Wenn IMG_7429jemand auf ihrem Gebiet stirbt, müssen die Aborigines um ihn trauern – so verlangt es ihre Kultur. Ich war schon vor unserer Abreise der Meinung, dass man den Wunsch der Aborigines respektieren sollte. Daran halten sich aber leider immer noch nicht alle Touristen. Auch als wir da waren, sahen wir einige den ziemlichen steilen Weg hochlaufen. James erklärte uns, dass früher 84% der Besucher raufstiegen, heute aber nur noch 22%. Wenn sich der Prozentsatz weiter verringert, könnte die Regierung die Besteigung in ein paar Jahren ganz untersagen. Was in den Menschen vorgeht, die trotz der Bitte der Einheimischen auf den Berg kraxeln? Ich hätte da ein ganz schlechtes Gefühl und könnte den Ausblick dann gar nicht genießen. Ich denke auch, dass der Blick auf den Berg sowieso viel beeindruckender ist als vom Berg runter. Tommi und David wollten eigentlich auch hochklettern, aber durch James´eindringlichen Appell haben sie sich doch dagegen entschieden. Überzeugt waren sie zwar nicht wirklich, aber sie sagten, dass sie sich gegenüber James komisch fühlen würden, wenn sie es doch täten.

Den Bauch am Fels reiben

Kurz noch ein paar Zahlen zum Uluru: Der Berg ist 3 km lang, 2km breit und 348m hoch. Schätzungsweise ist er 550 Mio Jahre alt und wurde aus einer weniger widerstandsfähigen Umgebung herauserodiert. Der Sandsteinblock setzt sich auch noch einige tausend Meter unter der Erde fort. Doch woher hat er seine Farbe? Denn das Gestein ist in unverwittertem Zustand ursprünglich grau. Durch die Verwitterung rosten die Eisenanteile rot bis braun, so dass der Uluṟu seine typische Farbe erhält. Den Namen Ayers Rock bekam der Berg übrigens vom englisch-australischen Forscher William Gosse, der den Fels 1873 entdeckte und ihn nach Henry Ayers, dem damaligen Premierminister Australiens, benannte.

Unser Guide James

Unser Guide James

Zusammen mit James liefen wir ein Stück um den Berg herum und er wies uns auf Höhlen hin, an denen wir sonst vorbeigelaufen wären. In einer Höhle, der „Lehrhöhle“, zeigten Wandmalereien wie die Älteren den Jüngeren beibrachten, wie sie durch das Land reisen, leben und überleben. Es gibt eine Höhle, in der gekocht wurde. Eine Höhle nur für Männer und ein Bereich, der nur für die Frauen reserviert war. Wenn die Frauen dort ihre Bäuche an dem Fels reiben, soll dies fruchtbar machen. Interessant ist, dass man einige Bereiche des Berges gar nicht IMG_7428fotografieren darf. Der Hintergrund dessen ist, dass Männer und Frauen bestimmte Bereiche des Felses, die dem jeweils anderen Geschlecht vorbehalten sind, nicht anschauen dürfen. Würden Touristen und Fotografen diese nun ablichten, könnten Bilder in Reiseführer, Bücher und ins Internet gelangen, so dass die Aborigines diese Bereiche dann doch sehen – was gegen die Regeln ihrer Kultur wäre. Wir haben uns an das Fotografierverbot gehalten. Wenn dies jeder tun würde, dürfte es eigentlich nur Fotos von einem Teil des Berges geben – was ich angesichts der Rücksichtslosigkeit mancher Leute aber bezweifle. Den Uluru zu umrunden, dauerte schon eine Weile und die Sonne brannte ganz schön herunter. Gut, dass wir uns den Winter für unser Abenteuer ausgesucht hatten, denn so waren es nur 20 Grad und nicht wie im Hochsommer über 40. Außerdem plagten uns keine Fliegenschwärme, die zusätzlich zur Hitze sehr nervig sein müssen. Die Zeit war für die Outbacktour perfekt. Wanderungen bei 40 Grad kann ich mir wirklich nicht vorstellen, zudem es dort auch so gut wie keinen Schatten gibt.

