Posted from Melbourne, Victoria, Australia.
Australien ist – wie Ihr durch meine Blogeinträge mittlerweile mitbekommen habt – leider ziemlich teuer. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen – hieß es deshalb auch für mich, um noch mehr schöne Ecken dieses tollen Landes erkunden zu können. Mit dem Working Holiday Visum kann man in fast allen Bereichen in Australien arbeiten – außer zum Beispiel im Gesundheitssektor. Eines war für mich aber von Anfang an klar: Ich wollte auf keinen Fall kellnern oder eine Küchenhilfe sein. Am liebsten hätte ich eine Tätigkeit in einem Büro begonnen, allerdings merkte ich schnell, dass das für mich nicht möglich sein würde. Solche Jobs bekam man nur mit dauerhafter Aufenthaltsgenehmigung und wenn man mindestens noch ein halbes Jahr in Australien blieb.
Meine zwei Lieblingsfamilien
Bereits während meiner Au Pair-Zeit babysittete ich bei zwei Familien, wenn der Tristan in der
Schule war. Einmal (und eine Weile auch zweimal) die Woche passte ich auf Sophie auf, deren Mutter Australierin und deren Vater Deutscher ist. Sie
wollten gerne, dass noch eine weitere Person neben dem Vater mit ihrer sechs Monate alten Tochter Deutsch spricht und da kam ich ins Spiel. 😉 Sophie hatte ich sofort ins Herz geschlossen und ich freute mich immer, wenn ich zu ihr gegangen bin. Ihre Mutter war Lehrerin in Mutterschutz und hatte später stundenweise wieder angefangen zu arbeiten. Während ich bei ihnen war, erledigte sie Sachen für sich und für die Schule, ging mal zum Friseur oder einkaufen. Sophie und ich gewöhnten uns schnell aneinander, spielten zusammen,
ich ging mit ihr Spazieren, las ihr etwas vor, fütterte sie und wickelte sie manchmal (meistens erledigte das die Julie). Je älter sie wurde, desto mehr konnte ich natürlich mit ihr machen und man merkte auch, dass sie Deutsch schon gut verstand. Ihr Vater sprach
mal Deutsch, aber in der Regel Englisch mit ihr. Mit der Mutter Julie verstand ich mich auch sehr gut, wir unterhielten uns viel, ich brachte ihr auch etwas Deutsch bei und war eine der ersten, die erfuhren, dass Sophie ein Geschwisterchen bekommen sollte. Als ich in die WG mit der Sarah zog, lieh sie mir auch Bettwäsche, Kissen, etc. und bot mir sogar an, übergangsweise bei ihnen zu wohnen, falls ich nicht gleich ein Zimmer finden sollte.
Kurz nachdem ich bei ihnen angefangen hatte, zogen sie in ein größeres Haus und dort hatte Sophie noch mehr Platz zum Spielen. Gerade in dem Alter machen sie von Woche zu Woche so viele Fortschritte und entwickeln sich so schnell – es ist schön,
das über Monate mit zu bekommen. Man glaubt nicht, wie man sich an ein Kind gewöhnt und wie sich ein Kind an einen selbst gewöhnt – auch wenn man nur einmal die Woche kommt. Einmal saß Sophie auf dem Schoß ihrer Mutter und fing an zu weinen, als ich wegging. Im Oktober war ich dann bei ihrer ersten Geburtstagsfeier dabei und kurz bevor ich wieder nach Deutschland geflogen bin, fing sie an zu laufen! Ich war so stolz! 😉 Zufälle gibt es! Auf der Webseite von „Deutsche in Melbourne“-Seite inserierte eine deutsche Familie, die einen Babysitter suchte und diese Familie war doch tatsächlich aus Würzburg! Unglaublich! Eine sehr liebe Familie, die für zwei Jahre in Melbourne ist,
da der Vater an der dortigen Uni arbeitet. Einmal die Woche passte ich auf den zweijährigen Felix auf, der etwas Zeit
