Halbzeit in Australien
Posted from Melbourne, Victoria, Australia.
Es ist Halbzeit. Obwohl sich heute alles um Fußball dreht, spreche ich von etwas anderem: Heute auf den Tag genau vor sechs Monaten bin ich von Deutschland nach Australien geflogen! Unglaublich wie die Zeit vergeht und hätte mich meine Mutter nicht darauf hingewiesen, hätte ich wahrscheinlich gar nicht an diesen Tag gedacht. Ich weiß noch, wie komisch ich mich die ersten Tage in Sydney gefühlt habe. So ganz anders als damals in Washington. Ich war gar nicht euphorisch, sondern habe mir nur gedacht, warum in aller Welt wollen die Backpacker nur alle ein zweites Jahr bleiben? Doch als ich ein paar Leute kennen gelernt und nach und nach die Stadt erkundet hatte, wurde ich neugierig auf dieses große, so weit von Deutschland entfernte Land, das immer durch seine wunderschöne Natur und die unterschiedlichsten Gegenden von sich reden macht. Vielleicht lag es an der langen Anreise, dem großen Temperaturunterschied oder einfach an der Tatsache, dass Australien nie – wie bei einigen meiner Freundinnen – das Land meiner Träume war. Es war vielmehr eine schöne Alternative zu den USA, die sich vorübergehend noch querstellen und meine Greencard noch nicht rausrücken wollen. 🙂 Ich musste also erstmal warm werden mit Down Under.
Sydney und besonders Bondi Beach, wo ich die ersten zehn Tage gewohnt habe, haben mir aber von Tag zu Tag besser gefallen und am Ende konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass Melbourne noch toller sein sollte. Aber es war so – mit Melbourne hatte ich keine Startschwierigkeiten. Die Stadt macht es einem einfach, sie zu mögen. Seit ich hier bin, ist mir noch nie langweilig gewesen. Ständig gibt es Festivals, Veranstaltungen, Märkte, ein breitgefächertes Kulturangebot, tolle Läden, Cafés, viele Grünflächen und Strände. Melbourne ist eine Millionenstadt, in der man trotzdem Leute wiedertrifft, deren Zentrum man erlaufen kann und die einem so viel bietet. Nicht umsonst wurde Melbourne so oft zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt. Zwar hat es nicht so berühmte Sehenswürdigkeiten wie Sydney, aber auch hier gibt es viel zu entdecken und auch nach sechs Monaten habe ich noch nicht alles angeschaut, was auf meiner To-Do-Liste steht. 🙂 Was es mir aber vor allem einfach gemacht hat, mich hier wohlzufühlen, sind die vielen netten Leuten aus der ganzen Welt, die ich im Laufe der Zeit hier kennen gelernt habe. Viele sind mir wirklich gute Freunde geworden. Trotz der Tatsache, dass ich oft um einige Jahre älter bin als sie, verstehen wir uns richtig gut und haben schon so viel zusammen erlebt. Wir haben Melbourne und die Umgebung gemeinsam erkundet, viel gefeiert, den australischen Alltag zusammen entdeckt, Kurztrips gemacht, uns gegenseitig aufgeheitert, zusammen gelacht und viele lustige und unvergessliche Momente geteilt. Da habe ich wirklich Glück gehabt, dass ich so viele liebe Leute aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt kennen gelernt habe.
In den sechs Monaten habe ich aber bisher nur einen kleinen Teil dieses großen Landes gesehen – Sydney, viel von Melbourne und Umgebung, Perth und das Outback. In den nächsten Monaten habe ich vor, noch viel mehr zu sehen, zu reisen und weitere tolle Erfahrungen zu sammeln, interessante Menschen und neue Orte kennen zu lernen. Ich werde in nächster Zeit einige meiner bisherigen Erlebnisse für Euch hier nachtragen, leider hinke ich nämlich immer nach meilenweit hinterher, aber ich bin dran! Ich schätze es auch übrigens sehr, dass ich mit der Heimat, meiner Familie, meinen Freunden und auch ehemaligen Arbeitskollegen dank Email, Skype, What´s app und der guten alten Post so guten und trotz der großen Entfernung oft auch engen Kontakt habe. Ich freue mich IMMER von Euch zu hören und möchte ALLES wissen! 🙂 
Letzt habe ich in einem Film ein interessantes Sprichwort gehört: „Sometimes even the wrong train can take you to the right destination.“ („Manchmal kannn Dich sogar der falsche Zug zum richtigen Ort bringen“). Vielleicht sollte ich (erstmal) nicht in die USA, sondern Australien unsicher machen. Hätte ich einen Job in den USA bekommen, wäre ich nie auf die Idee gekommen, für eine Zeit in Down Under zu leben. Dann hätte ich nie all die lieben Menschen kennen gelernt und nie Kängurus gefüttert,
Vegemite probiert, eine Schlange um den Hals gehabt, ein Bild mit einem Koala machen können, bei Minusgraden im Swag geschlafen, und, und, und… Es soll schon alles so kommen wie es kommt.Was ich damit sagen möchte: Obwohl ich Euch alle sehr vermisse, fühle ich mich hier in Melbourne sehr wohl und freue mich auf die nächsten Monate hier! Seid mit mir gespannt, was ich noch alles erleben werde!
Fühlt Euch alle aus der Ferne umarmt!
Viele liebe Grüße aus dem momentan winterlichen Melbourne in die Heimat,
Eure Christine

Das hast du sehr schön geschrieben! Ich wünsche dir weiterhin tolle Erlebnisse, vor allem außerhalb von Melbourne, denn es gibt so viel mehr zu entdecken. Viele Grüße aus Perth!