IMG_7419

10409748_10152130341678414_3118153781263586987_n

IMG_7450

Video vom Uluru: https://www.youtube.com/watch?v=MC2mntuCf-g&feature=em-upload_owner

IMG_5020

Bei Minus 3 Grad schläft es sich ganz kuschlig draußen 😉

Anschließend fuhren wir mit unserem Bus zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man den Sonnenuntergang beim Uluru gut sehen konnte. Natürlich waren wir nicht die ersten und einzigen mit dieser Idee – hunderte anderer Touristen waren schon IMG_7475dort und genau wie wir tranken die meisten Sekt. Wenn die Sonne langsam untergeht und der Uluru wie angestrahlt aussieht, ist das schon sehr beeindruckend. Wir machten viele Fotos und hatten trotz des Trubels viel Spaß. Zurück in unserem Camp kochte uns James unser Abendessen und wir saßen noch eine Weile am Lagerfeuer. So gegen 21 Uhr waren alle fix und fertig von dem aufregenden Tag und legten sich in ihre Swags rund um das Feuer. Tommi und ich saßen noch ein bisschen länger, tranken etwas und quatschten. Als wir uns dann IMG_7484im „Bad“ fertig gemacht hatten und in unsere Swags schlüpften, waren wir die letzten. James legte uns nahe, in den Swags zu bleiben, wenn sie einmal ausgerollt waren, weil sonst allerlei Tierchen reinkrabbeln konnten, während man auf der Toilette war. Man kann sich die Swags wie einen größeren und dickeren Schlafsack vorstellen, den man mit einem Klettverschluss über dem Kopf schließt. Ich hatte mal gehört, dass man so ein Guckloch im Kopfbereich hat, so dass man auch bei geschlossenem Swag die Sterne beobachten kann. Gibt es sicherlich, aber unsere waren scheinbar eine ältere und billigere Version davon. Wenn man den Swag vollständig schloss, lag man wie eine Raupe vor der Entpuppung dort oder wie in einem Leichensack. So angenehm es am Tag war, so kalt war es in der Nacht. Wir schliefen doch tatsächlich bei etwa -3 Grad im Freien! Das hätte IMG_7411ich nie gedacht, dass ich so etwas mal freiwillig mache! Dick eingepackt mit Leggings, Jogginghose, dicken Socken, Schuhen, T-Shirt, Pullover und Jacke lag ich im Schlafsack und mit dem wiederum im Swag. An duschen vorher war gar nicht zu denken, denn mit nassen Haaren wollten wir uns da sicherlich nicht reinlegen und einen Fön IMG_7410hatten wir natürlich auch nicht dabei. Es war wirklich eisig! Selbst mit dieser Polarkluft fror ich schrecklich und zitterte richtig. Blöd war auch, dass ich im Dunkeln meine Brillenhülle nicht fand. Meine Brille wollte ich nicht einfach neben mich legen, weil sonst am Morgen jemand hätte drauftreten können. Was macht man also? Ich hielt die Brille die ganze Nacht in der Hand. Super entspannt natürlich. Hinzu kam noch, dass ich dann auf die Toilette musste. Na klasse! Jeder geht doch gerne mitten in der Nacht im Dunkeln alleine quer über das Camp zur Toilette ohne zu wissen, was in der Zeit in den Swag gekrabbelt ist. 😉 Das war also keine Option für mich. Aushalten war die Devise. Dummerweise hatte ich auch nicht daran gedacht, mein Handy mit in den Swag zu nehmen, so dass ich gar nicht wusste, wie spät es eigentlich war. So Foto 1-3lag ich dann mit Brille in der Hand zitternd in dem Leichensack und bekam Platzangst, wenn ich den Klettverschluss über meinem Kopf zumachte. Öffnete ich ihn allerdings ein wenig, um etwas Luft zu bekommen und die Sterne zu sehen – im Outback ist der Sternenhimmel wirklich atemberaubend (dafür hatte ich zu dem Zeitpunkt aber keinen Blick, denn ich hatte andere Sorgen), kam eine eiskalte Luft herein. Also ließ ich nur einen kleinen Spalt offen und hoffte, dass die Nacht so bald wie möglich rum geht. Die Jungs und auch einige andere Teilnehmer hatten diese Probleme scheinbar nicht, denn es schnarchte von allen Seiten. Die Nacht zog sich ewig hin und hätte ich zu dem Zeitpunkt schon gewusst, dass die Sophie auch vor lauter Kälte nicht schlafen konnte, wäre ich mir nicht so allein mit meiner Situation vorgekommen. Das erfuhr ich aber erst am nächsten Morgen. Vor lauter Erschöpfung bin ich scheinbar ein paar Mal eingeschlafen. So lag ich also mit dem dringenden Bedürfnis aufs Klo zu gehen stundenlang frierend mit der Brille in der Hand in diesem Kokon und wusste nicht, wie ich mich noch drehen sollte. 🙂 Wunderbar! Das einzig gute an dieser Nacht war, dass es so kalt war, dass sich scheinbar keine Spinne, keine Käfer, keine Schlangne oder sonst ein Viech heraustraute und wir davon verschont geblieben sind. Ihr könnt Euch sicher vorstellen, wie ich mich freute, als uns James um 5 Uhr früh weckte! Die Horrornacht war vorbei! Endlich! Kaum war unsere erste Outbacknacht rum, graut es der Sophie und mir schon vor der zweiten. 😉 Doch erst einmal stand uns ein zweiter aufregender Tag bevor.

