Great Ocean Road Trip Teil 2 – Schiffsunglück, Buschfeuer und Wasserfall

18. März 2014 at 14:33

Posted from Port Campbell, Victoria, Australia.

Der nächste Tag fing sehr stürmisch an, es war windig und kalt. Gut, dass wir die Zwölf Apostel noch am Abend zuvor gesehen hatten. Doch wir trotzten Wind und Wetter und ließen uns den Spaß an unserem Ausflug nicht verderben. Als nächstes stand „Loch Ard Gorge“, das einige Kilometer westlich der „Zwölf Apostel“ liegt, auf dem Programm (oder wie Jenny es nannte: „Loch und Gorg“).

IMG_3754

In dieser Felsschlucht (englisch „Gorge“) ist am 01. Juni 1868 das Schiff „Loch Ard“ an einem Riff zerschellt. Von den 54 Passagieren haben nur zwei überlebt: die 18-jährige irische Immigrantin Eva Carmichael und der Schiffsjunge Tom Pearce. Als er an den Strand gespült wurde, hörte er Eva, die sich im Wasser an ein Schiffsteil klammerte und um Hilfe schrie. Über eine Stunde dauerte es, bis Tom sie gerettet hatte. Am Strand gab er ihr etwas Brandy (KEIN WITZ!), der vom Schiff an Land gespült worden war. Tom holte Hilfe und beide waren gerettet. Jetzt mal ehrlich, klingt das nicht wie ein Film?? Schon allein die Namen kommen mir so bekannt vor. Und dann noch die Geschichte mit dem Brandy! Hollywood hätte eine wahre Freude an Tom gehabt: erst rettet er eine junge (wahrscheinlich hübsche Frau) und – kaum ist sie bei Bewusstsein – füllt er sie ab! 🙂 Das MUSS doch einfach der Anfang einer großen Liebe sein, oder? Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Tja, aber da diese Geschichte (leider) nicht aus der Feder eines Drehbuchautors entsprungen ist, sah die Realität folgendermaßen aus: Tom wurde für die Rettung von Eva mit einer Medaille der „Royal Humane Society of Victoria“ in Melbourne geehrt und bekam von der Regierung von Victoria einen Scheck über 1000 Pfund. Eva blieb noch sechs Wochen in Australien und kehrte danach auf einem Schiff in ihre Heimat zurück (ihre ganze Familie starb scheinbar bei dem Unglück). Davon stand nichts auf der Infotafel an der Schlucht, da hört es mit der Rettung auf. Kein Wunder, wer möchte denn auch dieses Ende wissen?! Für solch ein Ende geht doch kein Mensch ins Kino! Sprang der Funke etwa nicht über zwischen den beiden? Nahm Eva es Tom übel, dass er sie gleich nach der Rettung abfüllen wollte? Mochte sie keinen Brandy? War die Trauer über den Verlust ihrer Familie zu groß, um sich auf eine Liebe in der neuen Heimat einzulassen? Prahlte Tom mit seiner Heldentat und nahm auf die trauernde Eva keine Rücksicht? Wartete etwa ein junger Ire zu Hause auf Eva, von dem sie durch die weite Reise nach Australien getrennt werden sollte? Waren sie sechs Wochen lang ein Paar und zerbrach dann die junge Liebe? Fragen über Fragen…. Ach, Eva und Tom, wie hätte ich Euch doch ein Happy End gegönnt! 🙂 In der Schlucht wurden übrigens Szenen eines Piratenfilms von 1982 und der TV-Serie „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ (1999) gedreht. Ob Die (Liebes-)Geschichte von Eva und Tom jemals verfilmt worden ist, konnte ich bisher nicht herausfinden. Aber das würde sicher ein Kassenschlager werden! 🙂

IMG_3771

Auf der Heimfahrt haben wir immer wieder an ganz vielen schönen Stränden und tollen Aussichtspunkten Halt gemacht. Gott sei Dank hatte sich das Wetter inzwischen auch gebessert. Tja, was soll ich sagen, wenn Engel reisen… 🙂 Wir hatten auf jeden Fall so viel Spaß, wie man sicher an den Bildern sehen kann:

IMG_3822

IMG_3826

IMG_3830

IMG_3828

IMG_3827

An diesem Wochenende war auch „Total Fire Ban“ – es durfte also gar kein Feuer angemacht werden. Wenn man dies doch getan hätte und erwischt worden wäre, hätte man mit einer sehr hohen Geldstrafen rechIMG_3842nen müssen. Was aber auch verständlich ist, denn schon ein kleiner Funke kann bei so einer Trockenheit ein großes Buschfeuer entfachen. Als wir auf der Great Ocean Road unterwegs waren, hörten wir im Radio immer Nachrichten zu den Buschfeuern um Melbourne. Bei einigen Gegenden hörte man folgende Warnung: „Es ist zu spät, das Gebiet zu verlassen. Bleiben Sie im Haus und machen Sie die Fenster zu!“ Wenn man dort wohnt und so eine aufmunternde und positive Nachricht hört, dann ist man doch gleich beruhigt. Vor ein paar Jahren war ein Ort, durch den wir an dem Tag durchgefahren sind (laut Aussage von Gregors Gastvater), vom Feuer eingeschlossen und die Bewohner mussten so lange im Meer warten bis die Feuerwehr die Flammen im Griff hatte! Es muss schlimm sein, wenn alles, was man besitzt, vom Feuer bedroht der gar zerstört wird! Eine Australierin hat mir gesagt, dass es die Buschfeuer schon immer gab und sich die Natur in Australien so immer wieder erneuert. Nur dadurch, dass der Mensch mittlerweile immer näher an die Natur herangezogen ist, sind diese inzwischen für die Australier so bedrohlich und verursachen so viel Chaos.

Ein Känguru haben wir zwar nicht gesehen, aber dafür einige dieser Straßenschilder! 🙂

IMG_3776

Was wir auch auf diesem Roadtrip gelernt haben ist, dass nicht alles, was in den Reiseführern steht, auch wirklich sehenswert ist. So machten wir uns auf die Suche nach einem Wasserfall, liefen ne Weile durch die Pampa und was erwartete uns?! Ein bisschen Wasser lief nen Stein herunter und darunter war eher eine stinkende Brühe als klares Wasser. Das war aber der einzige nicht wirklich schöne Fleck auf der Great Ocean Road, den wir entdeckt haben. Doch was macht man als vorbildlicher Tourist in dieser Situation? Augen zu und weg? Nein, Kamera gezückt und fleißig Bilder gemacht. 🙂

Da gab es scheinbar schon mal den ein oder anderen Zwischenfall, bei denen sich ein Tourist vertan hat… 😉 Gregor blieb aber immer auf der richten Seite! 🙂

IMG_3809

IMG_3886

IMG_3806

IMG_3894

IMG_3893

Am Ende sprangen die ganz mutigen – Jule und Gregor – in das nicht mehr wirklich warme Wasser am Bells Beach und ließen sich von den hohen Wellen nicht abschrecken – RESPEKT!

 

IMG_3861