Outbacktour Tag 2: Der Uluru oder Wer schläft nicht gern bei -3 Grad draußen?
Posted from Uluṟu, Northern Territory, Australia.
Der frühe Emu fängt den Wurm – oder so ähnlich. 😉 Die Nacht
im Hostel war kurz. Um 6 Uhr holte unser Tourguide James uns und noch etwa 15 andere Backpacker – die aus verschiedenen Ecken der Welt (USA, Deutschland, Südkorea, Kanada, Neuseeland, etc.) stammten – ab. Es ging 450 km durchs Outback bis zum Uluru! Obwohl wir alle noch müde waren und während der Fahrt ab und an noch ein Nickerchen machten, erzählte uns der gut gelaunte James mit seiner lockeren Art einige Fakten über das Northern Territory, Alice Springs, das Outback und den Uluru. Geweckt wurden wir von ihm immer übers Mikrofon mit einem fröhlichen „Waki Waki!“ (von „Wake up“ – „Aufwachen!“). Er bläute uns gleich zu Anfang ein, dass wir keine „bloody tourists“, sondern „Abenteurer und Entdecker“ seien. Na, das hört sich doch gut an – ganz unser Selbstverständnis. 😉 Stundenlang fährt man
mitten durch teils karges Land und es kommt einem nur ab und an ein anderes Auto entgegen. Die Fahrer grüßen sich dann, so James, weniger aus Höflichkeit, sondern eher um Sicherzustellen, dass der Gegenüber nicht am Steuer eingeschlafen ist. Auf dem Weg von Alice Springs zum Uluru kommt man an acht großen Rinderfarmen vorbei, bei einer hat James mal gearbeitet. Seiner Aussage nach sei die größte Rinderfarm der Welt 8,8 Mio Morgen groß und damit größer als Belgien gewesen. Eigentlich ist James LKW-Fahrer, der für mehrere Monate im Jahr als Tourguide arbeitet. Er war ein cooler Typ, der keinen Wert auf Äußerlichkeiten legte und wie ein Überlebenskünstler wirkte. Würde man ihn auf einer einsamen Insel aussetzen, würde er sich bestimmt von Insekten ernähren, nach Wasser graben und ein Baumhaus bauen. 😉
Kamelritt und Feuerholz
Video von der Fahrt: https://www.youtube.com/watch?v=PeUK-DOyY80&feature=em-upload_owner
Den ersten Stopp machten wir bei einer Kängurufarm – äh, Kamelfarm meine ich. 🙂 Ein paar von uns machten einen kurzen Ritt auf einem Kamel mit – Sophie und ich waren natürlich dabei! Zwar war die Strecke echt kurz, aber es war schon ziemlich lustig. In Tunesien saß ich ja schon mal auf einem Kamel und habe es sogar mit dem Mund (für ein Foto) gefüttert, aber das Kamel durfte bei meinen tierischen Abenteuern auch in Australien nicht fehlen.
Dort erfuhren wir, dass die ersten Kamele 1840 von den Kanarischen Inseln eingeführt wurden und später tausende aus Indien und Pakistan folgten. Als die Autos in den 1920er Jahren auch ins Outback kamen, ließ man die Kamele frei und sie bildeten wilde Herden. Beim Mount Ebenezer Roadhouse hielt unser Trupp als nächstes an, bevor wir am bekannten Mount Connor vorbeifuhren. Das ist ein großer Tafelberg, den man im ersten Moment für den Uluru hält. Früher durfte man den Berg, der in dem Gebiet einer Rinderfarm liegt, besteigen. Dies ist jedoch verboten, seit sich dort einige Backpacker daneben benommen haben. Die Landschaft, durch die wir fuhren, war teilweise ziemlich karg. Zwischendurch mussten wir auch halten, um Feuerholz zu
sammeln. Feuerholz? Ohje, spätestens da wurde Sophie und mir so
langsam klar, dass es tatsächlich eine Abenteuertour war. Wenn man Frauen zum Feuerholzsammeln motivieren möchte, sollte man ihnen nicht folgendes sagen: „Passt mit dem Holz auf. Wenn man davon einen Spreisel bekommt, dann entzündet er sich binnen kurzer Zeit und es kann lebensgefährlich werden, wenn man nicht sofort behandelt wird.“ Ok, das war´s dann wohl mit dem Holzsammeln. 😉 Es hat ja eh keinen Sinn, wenn alle da rumlaufen. Ein paar Leute sollten doch auch den Bus bewachen, oder? Es gab Gott sei Dank genug Freiwillige und so blieben wir erst mal auf unseren Sitzen. Ganz davor drücken wollten wir uns aber doch nicht und so sammelten wir am nächsten Tag fleißig mit – natürlich passten wir höllisch auf, dass wir uns keinen Spreisel holen.
