Western Australia – Tag 1: Die Umarmung der Python oder das Tunnelabenteuer
Posted from Perth, Western Australia, Australia.
„An der Westküste war ich noch nie“, hörte ich oft von Australiern, die in Melbourne oder Sydney leben. Da das Reisen in Australien auch für die Einheimischen teuer ist, habe ich mich mit einigen unterhalten, die noch nie im Outback, Perth oder Northern Territory gewesen sind. Die Backpacker, die nur mehrere Monate bis zu einem Jahr Down Under verbringen, versuchen aber so viel wie möglich von diesem großen und faszinierenden Land in der kurzen Zeit zu erkunden. Daher war ich immer erstaunt, wie wenig manche Australier von ihrem eigenen Land gesehen haben. Allerdings muss man auch sagen, dass die Entfernungen einfach gigantisch sind und, wenn man ehrlich ist, reist man auch eher ins Ausland als sich jede größere Stadt in seinem Heimatland anzuschauen. Ungewohnt war es anfangs für mich auch, dass die meisten Urlaub „overseas“ machen oder eine zeitlang „overseas“ arbeiten, aber wenn man auf einer (wenn auch sehr großen) Insel wohnt, ist halt alles Übersee. Was meiner Erfahrung nach aber häufig vorkommt, ist, dass Australier meist des Jobs wegen eine Weile in London leben. Ich habe so viele Australier kennen gelernt auf die das zutrifft, so dass ich die These aufgestellt habe, dass die halbe Bevölkerung von London ursprünglich aus Melbourne kommt. Eine ganz andere Ecke von Australien zu sehen, hat mich schon von Anfang an gereizt. Da die Steffi – die ich damals beim Vorbereitungstreffen für das Deutsche Filmfestival des Goethe Instituts kennen gelernt hatte und mit der ich seitdem in gutem Kontakt geblieben bin – nun Au Pair in Perth war, ergab sich eine schöne Gelegenheit dazu. Netterweise konnte ich bei ihrer Gastfamilie (Franzosen) wohnen und ich freute mich auf vier tolle Tage in Western Australia.
Kolonie ohne Sträflinge?
Von Melbourne bis Perth sind es 2.721 Kilometer Luftlinie (3386km auf dem Landweg) – das ist etwa genauso weit wie Luftlinie von Würzburg nach Alexandria in Ägypten. Was für Entfernungen innerhalb eines Landes! Perth ist die Hauptstadt von Western Australia, dem flächenmäßig größten australischen Bundesstaat: Er ist etwa siebenmal so groß wie Deutschland! Allerdings leben dort nur 2,3 Mio Menschen, von denen wiederum rund 1,7 Mio in der Hauptstadt wohnen. Damit ist Perth die viertgrößte Stadt auf dem Kontinent. Obwohl es seit Jahren wächst, gilt sie als eine der isoliertesten Millionenstädte der Welt, weil sie durch große Wüstengebiete vom Rest des Landes getrennt ist. Ein kurzer geschichtlicher Abriss: Wegen der Abgeschiedenheit, des trockenen Klimas und der wenig ertragreichen Böden zeigte die britische Krone lange kein großes Interesse am Westen Australiens. Erst im Mai 1829 hisste Captain Charles Fremantle an der Mündung des Swan-Rivers die britische Flagge und nahm die Küste von Neu-Holland (so wurde Western Australia damals genannt) für Großbritannien in Besitz. Eigentlich wollten sie dort eine Kolonie ohne Sträflinge aufbauen (für Australien ja eine Seltenheit), allerdings hatten die Städter wenig Ahnung von Landwirtschaft, Missernten folgten und viele wanderten gen Osten ab. So beantragten die Siedler schließlich doch die Entsendung von Häftlingen. Zwischen 1850 und 1868 kamen 10.000 Strafverbannte in den Westen. Zu boomen begann die Region allerdings erst in den 1890er Jahren, als die Nachricht von Goldfunden in der Gegend um die Welt ging und dies viele Menschen in die entlegenen Gebiete lockte. Der Goldboom flachte nach 1903 rasch ab und erst als in den 1950ern das weltweit ergiebigste Eisenerzvorkommen gefunden wurde, stoppte die wirtschaftliche Flaute und Perth gewann an Bedeutung. Soviel nun zu Perth und Western Australia. 🙂
Schlangenalarm
Um viel vom Wochenende zu haben, flog ich schon um 7 Uhr früh von Melbourne los und war bereits um halb zehn in Perth. Steffi holte mich mit dem Auto ihrer Gasteltern ab und wir machten uns gleich auf Erkundungstour. Denn für die vier Tage hatten wir ein ehrgeiziges Programm, wir wollten die kurze Zeit ja ausgiebig nutzen. So starteten wir in Fremantle, das 19km
südwestlich der Stadt liegt, ein wichtiger Hafen zur Verschiffung von Rohstoffen ist und das einen schönen Stadtkern hat. Nach einem kurzen Abstecher im Arts Centre liefen wir durch die Innenstadt, aßen ein Sandwich und gingen dann zum Fremantle Market.
