Outbacktour Tag 3: Kata Tjuta – Wie eine Oase in der Wüste

17. Mai 2015 at 0:04

Posted from Petermann, Northern Territory, Australia.

IMG_7509„Waki, waki“! Man fühlt sich wie neugeboren, wenn man so gut wie gar nicht geschlafen hat, wenn man wie ein Kalifornier in der Antarktis friert und es so kalt ist, dass man sich gar nicht umziehen möchte. Juhu, ein neuer Tag als Abenteurer und Entdecker! 😉 Nachdem wir unsere Swags und Schlafsäcke verstaut und gefrühstückt hatten, fuhren wir zu einem anderen Aussichtspunkt, um den Sonnenaufgang hinter dem Uluru zu sehen. Es war immer noch so eisig und ich hatte dummerweise keine Handschuhe dabei. Man glaubt es nicht, aber IMG_7512es gibt noch mehr Verrückte, die mitten in der Nacht aufstehen, um sich in dieser Kälte das Spektakel anzuschauen. Viele Profis hatten ihre Kameras mit Stativ aufgebaut und warteten gespannt, bis die ersten Sonnenstrahlen zu sehen waren. Sophie und ich froren immer noch so arg, dass uns selbst Tommis Witze nicht aufheitern konnten. Beim Fotografieren zitterten wir richtig und die Kapuze setzten wir nur fürs Bild ab (Sophie ließ auch beim Foto die Kapuze auf, um nicht zu erfrieren). Aber ich muss zugeben, es hat sich wirklich gelohnt! Was für ein Anblick! Wunderschön, wie die Sonne hinter dem Uluru aufging und sich die Sonnenstrahlen nach und nach über das weite Land vortasteten. Die Farbe des Himmels war gigantisch. Diese Weite ohne Menschen (mal abgesehen von denen, die um uns herum standen), Autos und Häuser – nur der Uluru erhob sich über der Ebene. Aus der Ferne sah es aus, als hätte jemand einen Stolperstein in den Weg gelegt. Dieses Bild war schon spektakulär und sehr beeindruckend. Mal fühlte sich wie in eine andere Zeit versetzt. Der Großstadtlärm und die Hektik waren ganz weit weg. Die Ruhe wurde nur durchbrochen, als Tommi plötzlich ein Lied von „König der Löwen“ auf seinem Handy abgespielt hat, das aber wirklich gut zum Sonnenaufgang gepasst hat (siehe Video: https://www.youtube.com/watch?v=AI_t8FL0okw&feature=em-upload_owner). 😉

IMG_7496

IMG_7502

IMG_7531

IMG_7532

Kata Tjuta

Wer von Euch denkt, wir hätten uns jetzt wieder schön hingelegt und weitergeschlafen, IMG_7538der irrt natürlich gewaltig. Jetzt ging unser Programm erst richtig los! Wir machten uns auf den Weg zum rund 50km entfernten Kata Tjuta (The Olgas)-Gebirge. „Kata Tjuta“ heißt in der Sprache der Aborigines „Viele Köpfe“, denn das Massiv besteht aus 36 Felskuppeln – quasi den „Köpfen“. Durch Wind, Wasser, Hitze und Kälte wurde der einst zusammenhängende Sandsteinblock zerteilt, die IMG_7552Ecken abgerundet und so die Kuppeln erschaffen. Den Namen „Die Olgas“ gab ihnen der „Entdecker“ Ernest Giles im Jahre 1873 in Erinnerung an eine württembergische Königin. In den tiefen Schluchten sammelte sich Feuchtigkeit an, so dass es dort aussieht wie in einer Oase. Diese üppige Vegetation stammt aus einer Zeit, als das Zentrum von Australien noch nicht ausgetrocknet war. Mitten zwischen den Felsen wachsen viele Bäume und Pflanzen und es leben dort scheinbar auch viele Tiere. Das erwartet man in dieser Gegend wirklich nicht – so viel Grün! Es sah echt aus wie bei einer Oase in der Wüste. Die Kata Tjutas sind für die Aborigines genau wie der Uluru heiliges Land. Zusammen mit James erkundeten wir einen Teil des Gebirges, wobei es oft ganz schön steil hoch und runter ging. Er machte uns aber folgendes klar: „Take nothing but pictures, leave nothing behind but footprints“ („Nehmt nichts mit außer Fotos und hinterlasst nichts außer Fußabdrücke“).  Besonders bei einem „Weg“ musste IMG_7542man höllisch aufpassen, dass man nicht hinfällt, weil wir über tausende verschieden großer Steine liefen. James legte Wert darauf, dass wir mindestens zwei Liter Wasser dabei hatten, weil man im Outback schnell dehydriert und viel Flüssigkeit zu sich nehmen muss. Den zweiten Teil der Strecke IMG_7543sollten wir dann alleine weitergehen, aber mindestens zu zweit (falls etwas passiert, kann der andere Hilfe holen). Irgendwie landeten Sophie und ich dann weit hinten und hatten den Eindruck, alle andere wären schon längst beim Bus. Schade war nur, dass wir uns nicht Zeit lassen und in unserem eigenen Tempo laufen konnten, denn wir sollten in einer IMG_7590vorgegebenen Zeit wieder alle versammelt sein. Da wir aber die Entfernung natürlich nicht einschätzen konnten, mussten wir uns etwas beeilen. Anschließend aßen wir Kamelburger, die gut schmeckten – ehrlich gesagt merkte man beim Essen des Burgers aber gar nicht, ob es Rind- oder Kamelfleisch war. 😉 Was ich Euch noch gar nicht erzählt habe: In unserer Gruppe waren fast nur Studenten oder Leute im Alter zwischen 20 und 35 Jahren – außer eine Rentnerin aus Neuseeland. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher wie sie hieß, aber ich glaube ihr Name war Jane. Auf jeden Fall integrierte sie sich sehr gut in unsere Gruppe und war richtig fit. Sie hatte trainiertere Beine als wir und macht einscheinend öfter solche Touren.