Video – Blick auf den Urluru vom Aussichtspunkt aus: https://www.youtube.com/watch?v=epBcK42Bw6E&feature=em-upload_owner

Foto 3-4

Foto 3-5

10473074_10152130343123414_9057754290366775341_n

Outbacktour Tag 1: Alice war nie in Alice Springs

12. Mai 2015 at 18:31

Posted from Alice Springs, Northern Territory, Australia.

Foto 2-22Wer hätte gedacht, dass ich in Australien die bisher kälteste Nacht meines Lebens verbringen werde? Ich sicher nicht. 😉 Mehr dazu aber später. Australien verband ich immer mit drei Sachen: dem Opernhaus in Sydney, dem Great Barrier Reef und dem Ayers Rock. Obwohl ich das Jahr Down Under (entgegen meinem eigentlichen Hang zur Planung) so weit wie möglich auf mich zukommen lassen und vieles vor Ort spontan enscheiden wollte, war für mich von Anfang an klar, dass ich diese drei Punkte auf jeden Fall sehen möchte. Das Opernhaus war eines meiner ersten Anlaufpunkte in meinen ersten zehn Tagen in Sydney, das Schnorcheln am Great Barrier Reef sollte später bei unserer Ostküstentour folgen und im Juli stand eine Tour ins Outback an. Zusammen mit der Sophie plante ich diesen Trip, nach dem sie weiter die Ostküste bereiste und danach nach Deutschland zurückflog. Sie überredete mich, eine Tour zu buchen, bei der man in Swags im Freien schläft. So viel dazu, dass ich in Australien Sachen gemacht hab, die ich vorher nie für möglich gehalten habe. 😉 Ich war ja nie der große Camper, bisher habe ich einmal als Kind in einem Zelt übernachtet und während der Abifahrt auf dem Sportplatz eines Jugendzentrums in Rom draußen geschlafen. Das war´s und ich hätte nicht gedacht, dass ich mal mitten im Outback ohne Zelt im Freien schlafe – in einem Land, in dem es die giftigsten Schlangen, Spinnen und allerlei anderes Getier gibt. 🙂 Tja, dieses Erlebnis macht man nur einmal im Leben und ich bin froh, dass wir diese Tour gebucht hatten – unsere Erlebnisse im australischen Outback werde ich sicher nie vergessen. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich wahrscheinlich genauso viel über „Swags“ wie Ihr – wahrscheinlich gar nichts. Ich hatte den Namen das erste Mal in Australien gehört und ließ mir sagen, dass es eine Art festerer Ganzkörper-Schlafsack ist, der eine Art Guckloch am Kopfende hat. Was mich bei der Tour allerdings beruhigte, war die Tatsache, dass es Toiletten und Duschen gab – denn bei manchen Outbacktouren hat man tagelang nicht die Möglichkeit, sich richtig zu waschen. Urgggg…. Abenteuerlustig wie wir waren buchten wir also die dreitätige (mit An- und Abreise fünftägige) „Emu Run Tour“ für Anfang Juli.

