{"id":366,"date":"2014-01-22T22:48:33","date_gmt":"2014-01-22T20:48:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/?p=366"},"modified":"2014-02-15T14:58:44","modified_gmt":"2014-02-15T12:58:44","slug":"mangelhafte-skizzen-102-millionen-dollar-und-ein-architekt-wirft-das-handtuch-das-opernhaus-in-sydney","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/?p=366","title":{"rendered":"Mangelhafte Skizzen, 102 Millionen Dollar und ein Architekt wirft das Handtuch &#8211; das Opernhaus in Sydney"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"location-link\" href=\"#\" id=\"location366\" name=\"-33.8568704,151.2152787\" onclick=\"return false;\">Posted from Sydney, New South Wales, Australia.<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_2982.jpg\" data-rel=\"lightbox-image-0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-372\" alt=\"IMG_2982\" src=\"http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_2982-1024x576.jpg\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_2982-1024x576.jpg 1024w, http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_2982-300x168.jpg 300w, http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_2982-97x55.jpg 97w, http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_2982.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem ich etwa 5.000 Bilder von allen erdenklichen Seiten des Opernhauses gemacht hatte, war es an der Zeit, das Wahrzeichen Sydneys mal von innen anzuschauen. \ud83d\ude42 Sch\u00f6n ist, dass es dreimal die Woche sogar F\u00fchrungen auf Deutsch gibt. Der Rundgang dauert eine Stunde und ist mit 35 Dollar (etwa 23 Euro) nicht gerade billig. Da wir uns von den Erdm\u00e4nnchen im Zoo nicht losrei\u00dfen konnten, kam ich gerade so p\u00fcnktlich zur F\u00fchrung, musste aber von der F\u00e4hre zum Opernhaus rennen. Kaum in Australien, schon war\u00b4s das also mit der deutschen P\u00fcnktlichkeit. Wir bekamen alle Headsets und los ging es.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_3149.jpg\" data-rel=\"lightbox-image-1\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-367 alignleft\" alt=\"IMG_3149\" src=\"http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_3149-300x168.jpg\" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_3149-300x168.jpg 300w, http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_3149-1024x576.jpg 1024w, http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_3149-97x55.jpg 97w, http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_3149.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Mit 1800 Auftritten und Konzerten, mit 1.4 Millionen Zuschauern und 8.2 Millionen Touristen, die j\u00e4hrlich an einer F\u00fchrung teilnehmen, ist das Opernhaus das wichtigste Performance- und Kunstzentrum Australiens. Im letzten Jahr feierte es seinen 40. Geburtstag, denn es wurde im Oktober 1973 er\u00f6ffnet. Die erste und einzige Ver\u00e4nderung an dem Geb\u00e4ude wurde im Jahre 2006 vorgenommen &#8211; es bekam eine neue Fensterfront. In dem Opernhaus selber gibt es sechs Auff\u00fchrungsorte. Wir wurden zuerst ins &#8222;Studio&#8220; gef\u00fchrt (man darf in den einzelnen R\u00e4umen keine Bilder machen &#8211; warum auch immer), in dem 220 bis 350 Pl\u00e4tze untergebracht werden k\u00f6nnen. In dem Raum war fr\u00fcher die Bibliothek und eigentlich sollte er als Schacht f\u00fcr die B\u00fchne genutzt werden, um die Kulissen nach oben und nach unten zu fahren. Dort hat zum Beispiel schon die Band &#8222;Coldplay&#8220; ihre Studioaufnahmen gemacht. Das &#8222;Drama Theater&#8220; dagegen besteht aus 544 Pl\u00e4tzen und wird an &#8222;performing arts companies&#8220; vermietet. Einige ber\u00fchmte Schauspieler traten in ihren Anfangsjahren hier auf, wie beispielsweise Mel Gibson und Nicole Kidmann, die in jungen Jahren angeblich im Sydney Opera House Programmhefte verteilt hat. Insgesamt haben im Opernhaus 5000 Besucher Platz! Im n\u00f6rdlichen Foyer der Konzerthalle liegt ein lila Teppich, der aufgrund der warmen und k\u00f6niglichen Farbe gew\u00e4hlt wurde und mir pers\u00f6nlich sehr gut gef\u00e4llt. Pavarotti war davon allerdings nicht\u00a0 begeistert, als er im Rahmen eines Fotoshootings darauf posieren sollte. Er weigerte sich, den Teppich zu betreten, weil die