brauchte, bis er sich an jemand Neuen gewöhnte. Mit der Zeit durfte seine Mutter Kathi auch weggehen, wenn ich da war und Erledigungen machen – das war ein gutes Zeichen! Felix ist ein ganz süßes, aufgewecktes Kerlchen, der gerne mit Legosteinen Schiffe baut, mit Autos spielt, aus Büchern Geschichten vorgelesen bekommt und Spaß daran hat, mit Kinderfahrzeugen herumzufahren. Mit seinen Eltern, die nur ein paar Jahre älter sind als ich, war ich sofort auf einer Wellenlänge und besonders mit der Kathi quatschte ich viel, wir tauschten Melbourne- und Australientipps aus und erzählten uns unsere Neuigkeiten. Einige Monate später wurde Felix´ kleiner Bruder David geboren – ein ganz Süßer, auf den ich ab und an auch mit aufpasste. Es war immer, als ob ich zu Freunden und nicht zur Arbeit ging, wenn ich zu ihnen nach Coburg (ein Stadtteil von Melbourne) fuhr. Zu beiden Familien habe ich im Laufe der Monate eine enge Verbindung aufgebaut, bin auch jetzt noch in guten Kontakt mit ihnen und freue mich immer, wenn ich höre, wie es den Kids geht. 🙂

Kathi, Felix, David und ich
Babysitten
Nachdem ich ausgezogen war, hatte ich zusätzlich noch bei anderen Familien gebabysittet. Einige Male habe ich zum Beispiel
auf den vierjährigen Olli und seine eineinhalbjährige Schwester Matilda aufgepasst, deren Mutter einmal die Woche
von zu Hause gearbeitet hatte. Ich passte auf den kleinen Wirbelwind und seine Schwester auf, ging mit ihnen auf den Spielplatz, in den Park und half der Mutter mit dem Putzen des Hauses. Sarah war sehr nett, immer im Stress als berufstätige Mutter und versorgte mich mittags auch mit Essen. Während ich auf die Kleinen aufpasste, versuchte sie neben der wöchentlichen Telefonkonferenz immer einzukaufen, Erledigungen und ab und an auch Sport zu machen. An einem Wochenende half ich einer netten deutschen Familie, die kurz vor ihrer Rückkehr in die Heimat stand. Ich beschäftigte die beiden Kinder, so dass die Eltern Kisten packen konnten. Von ihnen bekam ich jede Menge Konserven, die sie nicht mehr aufbrauchen konnten. Ab und an passte ich auch auf Thomas und Eric auf – die Zwillinge, die mit dem Tristan befreundet sind und mit deren Mutter Kim ich mich gut verstand und auch oft getroffen hatte. Einmal stellte ich mich auch bei einer Familie als Babysitterin vor, die in Brighton – einem wohlhabenderen Stadtteil von Melbourne – wohnte. Die Eltern betrieben 25 Subway-Läden, hatten einen Pool und vom Flur aus konnte man durch eine Glasscheibe in die Garage schauen, in der zwei dicke Autos standen. So etwas hatte ich auch noch nicht gesehen. 🙂 Ab und an babysittete ich auch abends auch zwei Kinder von einem Schweden und einer Japanerin auf, die beide auch sehr nett waren. Der Schwede arbeitete früher in L.A. als Designer und war in Melbourne für eine Autofirma tätig. Als ich im Internet eine Anzeige aufgab, in der ich einen Babysitterjob suchte oder Deutschunterricht anbot, meldeten sich neben normalen Leuten übrigens auch jede Menge Idioten. Einer fragte mich doch tatsächlich, ob ich bei ihm putzen könnte und ob es mich stören würde, dass er Nudist sei. Nur um das klarzustellen, den Job nahm ich nicht an. 😉
Burger, Mysteryshopper, Gala und Wasserballon