Ihren Wunsch respektieren
Endlich waren wir dann am Uluru angekommen! Ehrlich gesagt war ich von der Form etwas überrascht. Ich dachte, dass die Oberfläche glatt ist und hätte nicht erwartet, dass er so viele Löcher, Höhlen und Spalten hat – von weitem sieht man das gar
nicht. Doch zuerst ging es für uns noch ins „Cultural Centre“ und dort wurden wir im „Anangu-Land“ (so heißt der Stamm der Aborigines, der schon seit über 10.000 Jahren in dem Gebiet lebt) willkommen geheißen. Im Jahre 1985 wurde den Aborigines ihr heiliger Berg, der Uluru, wieder zurückgegeben und sie verpachteten den
Nationalpark dann für 99 Jahre an die Regierung. Jährlich besuchen über eine halbe Millionen Touristen den Uluru-Kata Tjuta National Park, der aufgrund der Schönheit der Natur und der kulturellen Bedeutung zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Im Besucherzentrum lernten wir viel über die Kultur der Einheimischen und es wurde uns nahe gelegt, den Berg nicht zu besteigen. Darauf hatte uns auch James schon hingewiesen. Schon vor unserer Tour hatte ich mehrfach gelesen, dass die Aborigines darum bitten, den Uluru nicht zu besteigen, weil er für sie heilig (er steht in enger Verbindung mit der Traumzeit) und dies gegen ihre Kultur ist. Außerdem lösen die Besucher Erosionen aus, hinterlassen
Dreck und Müll, der durch Regen in die Ritzen und Höhlen gespült wird. Zudem sind bereits 35 Menschen bei der Besteigung gestorben. Wenn
jemand auf ihrem Gebiet stirbt, müssen die Aborigines um ihn trauern – so verlangt es ihre Kultur. Ich war schon vor unserer Abreise der Meinung, dass man den Wunsch der Aborigines respektieren sollte. Daran halten sich aber leider immer noch nicht alle Touristen. Auch als wir da waren, sahen wir einige den ziemlichen steilen Weg hochlaufen. James erklärte uns, dass früher 84% der Besucher raufstiegen, heute aber nur noch 22%. Wenn sich der Prozentsatz weiter verringert, könnte die Regierung die Besteigung in ein paar Jahren ganz untersagen. Was in den Menschen vorgeht, die trotz der Bitte der Einheimischen auf den Berg kraxeln? Ich hätte da ein ganz schlechtes Gefühl und könnte den Ausblick dann gar nicht genießen. Ich denke auch, dass der Blick auf den Berg sowieso viel beeindruckender ist als vom Berg runter. Tommi und David wollten eigentlich auch hochklettern, aber durch James´eindringlichen Appell haben sie sich doch dagegen entschieden. Überzeugt waren sie zwar nicht wirklich, aber sie sagten, dass sie sich gegenüber James komisch fühlen würden, wenn sie es doch täten.