Auf ins Northern Territory

IMG_7255

David und Tommi waren schon um 6 Uhr morgens fit 😉

Nach dem WM-Spiel Deutschland gegen Frankreich, das ich während des Packens nachts im Internet mitverfolgt habe, machte ich mich auf dem Weg zum Bahnhof Southern Cross und traf mich dort um 6 Uhr morgens mit den beiden Jungs. Per Shuttlebus fuhren wir zum Flughafen und wollten uns dort mit der Sophie treffen. Um 8.45 Uhr sollte unser Flugzeug abheben und der Schalter der Fluglinie „Tigerair“ schloss eine Dreiviertelstunde vorher. Leider war ihr Gastvater nicht gerade der zuverlässigste, so dass sie völlig abgehetzt und fertig um 8 Uhr in die Schalterhalle rannte. Das war wirklich allerletzte Eisenbahn, denn der online-Check-in nahm schon niemanden mehr an. Gott sei Dank waren die am Schalter nett und ließen die Sophie noch mit. Puh, das war knapp und ganz schön nervenaufreibend am frühen Morgen. Aber es hat ja schließlich alles noch geklappt. Erleichtert saßen wir vier im Flugzeug und es ging ins Northern Territory!

Wohin mit der Telegrafenleitung?

IMG_7257Als wir rund drei Stunden später in dem Örtchen Alice Springs landeten, freuten wir uns auf das große Abenteuer! Von der Großstadt ging es ins „wahre“ Australien – mitten ins Nirgendwo. 🙂 Über Alice Springs hatte ich schon einiges gehört, nie war viel Gutes dabei. Die Stadt ist Ausgangspunkt der meisten Outbacktouren, besonders zum Ayers Rock oder wie er in Australien heißt zum „Uluru“. In Alice Springs ist nicht viel Sehenswertes, die Stadt weist eine hohe Kriminalitätsrate und einen hohen Anteil an Aborigines auf. In Work-und-Travel-Foren habe ich öfter mal gelesen, dass Backpacker in Alice Springs überfallen worden sind. Doch wie ist dieses Städtchen mitten in der Pampa überhaupt entstanden? Im Jahre 1871 wurden zwei Landvermesser damit beauftragt, eine geeignete Route für eine Telegrafenleitung zwischen Darwin und Adelaide zu finden. Sie entschieden sich für einen Felseinschnitt durch eine Gebirgskette einige Kilometer südlich des heutigen Alice Springs, weil dort eine Quelle entdeckt worden ist. Diese nannten sie „Alice Springs“ zu Ehren der Frau des damaligen Verwaltungsdirektors der Telegrafengesellschaft Charles Todd. IMG_7266Ein Jahr später war die Telegrafenleitung zwischen Adelaide und Darwin vollendet und somit via Indonesien und Indien auch die Verbindung mit London hergestellt. Da Morsezeichen nur rund 300km weit gesendet werden konnten, war Alice Springs als Telegrafenstation äußerst wichtig. Ach übrigens ist die echte Alice, die Namensgeberin der Stadt, nie in Australien gewesen. Es war so abgelegen, dass die 100 Einwohner bis in die 1930er Jahren nur mit Karamelkarawanen (die Kamele kamen aus Afghanistan – es gibt heute etwa 1 Mio Kamele in Australien, das war mir vorher auch nicht bewusst) versorgt werden. Erst als 1929 die Eisenbahnlinie die Stadt erreichte und der Stuart Highway zwischen Alice Springs und Darwin im Zuge des Zweiten Weltkriegs fertig gestellt wurde, entwickelte sich die Stadt zu einem Umschlagplatz der inneraustralischen Rinderindustrie. Als dann die Touristen das Städtchen entdeckten, verzwanzigfachte sich die Bevölkerung zu Beginn der 1970er Jahre. Heute hat Alice Springs über 28.000 Einwohner, wovon laut Zensus 19% Ureinwohner Australiens sind. Übrigens sind 28% der Bevölkerung des Northern Territorys Aborigines.

