Krokodilabenteuer und Daintree Nationalpark
Posted from Cape Tribulation, Queensland, Australia.
Ihr habt eine Louis Vuitton-Krokodillederhandtasche? Dann schaut Euch die mal genauer an. Denn wir haben die Krokodile gesehen, aus denen unter anderem das Leder für Schuhe, Handtaschen, etc. des Edeldesigners hergestellt wird! Unser netter griechischer Taxifahrer hatte uns nämlich ans Herz gelegt, unbedingt zu „Hartleys Crocodiles Adventures“ zu gehen, das nur etwa zehn Kilometer von Palm Cove entfernt liegt. Auf unserem Weg zum Daintree Nationalpark wollten wir dort eigentlich nur mal kurz vorbeischauen, aber die Frau an der Kasse hat gleich unseren kompletten Tag verplant: Fütterung der Cassowarries (so eine Art Emu), die rund um Cairns leben und scheinbar stark gefährdet sind. In Cape Tribulation haben wir später am Tag auch einen Cashew (Flos Eselsbrücke, weil wir uns den Namen der Tiere nicht merken konnten) in freier Wildbahn gesehen. Anschließend gab es eine Führung durch die Krokodilfarm, dann eine Bootsfahrt, Fütterung der Salz- und der Süßwasserkrokodile und später noch Shows, aber die haben wir ausgelassen, denn unser ursprüngliches Ziel war ja der Nationalpark. Die Fütterung war nicht so spektakulär, aber die Führung durch die Krokodilfarm ganz interessant. Nick, der mit beigen Shorts und Hemd wie ein Ranger aussah, erklärte uns, dass sie 3000 Krokodile auf der Farm haben und jedes Jahr rund 1600 verkaufen – beziehungsweise deren Einzelteile.
Denn alles – Haut, Fleisch, Füße, etc. – vom Krokodil wird weiterverarbeitet. Louis Vuitton hat sich also die Rechte an dem Krokodilen gesichert, was natürlich erstens ein super Aushängeschild für die Farm und zweitens eine gute Einnahmequelle ist. Pro Krokodil bekommen sie 900 Dollar von Louis und der verkauft seine Schuhe und Handtaschen dann für mehrere Tausend weiter. Deshalb achten die Mitarbeiter der Farm auch darauf, dass die Haut der Tiere unversert ist. „Wenn die Krokodile schlau wären, würden sie ihre Bäuche immer mal gegen die Wand reiben“, sagte Nick mit einem Grinsen. Arme Tiere, denkt man da. Aber Nick rechtfertigt die Farmarbeit damt, dass in der freien Natur von den 40-50 Eiern in der Regel nur ein Prozent überlebt – auf der Farm seien es dagegen 98 Prozent. So hätten sie wenigstens drei Jahre gelebt. Wenn die Krokodile ihre Eier gelegt haben, gehen drei Mitarbeiter zu dem Weibchen rein – einer nimmt die Eier und die anderen beiden passen auf das Krokodil auf. Wenn das Muttertier die Eier legt, verfällt es nämlich in eine Art Trancezustand. Man möchte aber nicht gerne in ihrer Nähe sein, wenn es aufwacht und sieht, dass seine Eier geklaut werden. Die Eier werden dann unter Wärmestrahler gelegt und je nachdem welche Temperatur man einstellt, wird es entweder ein Männchen (bei über 30 Grad) oder Weibchen (bei unter 30 Grad). Die Eier dürfen aber auch nicht umgedreht werden, weil dann das Baby-Krokodil im Ei stirbt. Deshalb mache die Mitarbeiter immer ein Kreuz auf der Oberseite des Eis. Bei Hartleys wollen sie hauptsächlich Männchen, weil die schneller wachsen. In großen Tanks werden die Salzwasserkrokodile – geiches Geschlecht und Alter zusammen – dann gehalten bis sie eine bestimmte Größe haben und aggressiver gegenüber ihre Artgenossen werden. Dann kommen sie in Steingehge. Wenn die Tiere, die wir dort gesehen haben, wüssten, was ihnen blüht. Eines hatte es scheinbar mal mitbekommen oder geahnt, denn es wollte flüchten.