Den Bauch am Fels reiben
Kurz noch ein paar Zahlen zum Uluru: Der Berg ist 3 km lang, 2km breit und 348m hoch. Schätzungsweise ist er 550 Mio Jahre alt und wurde aus einer weniger widerstandsfähigen Umgebung herauserodiert. Der Sandsteinblock setzt sich auch noch einige tausend Meter unter der Erde fort. Doch woher hat er seine Farbe? Denn das Gestein ist in unverwittertem Zustand ursprünglich grau. Durch die Verwitterung rosten die Eisenanteile rot bis braun, so dass der Uluṟu seine typische Farbe erhält. Den Namen Ayers Rock bekam der Berg übrigens vom englisch-australischen Forscher William Gosse, der den Fels 1873 entdeckte und ihn nach Henry Ayers, dem damaligen Premierminister Australiens, benannte.
Zusammen mit James liefen wir ein Stück um den Berg herum und er wies uns auf Höhlen hin, an denen wir sonst vorbeigelaufen wären. In einer Höhle, der „Lehrhöhle“, zeigten Wandmalereien wie die Älteren den Jüngeren beibrachten, wie sie durch das Land reisen, leben und überleben. Es gibt eine Höhle, in der gekocht wurde. Eine Höhle nur für Männer und ein Bereich, der nur für die Frauen reserviert war. Wenn die Frauen dort ihre Bäuche an dem Fels reiben, soll dies fruchtbar machen. Interessant ist, dass man einige Bereiche des Berges gar nicht
fotografieren darf. Der Hintergrund dessen ist, dass Männer und Frauen bestimmte Bereiche des Felses, die dem jeweils anderen Geschlecht vorbehalten sind, nicht anschauen dürfen. Würden Touristen und Fotografen diese nun ablichten, könnten Bilder in Reiseführer, Bücher und ins Internet gelangen, so dass die Aborigines diese Bereiche dann doch sehen – was gegen die Regeln ihrer Kultur wäre. Wir haben uns an das Fotografierverbot gehalten. Wenn dies jeder tun würde, dürfte es eigentlich nur Fotos von einem Teil des Berges geben – was ich angesichts der Rücksichtslosigkeit mancher Leute aber bezweifle. Den Uluru zu umrunden, dauerte schon eine Weile und die Sonne brannte ganz schön herunter. Gut, dass wir uns den Winter für unser Abenteuer ausgesucht hatten, denn so waren es nur 20 Grad und nicht wie im Hochsommer über 40. Außerdem plagten uns keine Fliegenschwärme, die zusätzlich zur Hitze sehr nervig sein müssen. Die Zeit war für die Outbacktour perfekt. Wanderungen bei 40 Grad kann ich mir wirklich nicht vorstellen, zudem es dort auch so gut wie keinen Schatten gibt.
Video vom Uluru: https://www.youtube.com/watch?v=MC2mntuCf-g&feature=em-upload_owner
Bei Minus 3 Grad schläft es sich ganz kuschlig draußen 😉
Anschließend fuhren wir mit unserem Bus zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man den Sonnenuntergang beim Uluru gut sehen konnte. Natürlich waren wir nicht die ersten und einzigen mit dieser Idee – hunderte anderer Touristen waren schon
dort und genau wie wir tranken die meisten Sekt. Wenn die Sonne langsam untergeht und der Uluru wie angestrahlt aussieht, ist das schon sehr beeindruckend. Wir machten viele Fotos und hatten trotz des Trubels viel Spaß. Zurück in unserem Camp kochte uns James unser Abendessen und wir saßen noch eine Weile am Lagerfeuer. So gegen 21 Uhr waren alle fix und fertig von dem aufregenden Tag und legten sich in ihre Swags rund um das Feuer. Tommi und ich saßen noch ein bisschen länger, tranken etwas und quatschten. Als wir uns dann