„White men come here“

IMG_7277Wenn man allerdings durch die Stadt läuft, hat man eher den IMG_7258Eindruck, als ob sie 80% der Bevölkerung stellen. Lebt man in Großstadtädten wie Sydney oder Melbourne, sieht man vielleicht mal ein oder zwei Ureinwohner. Alice Springs war deshalb für mich wie eine andere Welt. Nachdem wir mit einem Shuttlebus zu unserem Hostel gebracht worden sind und dort eincheckten, sahen wir uns zusammen mit ein paar anderen Backpackern das Städtchen mal näher an. Dabei begegneten wir kaum anderen Touristen, das war schon verwunderlich, da die meisten Outbacktouren von hier starten. Dafür saßen an jeder Ecke Aborigines, die etwas verkauften oder sich unterhielten und man sah wirklich nur vereinzelt Weiße. Man kommt sich schon komisch vor und fühlt sich etwas unwohl, wenn man deutlich erkennbar als Tourist mit Kamera durch einen Ort läuft und man so viele Menschen sieht, die offensichtlich arm sind. Die Ureinwohner saßen in Gruppen zusammen, standen an der Straße oder vor dem Supermarkt. Manche riefen uns auch etwas hinterher, wie zum Beispiel eine Frau, die David und Tommi dazu aufforderte, zu ihr zu kommen: „White men come here.“ Es war irgendwie unangenehm, weil man weiß, dass die Aborigines jahrzehntelang von der Regierung ausgegrenzt, benachteiligt sowie schlecht behandelt worden sind und ihnen Kinder und Land weggenommen wurden. Zwar hat sich in Australien im Laufe der letzten Jahrzehnte diesbezüglich einiges getan, aber viele Ureinwohner leben immer noch am Rande der 10449491_10152130338118414_606263121469413416_nGesellschaft, haben Schwierigkeiten bei der Jobssuche, sind arbeitslos und einige auch Alkoholiker. Bei vielen Menschen, die wir hier sahen, traf das zu. Vor dem Supermarkt „Coles“ sprach uns auch eine Frau an, die uns bat, für sie im „Bottle Shop“ eine Flasche Wein („White Tail“) zu kaufen, weil es ihr nicht mehr erlaubt sei, den Laden zu betreten. Tommi zögerte nicht lange, nahm ihr Geld und brachte ihr einen Wein mit – hätte die Polizistin, die in der Nähe des Eingangs postiert war, das gesehen, wäre sie sicherlich nicht erfreut gewesen. Ob das eine gute Idee war und ob wir uns lieber hätten weigern sollen, die Alkoholsucht der Frau zu unterstützen – darüber lässt sich sicher streiten. Mir hat die Frau auf jeden 10559915_10152130338213414_5496475348288705045_nFall leid getan, wie sie Fremde darum bitten musste, ihr eine Flasche Wein zu kaufen. Natürlich weiß man nicht, warum sie Ladenverbot hatte oder ob das überhaupt stimmte. Unser Tourguide James, den wir am nächsten Tag kennen lernen sollten, erzählte uns, dass selbst er (der mit Bar, Tätowierung und breiter Statur nicht gerade wie ein einfaches Opfer aussah) sich abends in Alice Springs nur mit Taxi fortbewegt und keinem von uns empfehlen würde, alleine durch die Gegend zu laufen. Wenn ich mich recht erinnere, sagte er, dass auf die rund 28.000 Einwohner um die 6.000 Polizisten kommen, was die hohe Kriminalitätsrate widerspiegelt. Ich habe etwas im Internet recherchiert und herausgefunden, dass es im vergangenen Jahr rund 1500 Verbrechen gegenüber Personen, 392 Einbrüche in Privathäuser und 321 in Geschäfte, 278 Autodiebstähle und 1451 Fälle von Sachbeschädigung in Alice Springs protokolliert worden sind. Zwar ist sind die Verbrechen im Vergleich zu Vorjahr um etwa 20 Prozent zurückgegangen, aber mir erscheinen diese Zahlen für eine Kleinstadt immernoch extrem hoch. Angst braucht man zwar nicht zu haben, aber eine gesunde Portion Vorsicht gerade in den Abendstunden ist dort sicher nicht verkehrt.

Sonnenuntergang vom ANZAC-Hügel

IMG_7271Nachdem wir uns also mit Burger und Bier für zusammen 10 Dollar (super Preis) gestärkt hatten, liefen wir durch die Innenstadt und schließlich zum ANZAC-Ehrenmal, das auf einem Hügel liegt und einen tollen Blick über die Stadt bietet. Von dort aus betrachteten wir den Sonnenuntergang und freuten uns auf den morgigen Beginn unserer Tour.

IMG_7280

Foto 1-2

IMG_7333