Nebenbei erzählte uns Nick, dass wir das Absperrrseil zu den Gehegen der sich paarenden Tiere nicht überschreiten sollen, weil die Tiere auch schon mal die Zäune einreißen können – das sei ja schon mal passiert. Aha, sehr beruhigend. Erst dachte ich, er macht Scherze, aber scheinbar ist dort mal ein wütendes Krokodil ausgebüchst. Das ist aber natürlich kein Grund einen richtigen Zaun dorthin zu bauen – ein einfaches Absperrseil reicht. Mit vielen Informationen versorgt ging es für uns dann zur Bootstour. Auf einem schön angelegten See konnten wir die ausgewachsenen Krokodile ganz nah sehen. Erstaunlich war, dass Nick, der nun auch das Boot fuhr – wahrscheinlich steht er auch noch in der Küche und macht die Kroko-Burger – alle Krokodile mit Namen kannte und sie scheinbar auch unterscheiden konnte. Mit einer Stange, an der Hühnchen befestigt war, lockte er die Tiere an und brachte sie dazu, möglichst hoch aus dem Wasser zu springen. Teilweise können sie bis zu dreiviertel ihres Körpers aus dem Wasser heben. Das war wirklich beeindruckend! So einem Tier möchte man nicht an einem See begegnen…Krokodile könnnen auch lange ohne Futter überleben – eines der Farmkrokodile wurde mal für 9 Monate nicht gesehen und sie dachten schon, dass es tot ist und dann tauchte es wieder auf. Die Fütterung der Salz- und Süßwasserkrokodile war ganz interessant, aber nicht viel anders als auf dem Boot. Was ich zum Beispiel nicht wusste ist, dass Salzwasserkrokodile nicht zwangsläufig im Salzwasser leben. Außerdem erklärte mir Mario, einer deer Tierpfleger, dass der Geschmack des Krokofleisches stark davon abhängt, was man ihnen zum Fressen gibt. Als ich mit der Steffi Krokodilfleisch in Perth probiert hatte, fand ich ja, dass es wie Hühnchen geschmeckt hat. Jetzt weiß ich auch warum. Bei Hartleys füttern sie die Krokodile hauptsächich mit Kängurus und Schweinefleisch. Interessat wäre nun, wie die Krokodile schmecken, die in freier Wildbahn und nicht in Gefangenschaft leben. Für je 5 Dollar haben der Flo und ich die Süßwasserkrokodile anschließend auch mit Hilfe eines Stabes gefüttert. Wir sollten sie erst ein bisschen mit dem Köder ärgern und hochspringen lassen, aber die Tiere waren so schnell, dass wir den Stab gar nicht schnell genug wegziehen konnten. Zum Abschluss aßen der Flo und ich dann noch einen Krokodilburger, der gut schmeckte, aber durch die Soßen und das Angebratene konnte man den Eigengeschmack nicht richtig ausmachen. Insgesamt war der Vormittag auf der Krokodilfarm richtig interessant und viel besser als wir erwartet hatten.
„Where the reef meets the rainforest“
Nun machten wir uns auf zum Daintree Nationalpark. Mit einer Fähre fuhren wir über den Daintree Fluss in einen der „größten zusammenhängenden Regenwaldregionen Nordaustraliens“. Während die Angela im „Daintree Discovery Centre“ alles über den Regenwald lernte, fuhren der Flo und ich zum Cape Tribulation und sahen auf dem Weg dahin auch ein Cashawarry in freier Wildbahn. Als wir den bekanntesten Strand von Cape Tribulation sahen, verschlug es uns fast die Sprache.
Es war wirklich traumhaft! Der Regenwald grenzt hier direkt an einen wunderschönen Strand und wächst in das Wasser hinein. Hier hätten wir uns gern noch etwas länger aufgehalten. Wir sind ein bisschen am Strand und im flachen Wasser entlang gelaufen und haben uns den tollen Strand von einem Aussichtspunkt aus angeschaut.
Leider mussten wir dann schon wieder weiter, aber wir sind uns sicher, dass dies einer der schönsten Strände Australiens ist. Nachdem wir die Angela wieder aufgegabelt hatten, ging es wieder auf die Autofähre. Den Sonnenuntergang sahen wir bei der Flussüberfahrt und unterhielten uns nett mit einer Mitarbeiterin der Fährgesellschaft. Sie erzählte uns auch, dass bei der Regenzeit und bei Überflutungen schon mal Krokodile an unserem Traumstrand entlang laufen! Das kann man sich gar nicht vorstellen. Von der Fähre aus sahen wir auch ein Krokodil im Wasser und die nette Frau sagte uns, dass die Krokodile immer warten, bis die Fähre vorbei ist und dann weiterschwimmen. Sie haben gemerkt, dass sie durch die Kabel der Fähre nicht weiterkommen. Interessant, oder?!
Diesen ereignisreichen Tag rundete ein nettes Gespräch mit unseren holländischen Nachbarn ab, die mit dem Jucy Campervan von Brisbane nach Cairns gefahren sind, uns Tipps und auch noch einige ihrer Essenvorräte gegeben hatten, weil sie am nächsten Tag schon wieder nach Asien geflogen sind.













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