im „Bad“ fertig gemacht hatten und in unsere Swags schlüpften, waren wir die letzten. James legte uns nahe, in den Swags zu bleiben, wenn sie einmal ausgerollt waren, weil sonst allerlei Tierchen reinkrabbeln konnten, während man auf der Toilette war. Man kann sich die Swags wie einen größeren und dickeren Schlafsack vorstellen, den man mit einem Klettverschluss über dem Kopf schließt. Ich hatte mal gehört, dass man so ein Guckloch im Kopfbereich hat, so dass man auch bei geschlossenem Swag die Sterne beobachten kann. Gibt es sicherlich, aber unsere waren scheinbar eine ältere und billigere Version davon. Wenn man den Swag vollständig schloss, lag man wie eine Raupe vor der Entpuppung dort oder wie in einem Leichensack. So angenehm es am Tag war, so kalt war es in der Nacht. Wir schliefen doch tatsächlich bei etwa -3 Grad im Freien! Das hätte
ich nie gedacht, dass ich so etwas mal freiwillig mache! Dick eingepackt mit Leggings, Jogginghose, dicken Socken, Schuhen, T-Shirt, Pullover und Jacke lag ich im Schlafsack und mit dem wiederum im Swag. An duschen vorher war gar nicht zu denken, denn mit nassen Haaren wollten wir uns da sicherlich nicht reinlegen und einen Fön
hatten wir natürlich auch nicht dabei. Es war wirklich eisig! Selbst mit dieser Polarkluft fror ich schrecklich und zitterte richtig. Blöd war auch, dass ich im Dunkeln meine Brillenhülle nicht fand. Meine Brille wollte ich nicht einfach neben mich legen, weil sonst am Morgen jemand hätte drauftreten können. Was macht man also? Ich hielt die Brille die ganze Nacht in der Hand. Super entspannt natürlich. Hinzu kam noch, dass ich dann auf die Toilette musste. Na klasse! Jeder geht doch gerne mitten in der Nacht im Dunkeln alleine quer über das Camp zur Toilette ohne zu wissen, was in der Zeit in den Swag gekrabbelt ist. 😉 Das war also keine Option für mich. Aushalten war die Devise. Dummerweise hatte ich auch nicht daran gedacht, mein Handy mit in den Swag zu nehmen, so dass ich gar nicht wusste, wie spät es eigentlich war. So
lag ich dann mit Brille in der Hand zitternd in dem Leichensack und bekam Platzangst, wenn ich den Klettverschluss über meinem Kopf zumachte. Öffnete ich ihn allerdings ein wenig, um etwas Luft zu bekommen und die Sterne zu sehen – im Outback ist der Sternenhimmel wirklich atemberaubend (dafür hatte ich zu dem Zeitpunkt aber keinen Blick, denn ich hatte andere Sorgen), kam eine eiskalte Luft herein. Also ließ ich nur einen kleinen Spalt offen und hoffte, dass die Nacht so bald wie möglich rum geht. Die Jungs und auch einige andere Teilnehmer hatten diese Probleme scheinbar nicht, denn es schnarchte von allen Seiten. Die Nacht zog sich ewig hin und hätte ich zu dem Zeitpunkt schon gewusst, dass die Sophie auch vor lauter Kälte nicht schlafen konnte, wäre ich mir nicht so allein mit meiner Situation vorgekommen. Das erfuhr ich aber erst am nächsten Morgen. Vor lauter Erschöpfung bin ich scheinbar ein paar Mal eingeschlafen. So lag ich also mit dem dringenden Bedürfnis aufs Klo zu gehen stundenlang frierend mit der Brille in der Hand in diesem Kokon und wusste nicht, wie ich mich noch drehen sollte. 🙂 Wunderbar! Das einzig gute an dieser Nacht war, dass es so kalt war, dass sich scheinbar keine Spinne, keine Käfer, keine Schlangne oder sonst ein Viech heraustraute und wir davon verschont geblieben sind. Ihr könnt Euch sicher vorstellen, wie ich mich freute, als uns James um 5 Uhr früh weckte! Die Horrornacht war vorbei! Endlich! Kaum war unsere erste Outbacknacht rum, graut es der Sophie und mir schon vor der zweiten. 😉 Doch erst einmal stand uns ein zweiter aufregender Tag bevor.
Video – Blick auf den Urluru vom Aussichtspunkt aus: https://www.youtube.com/watch?v=epBcK42Bw6E&feature=em-upload_owner


























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