Die weltgrößte Platypus-Population und der freundliche Farmer

31. Oktober 2014 at 7:49

Posted from Mission Beach, Queensland, Australia.

Schweren Herzens mussten wir unseren Traumstrand in Palm Cove verlassen und machten uns über die Atherton Tablelands auf den Weg nach Mission Beach. Die Region liegt etwas im Hinterland und ist zwischen 600 und 1000m hoch. Aufgrund des fruchtbaren Bodens und des regenreichen Klimas wird es intensiv als Agrarland genutzt. Auf der Strecke habeIMG_8455n wir unter anderem Kaffee-, Ananas-, Bananen- und Nussplantagen gesehen, eine Milchfarm angeschaut und auch Zuckerrübensaft bei einem Stand an der Straße probiert. IMG_8497Die Frau hat ihn dort direkt aus den Zuckerrohrstangen herausgepresst und mit etwas Ingwer gemischt – das war richtig lecker. Außerdem haben wir den so genannten „Vorhang-Feigenbaum gesehen“.  Einen sehr hohen Feigenbaum, der im Lauf der Zeit umgekippt, mit anderen Bäumen zusammengewachsen ist und viele Wurzeln gebildet hat. Ein Highlight des Tages war „die größte Platypus (Schnabltier)-Population der Welt“. 🙂 Das Gelände mit einem großen und mehreren kleineren Seen lag etwas abseits von der Straße, aber für diese Menge an Schnabeltieren macht man doch gern einen Umweg. Wir hatten IMG_8465scheinbar gerade Glück, denn wir waren die einzigen Touristen, die diese Sensation sehen wollten. Nur ein einheimischer Angler saß an dem Tisch neben dem Tresen, hinter dem der Besitzer der Attraktion stand. In breitem Dialekt und mit einer Geschwindigkeit, die davon zeugte, dass er jeden Tag IMG_8477Touristenmassen abfertigt, erklärte uns der Mann alles Wissenswerte über den Platypus und schickte uns dann anschließend zu dem See, in dem die meisten Schnabeltiere der weltgrößten Population zu sehen seien – 12. Achja, die weltgrößte Population umfasst übrigens sagenhafte 70 Tiere! Warum er uns nicht zu dem Teich mit den 58 Schnabeltieren geschickt hat und wie er die scheuen Tiere eigentlich zählt, wird für immer sein Geheimnis bleiben. Doch bevor wir die Massen an Schnabeltieren zu Gesicht bekommen sollten, wurden uns wichtige Verhaltensregeln eingebläut: 1. Man darf keinen Regenschirm dabei haben (Gut, dass das Wetter schön war), 2. Man darf nicht mit ausgestrecktem Arm auf den Platypus zeigen (heftiges Kopfnicken und sonstige Verenkungen, um auf einen gesichteten aufmerksam zu machen, sind aber erlaubt) und 3. Man MUSS reden (wer Krach macht, ist kein Feind – sehr sympathisch! – FlIMG_8476os Kommentar: „Na ja, das fällt den Damen ja nicht schwer.“ 😉 Also redeten wir ununterbrochen, als wir am Teich standen, hatten vorbildlich keinen Regenschirm dabei und vermieden auffälliges Hindeuten – doch die Ausbeite war trotzdem ziemlich mager. Von weitem sahen wir ab und an mal einen Platypus, der aber schnell wieder untertauchte. Bei der weltgrößten Population hatten wir uns etwas mehr Action versprochen. Ein deutsches Ehepaar kam später dazu – scheinbar lassen sich nur die Deutschen mit so einem Superlativ locken und dazu verleiten, 5 Dollar dafür zu zahlen. Bei der Garantie, auf jeden Fall ein Schnabeltier zu sehen, hatte er nichts über die Entfernung zu dem Tier gesagt. Für die weltgrößte Population waren unsere Sichtungen etwas enttäuschend, aber jetzt haben wir wenigstens mal Schnabeltiere in der Natur gesehen. Danach ging es für uns weiter nach Mission Beach.

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 In Mission Beach war unser Campingplatz auch nicht weit vom Strand entfernt, aber nichts Besonderes. P1010009Die Mülltonnen waren schon länger nicht mehr geleert worden und als es dunkel war, war das Gelände schon etwas gruselig. Was uns nun schon bei einigen Campingplätzen aufgefallen ist: Sobald es um etwa halb P1010027sieben dunkel wird, ist dort tote Hose, alle sind in ihren Vans und schlafen früh. Am nächsten Morgen stehen die Leute aber schon zwischen 6 und 7 Uhr früh auf. Wir waren bis jetzt immer mit die letzten, die noch draußen saßen und auch am Morgen mit die ersten. Der Strand von Mission Beach ist auch sehr schön und so schmissen wir uns erstmal in die Fluten. Das Wasser war herrlich! Im einzigen Supermarkt des kleinen Örtchens kauften wir dann noch etwas ein und der Flo schlug sich noch bis zum nächsten Alkoholladen durch, während wir das Abendessen machten. Also, in Mission Beach ist der Hund begraben – außer einem schönen Strand gibt es da nicht viel.

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Als wir von Mission Beach nach Townsville gefahren sind, haben wir wieder viele Bananen- und vor allem Zuckerrohrplantagen gesehen. IMG_8494Wir hielten an einem kleinen Stand am Wegesrand, an dem ein älterer Mann Obst und Gemüse aus dem Eigenanbau verkaufte. Wir durften Wassermelone und Ananas probieren und es schmeckte beides total lecker und war sehr erfrischend. Während wir bei ihm dann Tomaten und eine Ananas kauften, schenkte er uns netterweise eine Viertel Wassermelone und eine Pomello. Wir haben uns eine ganze Weile sehr nett unterhalten. Er war IMG_8533Anfang 70, hatte früher als Jugendlicher auf einer Bananenplantage gearbeitet und besaß später 300 Hektar Anbaufläche, die in fünfter Generation bestellt wurde. Als der schlimme Zyklon im Jahre 2011 durch diese Gegend jagte, verlor er innerhalb von sieben Stunden Bananen im Wert von einer Millionen Dollar! Schrecklich! Er musste auf Drängen seiner Bank fast seinen gesamten Besitz verkaufen und hat nun nur noch 50 Hektar. Er gab zu, dass er drei Jahre daran zu knabbern gehabt hatte, weil er natürlich sehr an dem Familienbesitz hing. Man merkte, dass ihm das immernoch ziemlich zu schaffen machte. Aber er freute sich sichtlich, dass wir so interessiert waren und er sich mit uns unterhalten konnte. Etwas geknickt wirkte er auch, dass keines seiner vier Kinder die Farm übernehmen wollte. Sie hätten aber alle sehr gute Jobs, das war ihm wichtig zu betonen. Obwohl er italienischstämmig ist, war er noch nie in Europa, aber sehr an Deutschland interessiert. Das war ein sehr netter Zwischenstopp und wir haben sehr frisches und dazu noch billiges Obst und Gemüse bekommen.

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