Kulinarisch gab es dort viele Versuchungen und so ließen wir uns einen Pie schmecken. Kaum war ich in Western Australia, schon überredete mich die Steffi zu etwas, von dem ich nie gedacht hätte, dass das mal freiwillig mache: Ich ließ mir doch tatsächlich eine Schlange um den Hals legen und spendete dafür
auch noch Geld! Was ich in Australien nicht alles ausprobierte, ich bin eindeutig mutiger geworden! Früher hätte man mir dafür noch Geld zahlen müssen. 😉 Man muss (fast) alles mal ausprobieren… Wir waren nicht die einzigen, die gegen eine Spende den „Wildlife Zoo“ betraten, einen Koala streichelten und sich von der Python umarmen ließen. Der Koala war mir etwas lieber, was man an den Fotos auch leicht sehen kann, oder? 🙂
Was für ein süßer Koala: https://www.youtube.com/watch?v=w9tJNSAHf4w&feature=em-upload_owner
Anschließend schauten wir kurz beim Gefängnis vorbei, beobachteten das Abfeuern einer Kanone und machten einen Stopp am „Old Round House“. Das war das erste Gefängnis der Swan-River-Kolonie, in dem die verbannten Sträflinge nach ihrer Ankunft in Fremantle vorübergehend untergebracht wurden. Steffi wartete draußen, weil sie sich das natürlich schon angeschaut hatte und ich unterhielt mich nett mit einem älteren Gästeführer, der mich sehr freundlich über die Geschichte des Gefängnisses aufklärte. Anschließend schlenderten wir (also Steffi und ich, nicht der Gästeführer und ich ;-)) am Hafen entlang und begutachteten ein Schiffswrack in einem Museum.
- Round House
- ein sehr hilfsbereiter Gästeführer
- Das Schiffswrack
- Steffi als Piratin
Abenteuertour unterm Gefängnis
Eine abenteuerliche Tunnel-Tour unter dem alten Gefängnis stand nun auf unserem Programm. Eine normale Führung kann
ja jeder machen und Gefängnisse sieht man genug, wenn man ein Jahr in Australien ist. 😉 Das alte Gefängnis wurde Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut und bis 1991 als Hochsicherheitsgefängnis genutzt. 1894 hatten die Gefangenen das 1km lange Tunnellabyrinth 20 Meter unter dem Gefängnis fertig gestellt. In den späten 1800ern sicherte dies
den Wasservorrat für tausende Menschen aus der Gegend. In engen Räumen habe ich teilweise ja Platzangst, daher war ich zuerst nicht ganz sicher, ob das was für mich ist. Aber, wer nicht wagt, der erlebt nichts Neues. 🙂 Zusammen mit unserem Tourguide Tristan (der wirkte, als ob er bekifft war und einen Witz nach dem anderen riss) erkundeten wir und acht weitere Mutige zu Fuß und in kleinen Booten das Stollenlabyrinth unter der Erde. Doch zuvor mussten wir uns erst mal für das Abenteuer wappnen: Nach einem Alkoholtest (gut, dass wir die Cocktails
am morgen diesmal ausgelassen hatten ;-)) wurden wir wie Höhlenforscher eingekleidet: Helm mit Lampe, weißer Overall, Stiefel und Sicherheitsgurt. Achherje, als ich sah, wie tief das nach unten ging, wurde mir schon ganz anders. Ich hatte mir irgendwie vorgestellt, man läuft eine Treppe runter oder so. Von wegen, das war eine richtige Herausforderung, denn wir wurden mit mit einem Haken an das Leitersystem fixiert und mussten mit einer bestimmten Technik beim Heruntersteigen eine Schiene mit dem eingehakten Gurt immer weiter schieben. Dadurch waren wir einerseits gesichert, andererseits musste man dadurch automatisch langsam und hochkonzentriert die Treppen hinuntersteigen, damit dieses System sich nicht verhakt. Als uns Tristan erzählte, dass uns das System ja keine Probleme machen dürfe,
weil es von Deutschen entwickelt worden sei, sagte ich natürlich großspurig: „So etwas lernen wir schon im
Kindergarten.“ Tja, gut, dass Steffi und ich dann wirklich nicht stecken blieben, das wäre dann nämlich peinlich gewesen. 😉 Leider durften wir in den Tunnel keine persönlichen Gegenstände mitnehmen und somit auch keine Fotos machen. Ein Video davon wäre schon lustig gewesen, denn es war ein einzigartiges Erlebnis durch das Tunnelsystem zu laufen und mit dem Boot zu fahren. In der Dunkelheit wusste man nicht, wo Spinnen oder Kakerlaken an der Wand hingen und vielleicht war es sogar besser, dass ich nicht alles sah, was dort so herumkroch. Zum Abschluss bekamen wir nach der dreistündigen Tour auch ein Zertifikat, dass wir alles heil überstanden haben. 🙂
- Unser Guide Tristan
- Deutsches System
- 20 Meter ging es in die Tiefe
- So krochen wir auch umher – das ist ein Foto aus dem Prospekt
- Das Bootsfahren war lustig – hier ein weiteres Bild aus dem Prospekt
- Mein Zertifikat 🙂
Nach diesem Erlebnis hatten wir uns ein Bier bzw. Cider verdient, das wir in einer ehemaligen Brauerei gegenüber des Fremantle Markets tranken. Auf der Heimfahrt machten wir dann noch Halt am Ufer des Swan Rivers und warfen einen Blick auf die beleuchtete Skyline von Perth. Beim Abendessen lernte ich Steffis Gastmutter kennen, die wirklich sehr nett war. Der nächste Tag sollte genauso interessant werden – Steffi zeigte mir PERTH.

































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