Über das Internet fand ich jede Menge Nebenjobs. So half ich zum Beispiel Katie, einer Frau mittleren Alters, beim Umzug. Zusammen mit einem anderen deutschen Backpacker packte ich Bücher, CDs, Küchenutensilien, etc. in Kartons und half ihr beim Putzen. Man glaubt nicht, wie manche Menschen leben! Katie hat scheinbar in den Jahren, in denen sie in diesem Haus gewohnt hatte, niemals Staub gewischt! Eklig! In der Wohnung lag doch tatsächlich Laub, das der Wind hineingeweht hatte! Unglaublich! Katie war so dankbar für unsere Hilfe, dass sie den Florian und mich abends noch in ein Pub eingeladen hatte. Ein paar Mal traf ich mich auch mit Jon, einem Backpacker aus England, der aus Interesse Deutsch lernen wollte. Deutsche Backpackerfreunde hatten ihm bis dahin nur die wichtigsten Wörter, um Körperteile benennen zu können oder ein Bier zu bestellen, beigebracht. Ich erweiterte seinen Wortschaft etwas. 😉 Claudia von „Deutsche in Melbourne“ erzählte mir dann von einer australischen Webseite, auf der Leute alle möglichen Nebenjobs posten, man sich um den Job bewerben kann und man nach getaner Arbeit bewertet wird. Das war eine klasse Sache und von da an machte ich viele Jobs darüber. Dort posteten die Leute wirklich alle möglichen Jobs – vom Putzen, Computerhilfe, Handwerkertätigkeiten und Gartenarbeit über Fahrstunden, Übersetzungen und Flyeraustragen bis hin zu Uniarbeiten schreiben, Logos entwickeln und den Lebenslauf überarbeiten. Es gab nichts, was es nicht gab – so suchte ein Mann jemanden, der für ihn einen Liebesbrief schrieb oder eine Frau jemanden, der ihr die Haare kämmte (äh, das hörte sich zu seltsam und verrückt an). 😉 Einige lustige und coole Jobs bekam ich über diese Webseite:
- Einmal lieferte ich einem Typen, der in der Mittagspause sein Büro nicht verlassen konnte, einen Burger! Sein Büro lag eine Straße von unserer Wohnung entfernt und an dem Burgerladen lief ich eh auf dem Heimweg vorbei. Der Typ war total nett und gab mir ein sehr großzügiges Trinkgeld! 🙂
- Für einen Geschäftsmann aus Sydney tauschte ich ein T-Shirt um, das er in der falschen Größe gekauft hatte und nicht mehr zu dem Laden nach Fitzroy fahren konnte.
- „Nom, nom, nom“ sollte ich einmal auf einen Zettel schreiben und zusammen mit zehn Energieriegeln in einen Briefkasten werfen. Der Auftraggeber war aus Melbourne weggezogen und wollte einer Freundin eine Freude machen.
- Für eine Studentin ging ich in einen Waschsalon, las in einem Buch
und wartete bis ihre zwei Ladungen Wäsche gewaschen waren. Keine Ahnung warum sie das nicht selber machen wollte, der Waschsalon war nur 5 Minuten von ihrer Wohnung entfernt. Umso besser für mich. 😉
- Mysteryshopper war ich auch zweimal. Was das ist? Man geht in einen Laden, tut so als ob man sich für ein Produkt interessiert, lässt sich von einem Verkäufer beraten und füllt danach einen Fragebogen aus. Man führt darin aus, wie freundlich der Verkäufer war, wie viele Kunden im Raum waren, was der Verkäufer gefragt oder einem angeboten hat, ob er den Kunden auf Rabatte/Abzahlmöglichkeiten aufmerksam gemacht hat, etc. Sehr interessant!
- Für eine Eventagentur half ich auch mal bei der Vorbereitung einer Gala. Zusammen mit anderem Helfern schmückte ich einen großen Saal, stellte Teelichter auf und dekorierte.
Das hat mir viel Spaß gemacht! Das Motto war irgendetwas mit Asien und der Raum sah anschließend super aus! Für die Deko verantwortlich war ein Typ, der der Zwillingsbruder vom Bruce Darnell hätte sein können – diese Tonlage, die Gesten und sein Auftritt! 😉 Er sagte immer: „Darling, that´s sooo beautiful, you are doing an amazing job! Wonderful!“ Haha, genial!