Farbe Lila im italienischen Theater Ungl\u00fcck bringt! Erst als man ins Operntheater umzog, wo ein roter Teppich lag, war der Opernstar zufrieden. K\u00fcnstler&#8230; \ud83d\ude42 <a href=\"http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_3156.jpg\" data-rel=\"lightbox-image-2\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-369\" alt=\"IMG_3156\" src=\"http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_3156-300x168.jpg\" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_3156-300x168.jpg 300w, http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_3156-1024x576.jpg 1024w, http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_3156-97x55.jpg 97w, http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_3156.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Das Foyer wird mit seiner tollen Aussicht auch f\u00fcr besondere Anl\u00e4sse vermietet, so feierte zum Beispiel der australische Tennisspieler Lleyton Hewitt dort seine Hochzeit. Die &#8222;Konzerthalle&#8220; ist der gr\u00f6\u00dfte Auff\u00fchrungsraum, der besonders f\u00fcr klassische Musik genutzt wird (aber auch f\u00fcr Jazz, Pop, etc.) und aufgrund der Akustik vollst\u00e4ndig aus Holz ist. Die Sitzbez\u00fcge der St\u00fchle sind aber pink! \ud83d\ude42 Es gibt akustische Ringe \u00fcber der B\u00fchne, die je nach Gr\u00f6\u00dfe des Orchesters heruntergelassen werden, eine akustische Decke bilden und somit den Ton schneller wieder zur\u00fcckschicken k\u00f6nnen. Der Raum ist 22 Meter hoch und wurde schon f\u00fcr Auftritte von Cliff Richard, Liza Minelli und Ute Lemper genutzt. Au\u00dferdem finden dort auch Talkrunden statt, der Papst hat im Jahr 2007 im Rahmen des Weltjugendtages in dem Raum gesprochen und der Autor von &#8222;Games of Throne&#8220; hat hier eine Lesung abgehalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie das Wahrzeichen Sydneys schlie\u00dflich entstanden ist, ist eine wirklich interessante Geschichte: Ab 1950 dachten man daran, in der Stadt ein Opernhaus zu bauen. Deshalb wurde ein Komitee ins Leben gerufen, das 30 potentielle Standorte pr\u00fcfte, sich f\u00fcr\u00a0Bennelong Point entschied und schlie\u00dflich 1955 einen internationalen Architekturwettbewerb ausrief. Die Resonanz war riesig, es gab 233 Entw\u00fcrfe aus 32 Staaten und die meisten stellten quadratische Bauten dar. Der Entwurf Nr. 218 enthielt die einzig originelle Idee, wobei die Hallen nebeneinander gesetzt wurden und die schmale Halbinsel eine optimale Nutzung erfahren w\u00fcrde. Da dieser Entwurf aber mehrere Regeln des Wettbewerbs gebrochen hatte, lag er schon im Papierkorb, als ihn ein finnisch\/amerikanischer\u00a0 Juror wieder ins Rennen brachte. Obwohl der Plan des damals gerade mal 38-j\u00e4hrigen D\u00e4nen\u00a0J\u00f8rn Utzon mangelhaft ausgearbeitet war, sah der Juror das Potential der Idee. Den Entwurf\u00a0 hatte Utzon am Schreibtisch ausgearbeitet &#8211; ohne vorher je in Sydney gewesen zu sein. Utzon plante viel Glas ein, damit man im ganzen Haus den Hafen von Sydney sehen und sich wie auf einem Ozeandampfer f\u00fchlen konnte. Der bis dahin unbekannte Architekt gewann trotz der M\u00e4ngel den Wettbewerb und Ende 1959 wurde mit den Arbeiten begonnen, obwohl keiner wusste, ob die Pl\u00e4ne \u00fcberhaupt zu realisieren waren. Damals sch\u00e4tzte man, dass es drei Jahre bis zur Fertigstellung des Geb\u00e4udes dauern\u00a0 und es 7 Millionen Dollar kosten w\u00fcrde. Das Glas wurde extra aus S\u00fcdfrankreich geliefert &#8211; es war das einzige Material, das nicht aus Australien stammte. Utzon sah keine Dachrinnen vor, so dass das Wasser in Ritzen abl\u00e4uft und ins Hafenbecken flie\u00dft. <a href=\"http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_3160.jpg\" data-rel=\"lightbox-image-3\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-370\" alt=\"IMG_3160\" src=\"http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_3160-300x168.jpg\" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_3160-300x168.jpg 300w, http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_3160-1024x576.jpg 1024w, http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_3160-97x55.jpg 97w, http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_3160.