IMG_7548

Video von unserer Wanderung im Kata Tjuta-Gebirge: https://www.youtube.com/watch?v=Rh3rLXIEoNk&feature=em-upload_owner

IMG_7561

IMG_7569

IMG_7561

IMG_7572

IMG_7578

IMG_7576

IMG_7586

Hoch leben die Zelte!

Je später der Tag, desto mehr dachten Sophie und ich an die nächste Horror-Nacht im Swag. Als wir an der „Kings Creek Station“, einer Rinder- und Kamelfarm – die sich 36km vom Kings Canyon entfernt befindet, 1981 gegründet wurde, der IMG_7603größte Exportteur wilder Kamele in Australien ist und über die schon zig Dokumentationen gedreht worden sind – ankamen, erlebten wir unser blaues Wunder: Dort standen Zelte! Zelte! Ungläubig fragten wir James, ob wir dort übernachten würden. IMG_7604Wir trauten unseren Ohren kaum: Wir durften doch wirklich in den Zelten schlafen! Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mal so über Zelte freuen würde! Sie kamen uns vor wie eine Suite im 5-Sterne-Hotel. Man hätte uns keine größere Freude machen können. Übermütig richteten wir uns in unserem Zelt „häuslich“ ein. Uns war egal, dass die zwei Matratzen, die auf den Bettgestellen lagen, sicher schon 30 Jahre alt und abgewetzt waren. Wir übersahen das IMG_7606benutzte Taschentuch, das auf dem kleinen Beistelltisch lag. Wir störten uns nicht an der Tatsache, dass man unser Zelt vorne nicht ganz schließen konnte. Das einzig Wichtige war, wir mussten nicht mehr auf dem Boden in der Kälte schlafen. Foto 1-1Wir hatten wieder ein „Dach“ über dem Kopf. Herrlich. Im Outback lernt man, sich wieder über die kleinen Dinge zu freuen. Ein Zelt – Juhu! Nach der -3-Grad Horrornacht kann ich nun überall schlafen. Die beiden Jungs hatten sich übrigens das Zelt neben uns gesichert. Erst beschwerten wir uns zwar, weil man deren Zelt vorne schließen konnte. David brachte uns aber dann dazu, bei unserem Domizil zu bleiben: Denn in ihrem Zelt war hinten ein großes Loch. 😉 Sophie und ich richteten uns also gemütlich ein. Legten unsere Swags auf die Matratzen, dann die Schlafsäcke und dachten nicht daran, wie viele Leute schon darin gelegen hatten. Unsere Freude konnte heute eh nichts mehr trüben.

Dingogeheul und Sternschnuppen

Fröhlich duschten wir, aßen das von James gekochte Essen und setzten uns mit denIMG_7636 anderen ums Lagerfeuer. Unsere Gruppe IMG_7633war sehr nett und wir verstanden uns alle ganz gut – nur eine Amerikanerin war etwas nervig. Einige waren auch Deutsche, da aber jeder miteinander Englisch sprach, fanden wir das manchmal erst nach einer Weile heraus. Schon komisch, wenn zwei Deutsche sich erst lange auf Englisch unterhalten bis beide merken, dass sie eigentlich eine gemeinsame Muttersprache haben. 😉 An diesem Abend konnte ich auch das erste Mal den Sternenhimmel in Ruhe bewundern. So weit draußen – ohne die Lichter einer Stadt – sieht man so viele Sterne, wirklich atemberaubend! Tatsächlich haben wir auch Sternschnuppen gesehen und ich habe mir fest etwas gewünscht. Aus dem Dunkeln heulten Dingos, während wir in die Sterne blickten. Erschöpft von so vielen neuen Eindrücken und warm eingepackt krochen wir dann in unsere Swags. Ich habe mich gefühlt, als ob ich in einem Himmelbett liege und bin sofort eingechlafen. Die Nacht war an sich schon wärmer als die zuvor und in unserem Zelt war die Temperatur auch angenehm – ich hatte schon lange nicht mehr so gut geschlafen. Man schätzt ein „Bett“ erst, wenn man mal bei Eiseskälte draußen auf dem Boden genächtigt hat. Es lebe die Kings Creek Cattle Station!

10527490_10152566661937276_493273631549473134_n    IMG_7628

Die Sternenhimmelblder hat einer der Koreaner gemacht, der eine super Kamera dabei hatte. Solche Bilder habe ich mit meiner leider nicht hinbekommen.

Die Bilder vom Sternenhimmel hat einer der Koreaner gemacht, der eine super Kamera dabei hatte. Solche Bilder habe ich mit meiner leider nicht hinbekommen.

10527448_826859853990952_1864574004432384341_n