- Der lustigste Job war für Studenten – die eine App entwickelt hatten, mit der man die Farben auf der Handy-Tastatur irgendwie ändern konnte. Sie wollten ein Werbevideo drehen, bei dem mit Lebensmittelfarbe gefüllte Ballons auf Leute geworfen werden. Mal lag einer am Strand und wurde beworfen,
fuhr auf einem Einrad und wurde beworfen und ich saß auf einer Bank und wurde beworfen. Die Jungs waren total nett, der Dreh war echt lustig (sie warfen erst ein paar Mal daneben) und ich wurde Gott sei Dank nur am Bauch und den Beinen getroffen (der auf dem Einrad wurde mit roter Farbe direkt im Gesicht erwischt, er sah aus, als ob er einen Unfall hatte). In weiser Voraussicht hatte ich meine ältesten Klamotten angezogen, aber die Farbe ging beim Waschen auch wirklich raus. Der Dreh dauerte ca. 20 Minuten und wurde richtig gut bezahlt!
- Zwischendurch habe ich auch Übersetzungen vom Englischen ins Deutsche und umgekehrt gemacht, mal ein PDF abgeschrieben und für eine ältere Frau die Hemden ihres Mannes, Bettwäsche, Geschirrhandtücher (wer bügelt denn so etwas?!) und Tischdecken gebügelt.
- Ein blöder Job war, als ich Werbemagneten austragen sollte. Es waren ein paar Hundert und ich kannte die Gegend gar nicht. Den Job hätte ich nicht annehmen sollen, denn ich musste erst mal ne knappe Stunde mit dem Zug mitten in die Pampa fahren und dann waren das immer einzelne Häuser, es ging Berge rauf und runter. Innerhalb von zwei Stunden hatte ich nur etwa 50 Magneten ausgetragen. Nach ein paar Stunden fuhr ich wieder zurück, das hatte ohne Auto echt keinen Sinn.
- Als das neue iPhone 6 rauskam, wurde auch in Australien ein riesiger Hype draus gemacht und vor den Geschäften bildeten sich schon Tage davor lange Schlangen. Über diese Webseite suchten einige Leute, die sich für sie die Nacht über anstellten und dann kurz vor Ladenöffnung mit ihnen wieder tauschten. Dafür zahlten viele um die 100 Dollar! Ich fand die Idee, mir mit so vielen IT-Verrückten die Nacht um die Ohren zu schlagen, lustig und dachte, so etwas mache ich wenn nur hier. 😉 Ich hatte mit einem Asiaten Kontakt, für den ich mich eigentlich anstellen sollte, der hatte mehrere Leute beauftragt, wollte für Spiele, Snacks und Getränke sorgen. Wäre sicher eine interessante Nacht geworden! Da ich sowieso ein Nachtmensch bin, hätte ich mir die Nacht schon mit Leute beobachten, lesen und schreiben um die Ohren geschlagen. Allerdings hat er mich einen Tag davor mittags angerufen und gesagt, dass es keinen Sinn hat, weil zu dem Zeitpunkt schon 100 Menschen vor dem Apple-Store anstanden (am nächsten Tag um 8 Uhr oder so machte der erst auf!!!) und sich seiner Ansicht nach zu viele „professionelle Schwarzmarkthändler“ dort aufhielten, die sehr gut organisiert waren. So stellte er sich alleine an – ob er eines der ersten iPhones bekommen hat, weiß ich nicht. Im Fernsehen hab ich dann gesehen, dass derjenige, der in Sydney das erste iPhone im Laden erworben hatte, so aufgeregt war, dass es ihm runterfiel…
Staubwischen, Saugen, Wischen, Badputzen
Die meisten Jobs auf der Webseite waren Putzstellen und dabei verdiente man auch am besten. Also nahm ich auch einige Putzjobs an, wobei manche nur einmalig (Grundreinigung, Frühjahrsputz, etc.) waren und sich aus anderen wöchentliche Aufträge ergaben. Fast alle Familien waren sehr nett; interessierten sich für Deutschland, meine Reisepläne und behandelten mich eher wie einen Gast als wie eine Putzhilfe:
- Regelmäßig ging ich zum Beispiel zu einer älteren Dame,
der eine Wohnung im Eureka-Tower (dem höchsten Gebäude in Melbourne) gehörte. Von ihrer Wohnung hatte man einen super Ausblick über die Stadt! Wenn ich dort leben würde, würde ich den ganzen Tag nur aus dem Fenster schauen. 😉 Die Zimmer waren picobello und ich wusste gar nicht, was ich eigentlich noch putzen sollte. Interessant waren die Gespräche mit ihr, denn sie war die Ex-Frau vom früheren deutschen Konsul in Darwin! Eine Weile hatte sie in Stuttgart gelebt und so sprachen wir viel über Deutschland, Australien und die Unterschiede zwischen beiden Ländern.