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Die \u00fcber 1 Millionen Kacheln des Dachs sind selbstreinigend und in 3-D-Form. Die muschelf\u00f6rmigen Dachschalen des Opernhauses, die jeder mit Sydney verbindet, waren aber eine bautechnische Herausforderung. Es wurde damals viel herumexperimentiert, 16 M\u00f6glichkeiten wurden getestet und selbst als sich das Fundament schon im Bau befand, waren die Dachschalen noch nicht fertig. <a href=\"http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_3154.jpg\" data-rel=\"lightbox-image-4\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-368\" alt=\"IMG_3154\" src=\"http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_3154-300x168.jpg\" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_3154-300x168.jpg 300w, http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_3154-1024x576.jpg 1024w, http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_3154-97x55.jpg 97w, http:\/\/www.cpierk.de\/australia\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/IMG_3154.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Utzon kam dann auf folgende Idee: Er lie\u00df eine Reihe miteinander verbundener Segmente herstellen, von einem Kran hochhiefen und in der Luft zusammenf\u00fcgen. Insgesamt waren am Opernhaus 1600 Arbeiter besch\u00e4ftigt und es wurde viermal mehr Stahl verbaut als bei er Harbour Bridge! Nat\u00fcrlich kostete das Bauvorhaben viel mehr als gedacht, die Stadt sperrte das Geld schlie\u00dflich im Februar 1966, als noch ein Gro\u00dfteil des Dachgew\u00f6lbes fehlte. In Folge des Streits mit der Stadt legte Utzon seine Arbeit nieder und ein Gremium aus Architekten \u00fcbernahm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach schlie\u00dflich 16-j\u00e4hriger Bauzeit und einem Kostenvolumen von 102 Millionen Dollar war das Meisterwerk vollendet. Der Architekt Utzon kehrte allerdings nie nach Sydney zur\u00fcck, um seine Idee live vollendet zu sehen. Da Utzon damals alle seine Pl\u00e4ne mitgenommen hatte, ist die Inneneinrichtung des Geb\u00e4udes nicht von ihm. Allerdings ist die Stadt im Jahre 1999 wieder an den D\u00e4nen herangetreten und Utzon hat von da an bis zu seinem Tod im Jahre 2008 wieder aktiv an Pl\u00e4nen f\u00fcr die Zukunft des Geb\u00e4udes mitgearbeitet. Um die Instandhaltungsma\u00dfnahmen und die Ver\u00e4nderungen am Haus vor Ort zu begutachten, hatte er immer seinen Sohn geschickt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend ich jetzt alles \u00fcber die Entstehung des Geb\u00e4udes wusste, wollte ich mich nat\u00fcrlich auch von dem Programm \u00fcberzeugen. F\u00fcr 25 Dollar ergatterten Regina und ich f\u00fcr diesen Abend noch Stehpl\u00e4tze f\u00fcr &#8222;La Soiree&#8220; &#8211; eine Mischung aus Akrobatik, Comedy und Burlesque. Einige Trapeznummern waren sehr gut und auch so mancher Comedian war ganz lustig. Aber etwas befremdlich fanden wir es dann doch, als sich eine Frau, w\u00e4hrend sie erst aus s\u00e4mtlichen Kleidungsst\u00fccken und sp\u00e4ter aus s\u00e4mtlichen K\u00f6rper\u00f6ffnungen T\u00fccher hervorzauberte, allm\u00e4hlich auszog und schlie\u00dflich splitterfasernackt durch das Publikum lief. Eine Schwertschluckerin war genauso Teil des Abends wie ein als Queen verkleideter Kabarettist, tanzende Aborigines und eine Hula Hoop-Frau. So eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Mischung sieht man nicht alle Tage und jetzt wissen wir, dass die Australier scheinbar nicht sehr pr\u00fcde sind. \u00dcbrigens gut, dass wir hinten standen, denn diejenigen, die f\u00fcr viel Geld Sitzpl\u00e4tze oder sogar einen Tisch hatten, wurden oft zur Freude aller anderen in das Programm miteinbezogen &#8211; bekamen einen Slip auf den Kopf gesetzt, das Bier weggetrunken und durften als Lachnummer herhalten \ud83d\ude42 Die erste Auff\u00fchrung, die ich also im Opernhaus in Sydney gesehen habe, war ein besonderes Erlebnis! \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Posted from Sydney, New South Wales, Australia. Nachdem ich etwa 5.000 Bilder von allen erdenklichen Seiten des Opernhauses gemacht hatte, war es an der Zeit, das Wahrzeichen Sydneys mal von innen anzuschauen. \ud83d\ude42 Sch\u00f6n ist, dass es dreimal die Woche sogar F\u00fchrungen auf Deutsch gibt. 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