- Sehr nett war es auch immer bei Mike, der Anfang 40 war und mit drei anderen Männern in einer WG lebte. Das erste Mal kam ich zu ihnen, als ihr Vermieter sich kurzfristig für den nächsten Tag ankündigte und sie „den Eindruck erwecken wollten, als seien sie reinlich“. 😉 Die Männer waren immer sehr lustig!
- Bei einer Innenarchitektin, die eine kleine Tochter hatte und erst kürzlich – nach jahrelangem Aufenthalt in London – zusammen mit ihrem Mann wieder nach Melbourne kam, putzte ich auch regelmäßig. Sie wohnten übergangsweise in einer komplett renovierten Wohnung bis sie ein Haus gefunden hatten. Die Wohnung war in einem coolen Haus, in dem man mit dem Aufzug in die Apartments fuhr und in dem anscheinend auch eine bekannte australische Serie gedreht wurde („The Block“ oder so). Wie es in den meisten Wohnungen oder Häusern in Australien üblich ist, hatten sie mehrere Bäder – im Schlafzimmer hatten sie zwei (für jeden eines!), das einjährige Mädchen hatte ein eigenes Bad, das Gästezimmer auch und dann gab es noch eine Gästetoilette!
- Einmal die Woche machte ich auch bei einem Anfang Dreißigjährigen Ordnung, der griechische Wurzeln hatte und mit Italienern in einer WG wohnte. Er war Anwalt, aber nicht grad der ordentlichste und trocknete doch tatsächlich seine Hemden im Schrank! 😉
- Sehr nett war auch eine Familie mit drei kleinen süßen Mädchen, die auch ein paar Jahre in London gelebt hatte. Von Yuen, der Mutter, bekam ich sogar ein Weihnachtsgeschenk.
- Einmal putzte ich bei einer Russin, die in einem Außenbezirk von Melbourne wohnte und ein ziemlich großes Haus hatte.
- Als ich einer Frau half, das leerstehende Haus ihrer Eltern etwas in Ordnung zu bringen, bevor sie es verkaufte, lernte ich auch ihre 89-jährige Mutter kennen. Die Frau war ursprünglich aus Polen und freute sich so, dass sie mit mir etwas Deutsch sprechen konnte, so dass sie mir heimlich 5 Dollar zusteckte.
- Sehr nett war auch ein junges Paar, das kurz zuvor Eltern geworden ist.
Der Mann hatte früher bei Coca-Cola im Marketing gearbeitet und vertrieb jetzt mit Freunden eine mexikanische Limonade, die sie nach Australien exportierten.
- Als seine Familie in Urlaub war, mistete ich zusammen mit einem italienischen Vater die Kinderzimmer, etc. aus und half ihm, Ordnung ins Haus zu bringen.
- Für einen Job stand ich mal um 4 Uhr früh auf, weil ein Kerl Anfang 30 um 6 Uhr früh jemanden brauchte, der die Wohnung putzte, bevor die Freundin wieder aus dem Urlaub kam. Die Zimmer waren nicht wirklich dreckig und für diese zwei Stunden wurde ich fürstlich entlohnt! 😉
- Einmal engagierte mich auch eine Jungs-WG, um nach ihrer „Oktoberfest-Party“ (keiner der Jungs war übrigens Deutscher) Ordnung in das Chaos zu bringen, die Bier-Flaschen einzusammeln und den total verklebten Boden wieder halbwegs sauber zu machen.
- Was für mich immer sehr unangenehm war, waren Haushalte mit Katzen. Ich bin ja kein großer Katzenliebhaber und diese Katzenhaare waren dann immer überall. Bei einem sehr netten Ehepaar, die viel in der Welt umher reisen und zwei Katzen hatten, putzte ich alle zwei Wochen. Sie war Lehrerin und er im IT-Bereich tätig, beide waren aber keine großen Ordnungsfanatiker. Er hatte lange graue Haare zu einem Zopf gebunden, trug oft Leggins und manchmal Ballerinas. Beide waren in ihrer Kirchengemeinde sehr engagiert und luden mich auch zu ihrem Weihnachtsmusical ein. Schrecklich waren die Katzen einer Familie, die mich regelrecht verfolgten. In jedem Zimmer saß eine auf dem Bett und als ich sie endlich alle durch die Tür in den Garten befördert hatte, kamen sie von der anderen Seite wieder rein – durchs Fenster! 😉
- Bei einer indischen Familie, die in einer sehr kleinen unordentlichen Wohnung hauste, ordnete ich die gesamten Küchenschränke neu.
- Eine Frau engagierte mich mal nur dafür, ihre Wäsche zusammen zu legen.
Bei all den Jobs bekam ich immer super Bewertungen, es entstanden oft längerfristige Aufträge und ich wurde auch an Freunde weiterempfohlen (so war die Frau, die in das „The Blocks“-Haus zog, die Patin der Kinder des Schweden). Viele Grundreinigungen oder Frühjahrsputzjobs dauerten um die 5 Stunden und waren echt anstrengend. Oftmals hatte ich 2-3 Putzjobs an einem Tag (oft auch an den Wochenenden, an denen ich dann abends noch weggegangen bin ;-)) und danach weiß man, was man geschafft hat. Nur einmal bewertete mich eine Neuseeländerin schlecht, deren Haus ich 7 Stunden lang putzte. Ich erledigte alles von ihrer Liste, machte Zimmer für Zimmer durch, bekam aber ihren Ofen nicht richtig sauber. Sie sagte damals, dass das schon passt und ihr Mann schickte mich nach sieben Stunden heim. Als sie mich dann schlecht bewertete, war ich richtig sauer, weil sie Sachen bemängelte, die ich gemacht hatte. Wenn das einmal in dem Portal steht, dann kann man nichts richtigstellen, auch wenn es nicht wahr ist. Gott sei Dank ging das durch die vielen guten Bewertungen unter, trotzdem regte mich das auf! 😉
Interessante Einblicke
Durch diese verschiedenen Jobs in den unterschiedlichsten Stadtteilen von Melbourne kam ich mit Menschen unterschiedlicher Herkunft aus allen sozialen Schichten, Berufen und verschiedenen Alters in Kontakt, sah wie sie wohnten und lernte durch Gespräche mit ihnen viel über ihr Leben. Das ermöglichte mir Einblickte, die man durch eine Tätigkeit in einem Büro, einem Café oder Laden nicht erhält. Obwohl die Arbeit anstrengend, teilweise unangenehm und manchmal eklig war, bin ich froh, dass ich diese Erfahrung gemacht und dadurch so viele unterschiedliche und nette Leute kennen gelernt habe. So etwas macht man auch nur einmal im Leben. Interessant war, dass diejenigen mit der unordentlichsten und dreckigsten Wohnung immer angeblich eine Stauballergie hatten. Deswegen konnten sie selbst nicht putzen – natürlich! 😉 Was mich auch erstaunte war, wie schnell die Menschen in Australien Fremden vertrauen. Obwohl sie nur meinen Vornamen kannten, ließen sie mich sofort mit ihren Kinder und in ihren Wohnungen allein, gingen in der Zeit einkaufen oder machten Erledigungen. Nur einmal wollte eine Familie meinen Ausweis sehen. Es ist schön, dass dieses Grundvertrauen der Australier scheinbar noch vorhanden ist – ich wäre wahrscheinlich vorsichtiger und misstrauischer gewesen. 🙂
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